Bürgerinitiative gegen Bürgerinitiativen

Sie verschandeln die Umwelt, verstellen den Blick auf die Natur und lassen jeglichen ästhetischen Anspruch vermissen: Die Aktionen von Bürgerinitiativen. In den vergangenen Jahren sind immer wieder zahlreiche grottenhässliche Bastelarbeiten einfach mitten in die Natur gestellt worden, um gegen Atomkraft, Windräder, Fracking oder neue Bahntrassen zu demonstrieren. Ich möchte das nicht.

Gegen dilettantische Laubsägearbeiten am Straßenrand

An einer Bundesstraße im Heidekreis bei Soltau stand monatelang ein längliches Gebilde aus Strohballen und einer weißen Plastikplane, das einen ICE darstellen sollte. Protestiert werden sollte damit offenbar gegen eine neue Schnellzugstrecke. Wind und Wetter setzten dem Objekt aber derart zu, dass es schnell zu einem undefinierbaren Klumpen zusammenschrumpfte. Wer mit dem Auto durch das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg fuhr, der entdeckte vor einiger Zeit an mehreren Stellen verrostete gelbe Metalltonnen und zusammengefallene Vogelscheuchen und Plastikskelette am Straßenrand. Diese eigenwilligen Installationen sollten den Protest gegen Castortransporte und Atommüllendlager verdeutlichen. An anderer Stelle wird mit klapprigen Fördertürmen aus Holz gegen Fracking demonstriert. Und an einer meiner Mountainbike-Routen durch den Wald stehen seit einiger Zeit eilig zusammengenagelte Holzkreuze, die sich als Mahnmal offenbar gegen eine geplante Bahntrasse wenden sollen. Ich möchte diese dilettantischen Laubsägearbeiten nicht mehr sehen. Nicht vor meiner Haustür!

Bahnfahren gefährdet ihre mentale Gesundheit

Wenn ich von Protesten gegen neue Bahntrassen höre, muss ich an meine vier Jahre andauernde Tortur als Berufspendler zwischen Niedersachsen und Hamburg denken. Jeden Tag war ich mindestens zwölf Stunden von zu Hause weg. Und nur acht davon saß ich im Büro. Den Rest verbrachte ich auf dem Weg zum Bahnhof, mit Warten am Bahnsteig und mit Sitzen im Zug. Manchmal ging das gut. Meistens aber nicht. Es gab kaum einen Tag, an dem die Bahn ohne Schwierigkeiten verkehrte. War sie morgens pünktlich, kam sie abends zu spät und umgekehrt. Bei Sturm ging oft nichts mehr. Wenn Bäume auf die Gleise fielen oder Oberleitungen beschädigten, war die Strecke manchmal einen ganzen Tag lang gesperrt. In manchen Fällen konnte der Zug abends eine Umleitung nach Hannover nehmen, doch dann war ich immer eine Stunde später zu Hause als sonst. Zweimal war die Lage so katastrophal, dass alle Verbindungen gestrichen wurden und ich mir abends spontan ein Hotelzimmer in Hamburg buchen musste.

Nach vier Jahren hatte sich der Job in Hamburg leider erledigt. Viel länger hätte ich das Pendeln aber auch nicht ausgehalten. Bis heute hege ich eine große Abneigung gegen die Deutsche Bahn und versuche so weit es geht, aufs Bahnfahren zu verzichten.

Wir brauchen Bahnverbindungen, auf die man sich verlassen kann. Wir brauchen mehr Züge, um eine engere Taktung hinzubekommen und um das Platzangebot sowie Ruhezonen auszubauen. Beides erhöht den Komfort an Bord. Dafür benötigen wir mehr Schienen, denn auch der Güterverkehr wird nicht weniger.

Bald zehn Milliarden Menschen auf der Erde

Als ich 1980 geboren wurde, lebten 4,4 Milliarden Menschen auf der Erde. In Deutschland waren 78 Millionen Einwohner erfasst sowie 23 Millionen Pkw zugelassen. Heute leben acht Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Die Zehn-Milliarden-Marke werde ich wahrscheinlich noch miterleben. Die Bevölkerungszahl in Deutschland hat sich seit 1980 um rund fünf Millionen erhöht und die Zahl der zugelassenen Pkw hat sich mehr als verdoppelt (siehe Quellenangaben).

Die Menschen müssen irgendwo hin. Und noch mehr Autos auf den Straßen ist nicht die Lösung. Wir brauchen klimafreundliche Fortbewegungsmittel. Und ein Zug, der gleichzeitig hunderte Menschen transportiert und von erneuerbaren Energien angetrieben wird, ist auf dem besten Weg an dieses Ziel.

Future is now: Wasserstoff, Windkraftsäulen, Wellenkraftwerk

Proteste gegen Einschnitte in die Natur verstehe ich. Windräder beispielsweise sind nicht schön. Doch schon jetzt gibt es Lösungen für kleine, unauffällige Anlagen in Säulenform ohne ausladende Flügel. Atomkraft ist ebenfalls nicht die Energiequelle der Zukunft. Denn auch wenn die Erzeugung klimaneutral sein mag, so sind die Aussichten für Atommüll, den man für eine Million Jahre tief in der Erde eingraben muss, alles andere als nachhaltig. Elektroautos stoßen kein klimaschädliches CO2 aus, doch wie es in 30 Jahren mit den Altlasten von gebrauchten Akkus aussieht, ist ungewiss.

Ich glaube an eine klimafreundliche Zukunft, doch momentan halten wir uns mit Brückentechnologien über Wasser. Apropos: Ich setze auf Wasserstoff. Und auch das Potenzial von Wind- und Wasserkraft ist noch nicht ausgeschöpft. Ich kann mir vorstellen, dass es in ein paar Jahren weniger riesige Anlagen gibt, sondern dass stattdessen immer mehr kleine Solar- oder Windkraft-Lösungen beispielsweise auf Hausdächern stehen. Kürzlich habe ich eine innovative Anlage gesehen, die auf der Meeresoberfläche liegend die Kraft der Wellenbewegungen in Energie umwandelt und damit einen deutlich kleineren Eingriff die Natur ermöglicht als beispielsweise Off-Shore-Windparks.

Jetzt ist das hier doch tatsächlich in einen Exkurs zu innovativen Energieerzeugungssystemen abgedriftet. Wollte ich eigentlich gar nicht. Aber ich lass das mal so stehen. Interessant ist es ja trotzdem.

Das Auge protestiert mit!

Aber mein eigentliches Anliegen möchte ich nochmal aufgreifen: Ich bin gegen verrottende Holzbastelarbeiten in der Natur! Nehmt euch wenigstens einen Kunstlehrer oder einen Tischlermeister mit ins Team, um eurem Protest einen ästhetischen Anstrich zu verleihen. Das Auge protestiert mit! Oder konzentriert euch auf Aktionen gegen die AfD. Das ist auch nicht unwichtig.

Ich jedenfalls freue mich auf die neue Bahntrasse nach Hamburg. Dann macht Bahnfahren vielleicht endlich mal wieder Spaß und man muss nicht immer den inneren Amokläufer zurückhalten, weil diese SCHEISS BAHN SCHON WIEDER ZU SPÄT IST..! Sorry, das Trauma sitzt noch tief.

Und die gute Nachricht zum Schluss: Das Ozonloch schließt sich wieder. Hatte mich schon gefragt, was aus dem eigentlich geworden ist.


Quellenangaben:

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2 Gedanken zu „Bürgerinitiative gegen Bürgerinitiativen

  1. Wenn aber im Zuge des „Deutschlandtakts“ statt des Ausbaus der bestehenden Bahntrasse lieber eine neue Strecke teils durch Natur- oder Landschaftsschutzgebiete meiner heimischen Pampa gefräst werden soll, Alternativstrecken die teilweise Untertunnelung des schönen Weserberglands vorsehen und insgesamt derartige Ideen nur deshalb das Licht der Welt erblicken, um mit dem Zug 31 Minuten schneller von Hannover nach Bielefeld zu kommen – als wollte da jemand hin -, dann verstehe ich persönlich jedes Laubsägeholzkreuz. :-)

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