Der Facebook-Führerschein (3:30)

Ich fordere einen Facebook-Führerschein für alle! Den müsste jeder in der Schule, vielleicht so mit zwölf Jahren, bestehen, um anschließend im Internet korrekt auftreten zu können. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Schulfach daraus werden, doch so zwei bis drei Unterrichtsstunden, anschließend eine Klausur, und wer die mit mindestens einer vier besteht (und nur der!) darf sich hinterher bei Facebook anmelden. So stelle ich mir das ungefähr vor. In den vergangenen Jahren sind die Menschen ja einfach so auf das Internet losgelassen worden. Das muss sich dringend ändern!

Die erste Lektion müsste unbedingt die korrekte Verwendung des Namens sein. Das Ding heißt Facebook. Nicht „Fatzebook“ oder „Fratzenbuch“ und auf gar keinen Fall „Gesichtsbuch“! Ich weiß nicht, wer das erfunden hat, aber nur dieser eine Mensch darf das vielleicht mal sagen. In Ausnahmefällen. Der Rest nicht! Langsam wird’s albern.

Anschließend sollte es sofort um Rechtschreibung und Satzzeichen gehen. Groß- und Kleinschreibung ist ein elementarer Bestandteil der modernen Kommunikation. Dafür haben die Buchdrucker jahrhundertelang gekämpft. So viele klemmende Shift-Tasten kann es gar nicht geben, dass alle Wörter klein geschrieben werden müssen. Außerdem sieht es behämmert aus und ist dem Empfänger gegenüber respektlos.

Das gleiche gilt für die richtige Schreibweise. Eine tolle Message ist gleich viel weniger wert, wenn die Wörter falsch geschrieben sind. Wer bei der nechsten Bnutestagswal den Kantzler abwehlen möchten, der sollte liber vorher mahl im duhden nachkucken. Nur Nazis dürfen weiterhin falsch schreiben, damit man ihren idiotischen Hirnschiss auf den ersten Blick erkennt. Aber wenn der Führerschein eingeführt werden sollte, werden die sowieso nicht mehr bei Facebook zugelassen. Höchstens noch bei Faschistbook.

Und wer natürlich auch so weitermachen darf wie bisher, ist der Typ hinter „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“! Wieso hatte ich diese Idee nicht?!

Satzzeichenfetischisten sollten durch den Facebook-Führerschein auch gleich aussortiert werden. Wer in seinen Posts regelmäßig den Til Schweiger macht, also mehr Ausrufezeichen als Buchstaben verwendet, der sollte eine Entziehungskur empfohlen bekommen.

Hetze, Hasskommentare, Ausländerfeindlichkeit und rechtes Gedankengut haben auf Facebook überhaupt nichts zu suchen. Wer in der Abschlussprüfung der Facebook-Schulung den Satzanfang „Ich bin ja kein Nazi, aber…“ auch nur etwas ok finden sollte, der sollte sofort durchfallen und den Kurs erst in einem Jahr wiederholen dürfen.

Auch dem Posten von Fotos muss beim Facebook-Führerschein ein kurzes Kapitel gewidmet werden. Viele Kinderfotos sind ja wirklich niedlich und der Nachwuchs ist verständlicherweise der ganze Stolz der Eltern. Solange die Kinder jedoch nicht selbst bestimmen können, welche Bilder von ihnen im Internet landen, sollten Eltern davon Abstand nehmen. „Das Internet vergisst nie“ ist zwar ein abgedroschener Spruch, in Zeiten von Vorratsdatenspeicherung aber aktueller denn je.

Foodies sind zwar nicht ganz so schlimm, nerven irgendwann aber extrem. Hier sollte eine Obergrenze eingeführt werden. Wer privat mehr als zwei Foodies im Monat postet, sollte verwarnt werden. Außerdem sollte ihm die Einrichtung einer eigenen Foodie-Facebookseite empfohlen oder gleich der Weg zu Instagram gezeigt werden.

Was weiterhin erlaubt ist, sind Cartoons, Fotos von lachenden, intelligenten Menschen, Posts mit Humor und Verstand sowie Momente von historischem politischem oder sportlichem Wert. Sogar bei Katzenvideos würde ich ein Auge zudrücken. Wieso haben diese Viecher eigentlich solche Angst vor Gurken? Zu geil!

Ich mache jetzt schon mal einen Unterrichtsraum klar. Die ersten Wochenend-Seminare für den Facebook-Führerschein können demnächst bei mir gebucht werden. Vielleicht. Ich muss jetzt erst mal „Katzen+Gurken“ googeln.

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15 Gedanken zu “Der Facebook-Führerschein (3:30)

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  3. Sehr geehrter Herr Stefan,
    da bereits in deutschen Grundschulen Führerscheine für alles erworben werden können, können Sie nicht verlangen, dass diejenigen, die schon den Füllerführerschein nicht bestanden haben, auch noch durch einen Durchfall bei dem von Ihnen geforderten Internetscheines vollends der Möglichkeit zur schriftlichen Mitteilung beraubt werden.
    Das Mitteilungsbedürfnis ist zutiefst menschlich, also quasi ein Menschenrecht und demzufolge zu schützen mit allen Mitteln. Wieder einmal sind Sie als Gutbürger gefragt, Verständnis für diejenigen zu zeigen, um die es nicht so hell erleuchtet scheint.
    Sie übervorteilen in Ihrem Bericht die Nazis. Behinderten- und Frauenbeauftragten haben auch noch ein Wörtchen mitzureden und mit denen ist nicht zu spaßen. Oder möchten Sie sich etwa öffentich dazu bekennen, über die Sprüche zu den Bildern genauso herzlich gelacht zu haben, wie ich, wo doch der pardon – die SchreiberlingIn möglicherweise durch spastische Zustände vom korrekten Benutzen der Tasten abgehalten und wegen leicht epileptische Anfälle an der Bildschirmkorrektur behindert wird?
    Und als Punkt drei habe ich zu entgegnen, was mir in solchem Zusammenhang gern nachgesagt wird: seien Sie doch nicht so altmodisch! Sie haben doch verstanden, worum es geht. Schmerz durch Satzzeichen, ich bitte Sie, da gibt es doch wirklich was dagegen…
    Mit besten Grüßen
    Frau Körb

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