Richtig studieren: Neun wirklich ernst gemeinte Tipps, Ratschläge und Lebensweisheiten (8:00)

Studieren ist toll, wirklich! Nach den vielen Jahren in der Schule mit unsinnigen Formeln, blöden Fremdsprachen und doofen Turnübungen könnt ihr endlich lernen, was ihr wollt! Hamburg, Berlin, München, Köln – ihr erobert eine neue Stadt und steht auf eigenen Beinen. Ihr habt eine eigene Wohnung oder ein Zimmer in einer WG, müsst euch jeden Tag selbst etwas kochen, Wäsche waschen und staubsaugen. Und ihr habt noch weitere Pflichten wie Party machen, Alkohol trinken, Spaß haben und Ausschlafen. Und Lernen natürlich. Irgendwann zwischendurch. Hier nun weitere Tipps für ein erfolgreiches Studium, die der Autor höchstpersönlich am eigenen Leib während seiner rekordverdächtigen Highspeed-Studienzeit von nur 13 Semestern ausgetestet und für gut befunden hat.

1. Machen!

Zieht das Studium durch! Oder fangt wenigstens an. Ihr überlegt, ob ihr überhaupt studieren möchtet? Ihr habt Abi, aber möchtet erst mal schauen? Erst eine Ausbildung? Oder ein Auslandsjahr? Oder Bufdi werden? Studiert einfach! Es ist gar nicht schwer! Das werden die besten Jahre eures Lebens! Einfach mal ausprobieren. Bewerbt euch für ein Fach, das euch interessiert. Das passt schon. Sobald ihr es auch nur in Erwägung zieht, ein Studium zu beginnen, seid ihr bestens dafür geeignet. Niemals wieder werdet ihr euch so unabhängig fühlen, wie zu Beginn eures Studiums. Und niemals wieder werdet ihr mit so wenig Geld so glücklich sein. Ihr werdet Erfahrungen fürs Leben sammeln, natürlich auch fürs Berufsleben, denn ein abgeschlossenes Studium macht sich in jedem Lebenslauf gut.

2. Nehmt jede Party mit

Ihr seid Studenten und zu den Pflichten eines jeden Studenten gehört es, ordentlich zu feiern! In Studentenwohnheimen steht das sogar im Mietvertrag, glaube ich…

Partys gibt es genug, Ausreden zählen nicht. Anlässe werden kurzerhand erfunden. Neben Erstsemester-, Semesteranfangs-, Warm-Up-, Frühlings-, Sommer-, Herbst-, Winter-, Advents-, Weihnachts-, Silvester-, Fachbereichs-, Fakultäts-, Wohnheim-, Flur-, WG-, Mensa-, Open-Air-, Seminar-, Campus-, Motto-, Tutoren- und Semesterabschlusspartys gibt es genug Gelegenheiten, sich mit Kommilitonen und Mitbewohnern in den Partyvierteln, Clubs, Bars, Discos, Kneipen und Kaschemmen die Nächte um die Ohren zu hauen. Studenten feiern von Donnerstag bis Sonntag, haben montags und freitags frei und gehen von Dienstag bis Donnerstag nachmittags zu einer oder zwei Lehrveranstaltungen. Auch das ist verbindlich festgeschrieben. Irgendwo.

3. Esst in der Mensa

Das Essen in der Mensa ist super. Punkt. Es wird nicht gemeckert. Nehmt euch ein Tablett, darauf kommt ein Teller mit Nudeln vom Pasta-Büfett, dazu ein kleiner Salat und ein Wasser oder ein Kaffee. Alternativ holt ihr euch ein belegtes Brötchen vom Snackpoint nebenan. Vor allem in der Lernphase werdet ihr das Angebot der Mensa zu schätzen wissen. Wenn ihr Glück habt, hat eure Mensa sogar bis abends um 21 Uhr geöffnet. Eure Zeit könnt ihr dann prima ins Lernen investieren und müsst sie nicht fürs Einkaufen und Kochen opfern. Klar, Mutti hat wahrscheinlich besser gekocht, doch Mutti kann euch nicht das ganze Leben lang pudern und wickeln.

4. Lernt in der Uni-Bibliothek

Wenn ihr wirklich etwas lernen wollt, lernt in der Uni-Bibliothek. Auch wenn ihr an diesem Tag weder Vorlesung noch Seminar habt, packt ihr euren Kram zusammen und setzt euch in die Bibliothek an einen Tisch und lernt. Es gibt nichts motivierenderes, als tausende Bücher voller Wissen und hunderte weitere konzentrierte Studenten um einen herum, um sinnvoll zu lernen. In der WG oder im Wohnheim ist es vielleicht gemütlicher, doch dort stehen auch Fernseher, Computer und Kühlschrank. Zu schnell seid ihr abgelenkt, hängt stundenlang bei Facebook rum, schaut euch irgendwelche Dokus bei N24 an und rennt ständig für Kaffee, Schokolade oder halbe Hähnchen in die Küche.

Verbringt so viel Zeit wie möglich an der Uni. Esst dort, geht dort zu Toilette, setzt euch dort in den Park und macht eine Pause. Genießt die Sonne auf dem Campus und geht abends ins Uni-Kino im Audimax.

Seid keine Gäste, seid Studenten. Mit Haut und Haaren und von morgens bis abends. Mit schlechten Nebenjobs und klapprigen Fahrrädern. Mit Aufnähern auf den Taschen und Idealismus im Herzen. Glaubt an das Gute. Werdet politisch. Protestiert gegen das System. Entwickelt Prinzipien. Werdet kritisch, werdet selbstbewusst, werdet erwachsen. Bleibt fröhlich, bleibt offen, bleibt gelassen.

5. Hört auf eure Profs

Wenn ihr euch bei Prüfungen, Referaten und Hausarbeiten nicht sicher seid, fragt eure Dozenten und Professoren und hört auf ihren Rat. Wenn euer Prüfer euch vor der mündlichen Abschlussprüfung rät, einfach so ausführlich drauflos zu reden, dass 15 Minuten lang keine Zwischenfragen möglich sind, dann macht das genau so, denn es ist ernst gemeint. Wählt Literatur, die bei den Profs angesehen ist. Vergesst nichts. Haltet euch ans Thema. Bleibt wissenschaftlich. Euer Dozent ist schließlich auch Wissenschaftler.

6. Studiert zu Ende

Mal ein oder zwei Semester antesten und dann wieder umschwenken ist ok, vor allem, seitdem vor einigen Jahren die Wehrpflicht weggefallen ist und Schüler in Deutschland immer früher ihr Abitur machen. Doch wenn ihr schon einige Semester abgerissen und ein paar Scheine oder Punkte zusammen habt, dann zieht das Ding auch durch. Vielleicht werdet ihr später in einem ganz anderen Beruf landen, bei dem ihr das im Studium gelernte niemals anwenden werdet, doch das Abschlusszeugnis eurer Uni macht sich bei einer Bewerbung immer gut, egal, um was für einen Job es geht.

7. Keine Angst vor einer fremden Stadt

Habt keine Angst davor, euch in einer fremden und größeren Stadt nicht zurechtzufinden. In den meisten Groß- und Studentenstädten gibt es alles, was ihr braucht: U-Bahn, S-Bahn, Studententickets, Partyviertel, Bibliotheken, Supermärkte, Partys, Studentenwohnheime, Studentenrabatte, Studentenpartys, Semesterpartys, Clubs, Bars und Partys. Natürlich ist es nicht so, wie bei euch zu Hause, doch schlechter ist es auf keinen Fall! Eine neue Stadt zu entdecken, ist spannend, aufregend und toll! Wenn ihr euch nach einiger Zeit in den Straßen auskennt und den U-Bahn-Plan auswendig könnt, macht sich in euch ein erhabenes Angekommen-Gefühl breit.

8. Fahrt mit dem Fahrrad durch die neue Nachbarschaft

Eine große Stadt mit einem gutem U-Bahn-Netz ist toll, doch so richtig werdet ihr eure neue Stadt erst kennenlernen, wenn ihr euch aufs Fahrrad schwingt und einfach losfahrt. Der Weg zur Uni ist ein Anfang. Auch kürzere Strecken über zwei oder drei Bushaltestellen oder U-Bahn-Stationen solltet ihr als Alternative irgendwann mal mit dem Rad fahren oder zu Fuß gehen. Dabei geht es nicht nur um Orientierung. Macht euch bewusst, in was für einer Stadt ihr lebt, welche Geschäfte es hier gibt und was ihr hier noch so alles entdecken könnt. Kinos, Kneipen, Comicläden – Eine Stadt lernt ihr nicht mit der U-Bahn kennen. Wenn ihr Zeit habt, setzt euch in den Bus und fahrt einfach mal drauflos. Habt ihr ein Semesterticket? Perfekt! In einer Stadt, in der ihr euch auskennt, werdet ihr euch schneller zu Hause fühlen.

9. Wascht eure Wäsche in der neuen Stadt

Eine große, fremde Stadt ist erst mal einschüchternd. Alles ist anders, alles neu. Ihr kennt euch noch nicht aus und auch sonst noch niemanden. Natürlich wollt ihr den Kontakt zu Familie und Freunden in der Heimat nicht verlieren, aber bleibt doch einfach mal ein Wochenende in der neuen Stadt und wascht dort eure Wäsche. Will sagen, dass ihr euer neues Leben langsam selbst organisieren müsst. Alte Freundschaften sind toll und es gibt nichts schöneres, als sich in den Semesterferien in der Stammkneipe zu Hause wiederzusehen. Doch bis es soweit ist, dürft ihr ruhig ein paar neue Kontakte knüpfen. Tupperdosen von Mutti sind Pflicht, keine Frage, aber nicht gleich für die ganze Woche. Geht einkaufen, kocht euch was oder esst in der Mensa. Bleibt mal zwei, drei oder vier Wochen am Stück hier. Geht in eurer neuen Stadt am Wochenende auf Partys. Lernt Leute kennen. Flirtet. Macht Erfahrungen. Und wascht regelmäßig eure Wäsche selbst. Ihr müsst ja nicht gleich bügeln.

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7 Gedanken zu “Richtig studieren: Neun wirklich ernst gemeinte Tipps, Ratschläge und Lebensweisheiten (8:00)

  1. Den Post hätt ich vor 7 Jahren gebraucht….so hab ich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann… meh…

    ;)

    Hätte noch ne #10 im Angebot: Nehmt keinen Studienkredit auf, wenn ihr nach dem Studium nicht als Wirtschaftsprüfer, Investmentbanker oder -berater, Politiker oder sonstwelche hochangesehenen Karrieren ins „echte Leben“ startet…

    Gefällt 1 Person

  2. Stimmt, studieren ist toll! Irgendwie kommt mir aber der finanzielle Aspekt in der schönen Auflistung zu kurz. Studieren ist nämlich eigentlich genau dann toll, wenn Mami und Papi selbst genug Geld haben, um ihren Nachwuchs angemessen zu unterstützen.

    Ist das einerseits nicht der Fall und hat man es andererseits nicht ganz so einfach, sich selbst nebenbei etwas dazuverdienen zu können, kann es schwierig werden!

    Aber die Punkte 1-9 unterschreibe ich so! ;-)

    Gefällt 2 Personen

    • Man muss sich durchbeißen, klar. Ich habe das Ganze aber auch ohne finanzielle Unterstützung aus dem Elternhaus hinbekommen. Die Studienzeit ist mit Sicherheit die einfachste Zeit, um mit wenig Geld klarzukommen. Hat irgendwie geklappt. Wie genau, kann ich heute allerdings auch nicht mehr sagen. Fakt ist, es fühlte sich trotzdem alles gut und richtig an.

      Gefällt 1 Person

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