„Whenever you’re ready!“ (5:30)

In den USA gehen bestimmte Dinge vergleichsweise schnell. Essen im Restaurant zum Beispiel. Nachdem der Gast einen Platz zugeteilt bekommen und sich gesetzt hat, steht in den meisten Fällen ziemlich schnell ein kostenloses Glas Wasser auf dem Tisch. Schnell wird die Bestellung aufgenommen und das Essen lässt anschließend auch nicht lange auf sich warten.

Beim Genießen der Mahlzeit kann man sich ruhig Zeit lassen. Doch kaum sind Burger, Pizza oder Pasta verzehrt, wird das Geschirr auch schon wieder abgeräumt. Da macht es auch nichts, wenn die anderen am Tisch noch weiteressen. Ist der erste Teller leer, muss dieser offenbar umgehend entfernt werden.

Am Ende folgt die Frage nach dem Dessert. Wird diese verneint, zaubert der Angestellte sofort die Rechnung aus der Tasche und zieht mit einem „Whenever you’re ready“ wieder ab.

Whenever you’re ready. Das hört sich an wie: Lass dir ruhig Zeit beim Bezahlen. Meint aber in Wirklichkeit: Macht nichts, wenn’s schnell geht, schließlich warten am Eingang schon die nächsten Gäste darauf, dass sie „geseated“ werden. Nicht umsonst heißt es „Fast Food“. Und das kommt nicht nur schnell und man kann es schnell verputzen, sondern man sollte es offensichtlich auch schnell bezahlen und dann schnell wieder verschwinden. Von der deutschen Gemütlichkeit ist anscheinend noch nicht so viel in die USA exportiert worden.

Schnell sind die Amerikaner auch bei der Kontaktaufnahme. Mit wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen, ist in den USA kein Problem. Am Tresen im Coffeeshop fragt der Kassierer gerne mal, wie der Tag bisher so gelaufen ist. Während man bezahlt, kann man ihm dann sein Herz ausschütten. Der Angestellte lächelt und für zwei Minuten wird man zu besten Freunden. Dann kommt der Kaffee und man sieht sich nie wieder.

Im Wartebereich am Flughafen ist „Where are you from?“ eine beliebte Einstiegsfrage für Smalltalk. Am Anfang dachte ich noch, dass ich eindeutig als Tourist aus Europa zu erkennen sein muss und das Gegenüber mit einer Antwort wie „Germany“ rechnet. Mittlerweile glaube ich aber, dass der Amerikaner durch die einwanderungsgeschichtliche Vergangenheit seiner Nation viel Multikulti und damit auch Akzente in der Sprache gewohnt ist. Einmal wurde ich sogar gefragt, ob ich aus Kanada käme. Auf die Frage „Where are you from“ wird also nicht automatisch eine Antwort wie „Germany“ erwartet. Sagte man „Pittsburgh“ oder „Alaska“, lautete die Reaktion darauf wahrscheinlich nur: „Oh great, my brother lives there! What are you doing there?“

So schnell die Gespräche aus dem Nichts beginnen, so abrupt werden sie auch wieder beendet. Die Bedienung im Restaurant geht an den nächsten Tisch, die Gruppe Ausflügler setzt sich wieder ins Auto und der Airforce-Veteran am Flughafen steht auf und sagt, er müsse los. Es ist eine gewöhnungsbedürftige Gesprächskultur, aber mit der Zeit ganz nett und angenehm unverbindlich.

Nette Gespräche könnte man in den USA auch auf einer öffentlichen Toilette führen. Zumindest sind die Trennwände zwischen den Schüsseln in der Höhe derart knapp bemessen, dass man sich mühelos mit seinem Nachbarn die Hände schütteln oder Uno spielen könnte. Von deutscher Gemütlichkeit ist auch in den öffentlichen „Restrooms“ wenig zu spüren.

Die Kabinen fürs große Geschäft sind teilweise so groß wie mein damaliges Zimmer im Studentenwohnheim. Die Wände und Türen sind aus gedengeltem Edelstahl und haben zwischen sich und dem Boden gute 40 Zentimeter Luft. Zum Verschließen dient ein oftmals verbogener Riegel und zwischen Tür und Rahmen klafft meist ein gut zwei Zentimeter großer Spalt, durch den ich die Außenwelt und die Außenwelt mich ziemlich gut beobachten kann bei dem, was ich da gerade mache.

Auf dem stillen Örtchen ist es also alles andere als still. Auch hier ist alles auf eine möglichst kurze Verweildauer ausgerichtet. Der Besucher soll sich bloß nicht zu wohl fühlen. Nach den ersten Tagen USA vermisst man gelegentlich die öffentlichen Toiletten zu Hause. Mit gemauerten Wänden, die bis zum Boden reichen und blickdicht abschließbaren Türen.

Es geht aber auch anders. Die beste Flughafentoilette der Welt habe ich jüngst im US-Bundesstaat Hawaii am Airport Kahului auf Maui entdeckt. Das attraktiv gestaltete Örtchen bestand nicht nur aus gemauerten Wänden, sondern hatte auch eine schicke, dunkelbraune Holztür, die sich einwandfrei und ohne Spalt abschließen ließ. Das Highlight war allerdings die Belüftung. Der Strahl der Klimaanlage war so raffiniert eingestellt, dass die frische Luft direkt in meiner Rumpfgegend ankam. Also im Schritt. Dem Ort des Geschehens. Ihr versteht. Das war sehr erfrischend und deswegen bekommt diese Toilette von mir fünf von fünf möglichen Kackhaufen auf dem Onlinebewertungsportal „MyShit“.

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