Heavy Metal

Tagsüber sitz‘ ich im Chefsessel,
nach Feierabend hör ich Heavy Metal.
Ich schreib den ganzen Tag auf meine Zettel,
am Wochenende hör‘ ich Rock und Punk und Heavy Metal.

Dann tausche ich Melitta gegen Metallica,
USB gegen AC/DC,
Excel-Tabellen gegen Axl Rose,
Stechuhr und Stress gegen Slipknot und die Wall of Death.

Während der Chefkonferenz
denke ich an Heavy-Metal-Bands.
Nach dem Kleinkrieg im Büro
höre ich zu Hause laute Mucke aufm Klo.

Tagsüber sitz‘ ich im Chefsessel,
im Fahrstuhl läuft Stefanie Hertl.
Ich bespiele das Keyboard auf meinem Desktop,
unter meinem Schreibtisch steht der Papierkorb, wie eine Basedrum,
mein Mikro ist das Telefon,
aus den Boxen dröhnt: „Besprechung!“

Ich lebe für Heavy Metal.
Ich steh auf Geschrabbel und Gemetzel.
Ich tacker mir Totenköpfe und Blitze auf meine Zettel.
Und wenn ich im Fahrstuhl poge und headbange gibt es Verletzte.

Am Tag trage ich Anzug und Krawatte,
am Wochenende schüttel ich meine Matte.

Dann schlage ich über die Stränge,
wenn ich mich in die Enge der Menschenmenge dränge und vor der Bühne headbange. Und ich gröle die Gesänge.
Auf der Bühne hämmert der Drummer den Takt,
der Sänger macht sich nackt.
Und ich? Ich spack ab.

Im Sommer fahre ich nach Wacken,
um da tagelang mit den anderen abzuspacken.
Statt Jacket trage ich Lederjacke.
Ich hab‘ dicke Stiefel an den Hacken und muss aufm Dixi kacken.

Irgendwann werde ich sicherlich 60,
und auch dann rocke ich immer noch heftig,
Ich habe noch viele Träume und Wünsche, keine Frage,
doch ich stehe so lange da vorne drin und rocke und mosche und headbange, bis sie mich raustragen.
Bis sie mich wegschleifen mit Applaus,
ich mach die Pommesgabel und schreie „Ich bin raus!“

Irgendwann bin ich 70, 80, 90,
ich dreh im Altenheim den Metal auf, Hildegard und Ilsegret freuen sich.
Dann sitz‘ ich im Fernsehsessel,
mache Pipi nur noch in den Kessel,
brauche Hilfe beim Essen
und muss ständig mein Gedächtnis testen.
Die Schwester kommt mit meinen Werten aufm Zettel.
Alles bestens? Darauf erst mal Heavy Metal.

Und irgendwann kommt das letzte Gitarrensolo. Der letzte Moschpit, die letzte Wall of Death.
Dann kommt mein ganz persönlicher Stairway to Heaven.
Der Securitymann vor dem goldenen Tor möchte mein Festivalbändchen sehen.
Wir haben dich erwartet“, sagt er. „Schön, dass du da bist, mein Sohn.
Bitte hier entlang. Kurt Cobain, Lemmy und Metallica warten schon.“

 

Dieser Beitrag hat zu einer honorarfreien Kooperation mit „Home to go“ geführt. Infos zu meinem Lieblingsfestival „Rock im Park“ und vielen weiteren Veranstaltungen in Europa findet ihr unter https://www.hometogo.de/liste/festivals/rock-im-park/. 

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7 Gedanken zu “Heavy Metal

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