Das ekelhafteste Essen meiner Kindheit (4:15)

Kapitel 1

Mutti ist die Beste, vor allem, was das Kochen angeht. In meinem Leben habe ich eigentlich nie wieder so gut gegessen wie in meiner Kindheit sonntags am Mittagstisch. Rouladen, Sauerbraten, Wurstsalat, Apfelkuchen – Meine Mutter kann alles. Auf einer einsamen Insel könnte ich problemlos jahrelang überleben, solange ich genug von der Bratensoße meiner Mutter dabei habe. Am Kochlöffel macht ihr so schnell niemand etwas vor, …

Kapitel 2

…doch leider hat sie in ihrer Karriere auch oft genug daneben gelegen. So lecker Kassler, Kaiserschmarren und Co. auch waren, so tief haben sich in meinen Erinnerungen ein paar Abscheulichkeiten eingebrannt, die ich als Kind verköstigen musste. Die meisten von ihnen habe ich bis heute nie wieder angerührt. Hier meine Top 10 aus der Folterküche:

Rosenkohl

Wie sagte mein Bruder einst so treffend? „Rosenkohl schmeckt, als hätte dir jemand in den Mund gefurzt.“ Amen.

Senfeier

Kennt ihr die eine Szene aus „Men in Black“, in der Will Smith dieses Alienbaby auf dem Arm hat, das ihm dann den ganzen Anzug vollkotzt? Senfeiersoße sieht genauso aus wie diese Alienkotze.

Steckrübeneintopf

Meine schlimmste Kindheitserinnerung! Habt ihr schon mal warmen Schaumstoff gegessen? So haben sich damals die Steckrübenstückchen im gleichnamigen Eintopf angefühlt. Wirsingeintopf steht bei mir übrigens auf derselben Ekelstufe.

Rote Beete

Sieht unverarbeitet schon scheiße aus und schmeckt sauer eingelegt einfach grässlich.

Kohlrouladen

Wenn der Kohl nicht wäre, wären Kohlrouladen echt lecker. Warum muss man denn so etwas leckeres wie Hackfleisch mit einer ekelhaften Hülle aus gekochtem Kohl vergewaltigen? Zum Glück gab es früher auch oft genug selbstgemachte Frikadellen.

Kümmel

Das schlimmste Gewürz der Welt! Egal was, mit Kümmel dran schmeckt alles nur nach Kümmel. Wer zum Beispiel das Kümmelbrötchen erfunden hat, mit dem ist doch irgendwas nicht ganz richtig gewesen!

Walnuss

Was für eine bescheuerte Laune der Natur! Bekommt man nur unter Gewaltanwendung geöffnet, macht Dreck ohne Ende und schmeckt nach diesem ganzen Aufwand auch noch furchtbar.

Fondant-Süßigkeiten

Kennt ihr noch diese ekelhaften Zuckersüßigkeiten in Sternenform? Zu Ostern sahen die auch gerne mal wie kleine Spiegeleier aus. Das war eine einzige Zuckerpampe mit einer dünnen Schicht Schokolade darüber, die schon durch bloße Berührung Diabetes und Karies auslöste. Widerlich! Ich glaube, es gibt keine andere Konditorerfindung, die nur einmal angebissen und dann voller Abscheu weggeworfen wird.

Cappuccino-Pudding

Schokolade ist eine der besten kulinarischen Erfindungen überhaupt. Kaffeearomen gehören da überhaupt nicht rein! Wenn ich Kaffee brauche, trinke ich welchen. Heiß und flüssig und mit Milch und Zucker, wie es sich gehört!

Kiwi-Quark

Kiwi und Milchprodukte sollten aus einem guten Grund nicht vermischt werden: Die Speise wird fast augenblicklich sauer. Wussten wir damals nicht, haben einen Löffel davon probiert und das Ganze dann unter ständigem Rühren in den Ausguss gekippt.

Kapitel 3

Trotz einiger kulinarischer Irrungen während meiner Kindheit ist aus mir ein gut gelauntes, wohlgenährtes, leicht übergewichtiges Kerlchen geworden. Vor allem der Militärdienst hat mich gelehrt, mit dem auszukommen, was einem angeboten wird. Seit meinen damaligen Besuchen der Bundeswehrkantine und zahlreichen Mittagspausen im Gelände bin ich beispielsweise Tomaten, Mayonnaise, Sülze, Spinat sowie Käse nicht mehr abgeneigt. Wie ich zwanzig Jahre ohne Emmentaler und Cheddar auskommen konnte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Und an den Esstisch meiner Mutter kehre ich immer noch sehr gerne zurück, vor allem an Weihnachten, wenn sie der Familie ihren einzigartigen Schweinebraten in Schwarzbiersoße auftischt.

Advertisements

14 Gedanken zu “Das ekelhafteste Essen meiner Kindheit (4:15)

  1. Pingback: Die Muße (8:00) | Der neue Stefan

  2. Pingback: Heavy Metal | Der neue Stefan

  3. Pingback: Im Bett nebenan meckert Bertram (6:45) | Der neue Stefan

  4. Pingback: Power to the Seppo (5:45) | Der neue Stefan

  5. Pingback: Der Facebook-Führerschein (3:30) | Der neue Stefan

  6. Pingback: Der Tag, an dem sich mein Bart beim Zahnarzt im Bohrer verfing (5:15) | Der neue Stefan

  7. Pingback: Rubbeln und Spritzen (5:00) | Der neue Stefan

  8. In deiner Liste finde ich mich (und mein kindliches Ich, das sich mit Grauen an manche Speisen erinnert) wieder. Vieles mag ich heute aber recht gerne und frage mich ganz still und leise ob es vielleicht an Mamas Zubereitung gelegen haben mag.
    Liebe Grüße
    Mitzi

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s