Happy Brechreiz to you (3:00)

Was schenkt man jemandem zum Geburtstag, der schon alles hat?

Und viel wichtiger: Was schreibt man jemandem in die Geburtstagskarte, der in seinem Leben schon jeden Schwachsinn zwischen „Glühstrumpf“ und „Burzeltag“ gehört hat?

Mit 12 ist es ja vielleicht noch lustig und man hält es für unglaublich kreativ, wenn man „Alles Gute zum Schlüpftag“ gewünscht bekommt. Aber mit 40 oder gar 60?

„Endlich bist du so alt, wie du aussiehst!“ ist grenzwertig und kommt sicherlich nicht bei jedem gut an.

„Man ist nur so alt, wie man sich fühlt.“

„Altwerden ist nichts für Feiglinge.“

Ich möchte das nicht.

Schlimmer als Karten zum Geburtstag sind Karten zur Hochzeit. Dafür, dass man sie viel seltener schreiben muss, kommt dabei meist doppelt so viel Hirnschrott aufs Papier:

„Wenn sich zwei Menschen das Ja-Wort geben, willigen sie ein, gemeinsam alt zu werden.“ Uuuääärgh!

„Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Aaaahhhhhhhhhhh!

„Rezept für eine glückliche Ehe: zwei Teile Liebe, ein Teil Vertrauen, ein gehäufter Teelöffel Humor, eine kräftige Prise Toleranz…“ Würg! Hör auf! Ich kann es nicht mehr hören!

Dieser Zwang, irgendwas kreativ-romantisches in eine Hochzeitskarte schreiben zu müssen, ist widerlich. Den meisten fällt nichts besseres ein, als sich die Finger wund zu googeln und am Ende einen Spruch zu nehmen, den sich noch vier weitere Gäste aus dem Internet gezogen haben. Andere stehen mehr auf Bibelsprüche, die, wenn nicht abgedroschen, meist viel zu fromm für eine moderne Hochzeit sind. Vor allem, wenn bewusst nur standesamtlich geheiratet wird.

Das tückische bei Eheschließungen ist, dass sich die Gäste nicht nur für die Glückwunschkarte einen Spruch überlegen müssen. Heutzutage geht keine Hochzeitsfeier ohne anständiges Gästebuch über die Bühne und dafür müssen auch ein paar nette Worte her. Natürlich andere, als in der Karte. Spätestens hier wird dann zum Bibelzitat gegriffen. Gerne auch zu einem längeren, denn auf so einer ganzen Seite ist viel Platz.

Bei Hochzeitsgästebüchern habe ich es meistens spontan gehalten. So landete in dem Exemplar von einem guten Freund ein Schokoladefleck von der Mousse au Chocolat auf meiner Seite. Ein Lob an die Küche. Nachts um halb zwei hielt ich das offenbar für eine gute Idee. Bei meiner eigenen Hochzeit habe ich mich am meisten über den Kumpel gefreut, der mir im Gästebuch seine Lieblingslieder des Abends aufgelistet hat. Es kann so einfach sein.

Und bei Geburtstagskarten? Meist steht doch draußen schon was drauf und wichtig ist doch nur, wie viele Geldscheine drin stecken. Macht euch also nicht solchen Stress. Bevor ihr Schwachsinn schreibt, schreibt lieber gar nichts. Oder wenigstens kreativen, noch nie dagewesenen Schwachsinn wie „Ich weiß, wie sehr du Pferde liebst, deswegen habe ich das Geldgeschenk in kleinen Scheinen zwischen den Seiten der aktuellen ,Wendy‘ versteckt.“ Und „Prost“ als Gruß geht immer, egal ob zum 20. oder zum 90. Geburtstag.

Ich selbst hatte übrigens vor kurzem erst Geburtstag, trinke gerne Budweiser und brauche noch einen Rasenmähroboter für den Garten. Wisst ihr Bescheid, nech?

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