Das Märchen von der psychotherapeutischen Krebsbegleitung

Ich bin angepisst! Und zwar so richtig! Warum? Ganz einfach: Mein Krebs ist nun schon mehr als sechs Jahre her und bis heute habe ich keine vernünftige Psychotherapie bekommen. Und das, obwohl ich mich dem gegenüber nie verschlossen habe. Ich bin bereit! Aber es werden mir bei diesem Thema nur Steine in den Weg gelegt.

Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht

Ich dachte, ich hätte alles richtig gemacht. Oft zitiert habe ich hier den Urologen, der mir kurz nach der Krebsdiagnose 2016 die Worte „Seien Sie nicht zu sehr Mann“ mit auf den Weg gab. Männer neigten schließlich dazu, Gefühle wie Schmerz und Angst für sich zu behalten, um nicht als schwach zu gelten. Auch von meinem behandelnden Arzt hörte ich regelmäßig, dass eine psychotherapeutische Begleitung bei Peniskrebs unerlässlich sei.

„Man müsste…“, „Man sollte…“, „Verschließen Sie sich nicht…“, „Nehmen Sie Hilfe und Unterstützung in Anspruch…“, „Gerade als Mann…“. Immer wieder diese Ratschläge.

„Ok!“, rief ich. „Hier bin ich! Ich bin bereit! Ich nehme alles, was ich kriegen kann! Los geht’s!“

Ich war bereit für offene Türen, die ich einrennen konnte und offene Arme, die mich empfangen würden.

Das war vor sechs Jahren. Seitdem ist nichts passiert.

Erste Reha ohne psychoonkologische Nachsorge

Nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Krebstherapie mit drei Operationen und vielen Tagen im Krankenhaus begab ich mich in die Nachsorge. Das erste große Ding war die Reha vier Monate später. Ich kam in eine Klinik, die sich sowohl um onkologische als auch um psychosomatische Patienten kümmerte. Perfekt! Hier würde ich sicherlich das beste aus beiden Bereichen bekommen und ganz bestimmt auch mal zu einem psychologischen Gespräch eingeladen werden. Dachte ich.

Am zweiten oder dritten Tag der Reha musste ich einen Fragebogen ausfüllen. Ich sollte unter anderem beantworten, wie stark belastet ich mich fühlte. Ob sich diese Frage auf die körperliche oder die psychische Belastung bezog, wurde nicht erklärt. Beim Ausfüllen des Fragebogens war ich allein, ich konnte niemanden fragen. Da ich mich schon seit ein paar Tagen bei der Reha befand und bereits die ersten Anwendungen, Übungen und Sportangebote hinter mir hatte, zog ich es in Betracht, dass damit die körperliche Belastung gemeint sein könnte. Diese beurteilte ich als nicht allzu stark. Ich kombinierte mein Empfinden mit einer Einschätzung meiner psychischen Belastung und kreuzte schließlich die fünf von zehn möglichen Punkten an.

Nachdem in der zweiten Reha-Woche immer noch kein psychotherapeutisches Gespräch auf meinem Therapieplan stand, fragte ich bei den Schwestern nach, ob sowas vielleicht noch kommen würde.

„Sie wünschen also ein Gespräch?“, fragte mich eine Dame.

„Ja, ich dachte, das würde hier zum Programm gehören“, antwortete ich.

Hektik brach aus. Anspannung und gemäßigte Alarmbereitschaft war auf den Gesichtern zu erkennen. Es wurde in Zetteln gewühlt und in Plänen geblättert. Eigentlich sei dafür gar keine Kapazität mehr vorhanden, hieß es dann. Man habe auch nur 1,5 psychoonkologische Stellen hier im Haus. Und überhaupt: Wenn es kein Notfall sei…

Ich zog wieder ab. Ein psychotherapeutisches Gespräch bekam ich nicht.

Erst im Entlassungsgespräch mit einem Arzt erfuhr ich, dass ich wohl besser die Acht oder Neun hätte ankreuzen sollen. Gefragt wurde nämlich tatsächlich nach der psychischen Belastung und erst bei einer höheren Einschätzung wäre ein psychotherapeutisches Gespräch angesetzt worden. Ich gab zu bedenken, dass das aus der Fragestellung überhaupt nicht ersichtlich sei und äußerte meine Enttäuschung.

Die erste Reha nach meiner Krebserkrankung war ansonsten sehr gut. Der körperliche Aspekt stand im Vordergrund und das war auch gut so. Ohne den Abstecher in die psychologische Bewältigung hatte ich jedoch das Gefühl, als würde etwas fehlen.

Mit psychischen Anliegen beim Hausarzt abgeblitzt

In den darauffolgenden Jahren der Nachsorge sah ich regelmäßig meine Urologen, Radiologen und Hausärzte. Vor allem gegenüber meinen Hausärzten erwähnte ich mehrmals meine Überlegungen zu einer psychotherapeutischen Behandlung.

Im Großen und Ganzen ging es mir gut. Ich fühlte mich auch meistens gut. Doch ich traute dem Frieden nicht. Zu oft hatte ich in der Vergangenheit Menschen erlebt, die aus heiterem Himmel psychisch krank wurden. Arbeitskollegen, die irgendwann nicht mehr ins Büro kamen. Ich hörte Geschichten von Menschen, die irgendwann einfach zusammenbrachen, Heulkrämpfe bekamen, zum Notfall wurden. Menschen, die nach einem Schicksalsschlag weitermachten, als sei nichts geschehen. Die sich lange stark und gesund fühlten. Und dann doch wieder von der Vergangenheit eingeholt wurden. Weil sie sich keine Hilfe geholt hatten. Oder einfach „zu sehr Mann“ waren.

Psychische Probleme entstehen nicht, weil man schwach ist. Sie verschlimmern sich jedoch, wenn man denkt, Stärke beweisen zu müssen, indem man sie herunterspielt.

Ich wollte das nicht. Ich wollte vorbereitet sein und etwas für meine psychische Gesundheit tun, bevor mir der Zusammenbruch drohte. Psychologische Prophylaxe sozusagen.

Ich hätte sehr gerne jemandem meine Geschichte und meine Gedanken und Gefühle, auch meine Befürchtungen, erzählt und sie beurteilen lassen. Gerne hätte ich gewusst, ob ich damit auf dem richtigen Weg bin, meine Krebserkrankung zu verarbeiten. Ich wollte von einem Spezialisten wissen, ob es mir psychisch wirklich so gut ging, wie ich mich fühlte. Denn mir selbst traute ich das nicht zu.

Meine Hausärzte sitzen alle in einer Gemeinschaftspraxis. Es gibt Platz für fünf oder sechs Medizinerinnen oder Mediziner. Manchmal geht einer, dann kommt wieder ein neuer dazu. Einen festen Hausarzt habe ich nicht. Ich komme immer zu dem- oder derjenigen, der oder die gerade Zeit hat.

„Ich verstehe, was sie meinen“, sagte einer der Ärzte zu mir, nachdem ich ihm zum ersten Mal meine Überlegungen zu einem psychotherapeutischen Gespräch erläutert hatte. „So wie Sie hier gerade sitzen, machen Sie auf mich aber einen sehr stabilen Eindruck.“

Na gut, dachte ich. Wenn er das meint, dann wird das wohl stimmen.

Kurze Zeit später ließ ich in der Praxis einen Check-up machen. EKG, Blutwerte, Lungenfunktion. Das volle Programm. Zum Abschluss gab es ein Gespräch mit einer Ärztin und die Frage nach psychischen Belastungen. Ich erwähnte meine Krebserkrankung und die damit verbundenen Sorgen. Und ich brachte erneut die Bereitschaft zu einem psychologischen Gespräch ins Spiel.

„Also dafür ist das hier der falsche Termin“, lautete die Antwort. „Ich höre mir das ja gerne an und wir haben hier auch alle eine psychologische Zusatzausbildung, aber ein richtiger Therapeut ist da natürlich besser.“ Die Medizinerin schien sich bei dem Thema sehr unwohl zu fühlen. Ich beließ es dabei.

Deutliche Schadensbilanz meiner Krebserkrankung

Zwei weitere Jahre gingen ins Land. Meine Nachsorge verlief weiterhin sehr positiv. Die jährlichen MRTs blieben unauffällig und körperlich ging es mir stetig besser. Das vermeintlich normale Leben hatte mich wieder. An manchen Stellen war es aber alles andere als leicht. Mittlerweile trat die Schadensbilanz meiner Krebserkrankung deutlich zu Tage. Es gab Schwierigkeiten im Freundes- und Familienkreis. Menschen reagierten auf meine Bedürfnisse nicht so, wie ich es erwartet hatte. Dazu kam, dass die Erfüllung unseres Kinderwunsches schwieriger werden sollte, als gedacht. Auf Stresssituationen reagierte ich extrem empfindlich.

Beim nächsten Check-up saß ich wieder bei derselben Ärztin wie zwei Jahre zuvor. Wieder die Frage nach den psychischen Belastungen. Wieder meine Antwort mit dem psychotherapeutischen Gespräch. Wieder Unwohlsein und Ablehnung in ihrer Stimme. Sie druckte mir eine Liste mit den Psychotherapeuten im Stadtgebiet aus, die zu Hause in der Versenkung verschwand.

Die Ärztin habe ich danach nicht mehr wiedergesehen. Sie verließ irgendwann die Praxis. Der erste Arzt war da auch schon nicht mehr da.

Dann wieder etwas Neues: Das Kind trat in mein Leben. Dieser kleine fröhliche Wachsmalstift drückte sich in mein Bewusstsein und verdrängte für einige Zeit alle Sorgen und Befürchtungen.

Der Wunsch nach Stressbewältigung

Doch auch hier kehrte irgendwann wieder Routine ein und die alten Probleme kamen zurück. Mit Stress kam ich immer weniger klar, sowohl privat als auch im Beruf. Zwei Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen, überforderte mich. Bekam ich eine neue E-Mail, schnellte mein Puls in die Höhe. Oft hatte ich das Gefühl, vor einem riesigen Berg Arbeit zu stehen. Dabei musste ich meine Aufgaben einfach nur ordnen und strukturieren und dann ging es wieder. Doch diese Erkenntnis war dann kurz darauf wieder verflogen. Termine überforderten mich. Ich liebte das Homeoffice. Außerplanmäßig mal ins Büro zu fahren, kam einer Weltreise gleich. Auf Treffen im privaten Bereich freute ich mich oft nicht. Ich wollte meine Ruhe haben, um mich vom Stress zu erholen. Und um Kraft für den nächsten Stress zu sammeln, der ganz bestimmt kommen würde.

Ich wollte wieder eine Reha machen. Den Stress der Krebsnachsorge wollte ich damit verarbeiten und ganz allgemein das Thema „Stressbewältigung“ angehen. Ich sprach darüber mit meiner neuen Hausärztin und betonte die gewünschte Stressbewältigung. Auf dem Antragsformular für die Reha setzte ich ein Kreuz bei „Onkologische Rehabilitationsmaßnahme“. Beim Punkt „Wünsche und Erwartungen“ schrieb ich „Stressbewältigung“ in das leere Feld. Ein paar Tage nach Beantragung der Reha rief mich eine Mitarbeiterin der Deutschen Rentenversicherung an. Sie übermittelte mir eine Auswahl von sechs Reha-Kliniken, die für mich in Frage kämen. Nach einer kurzen Online-Recherche entschied ich mich für eine Einrichtung, die nicht allzu weit entfernt war und die auf ihrer Webseite unter „Therapieangebot“ den Punkt „Stressbewältigung“ aufgeführt hatte. Perfekt!, dachte ich.

Wenige Wochen später, im September 2022, begann meine zweite Reha und ich freute mich auf psychotherapeutische Gespräche und die Stressbewältigung. Ein bisschen Angst vor den unbekannten Therapien hatte ich auch, doch ich wollte dieses Thema jetzt endlich einmal angehen.

Beim Aufnahmegespräch mit einem Arzt betonte ich nochmals meinen Wunsch nach psychotherapeutischen Gesprächen und der Stressbewältigung. Diesmal wollte ich von Anfang an alles richtig machen. Er machte sich Notizen.

In der ersten Woche standen gleich zwei Gruppentherapiesitzungen und ein Einzelgespräch („Ach, Ihnen wurde noch nie ein psychotherapeutisches Angebot gemacht?!“) auf dem Therapieplan. Ich war zufrieden. Das schien in die richtige Richtung zu gehen.

Keine Stressbewältigung für onkologische Patienten

In der zweiten Woche vermisste ich jedoch immer noch die Stressbewältigung und fragte den Arzt danach. Und erst jetzt (!) eröffnete er mir, dass ich das Angebot der Stressbewältigung gar nicht in Anspruch nehmen dürfe, weil ich onkologischer und nicht psychosomatischer Patient sei. Ich fiel aus allen Wolken! Ohne FFP2-Maske wäre meine Kinnlade ins Bodenlose gefallen.

Es schien wirklich so: Ich hatte eine onkologische Reha beantragt und bewilligt bekommen und das Thema „Stressbewältigung“ gehörte dabei offenbar nicht zum Behandlungsplan. Dieses hätte ich nur bei einer psychosomatischen Reha in Anspruch nehmen können. Der Kostenträger würde sich da quer stellen.

Ich war baff. Der Kostenträger, der Kostenträger. Der scheiß heilige Kostenträger ist mir doch egal! Wo bleibt denn der Patient?! Ich bin wegen Stressbewältigung hier! Schließlich habe ich das doch tausendmal angesprochen und ganz dick ins Formular geschrieben! WAS! SOLL! ICH! DENN! NOCH! MACHEN!

Ich war sauer, enttäuscht und wütend. Dieses scheiß System! Warum gibt es denn diese bescheuerte Unterteilung in onkologisch und psychosomatisch, wenn es dabei so viele Überschneidungen gibt? Wenn ich noch einmal das Wort „Kostenträger“ höre, springe ich aus dem Fenster!

Ich erzählte der Psychotherapeutin aus der Gruppentherapie davon.

„Also zumindest den Vortrag über Stressbewältigung sollten Sie bekommen.“

Ich bekam ihn nicht.

Wegen personeller Engpässe fielen dann zwei Therapiesitzungen aus. Kurz vor Schluss nahm sich eine Vertretung unserer Gruppe an. Auch hier brachte ich meine Enttäuschung über die nicht erfolgte Stressbewältigung zur Sprache. Kurzerhand änderte sie ihren Plan und besprach genau dieses Thema mit uns. In 50 Minuten bekamen wir einen Crash-Kurs in Sachen Stressbewältigung, für die im Rahmen der Reha eigentlich mindestens drei Tage vorgesehen sind. Die ganze Gruppe schien davon aber zu profitieren. Jeder hatte etwas beizutragen. Ein paar nützliche Ansätze waren dabei und ich merke heute noch, dass auch dieser kurze Anschubs in die richtige Richtung ging und etwas in mir bewirkt hat. Doch natürlich war das alles viel zu wenig.

Und so fällt auch das Fazit dieser Reha gemischt aus. Körperlich gibt es bei mir keine Ausreden mehr. Psychisch passierte in den vergangenen Jahren dagegen viel zu wenig und daran konnte auch diese Reha-Maßnahme nicht viel ändern.

Der lange und steinige Weg zur Psychotherapie

Nach Abschluss der Reha saß ich mit der Empfehlung für eine ambulante Psychotherapie wieder bei meiner Hausärztin. Wie geht es jetzt weiter? Denn: Es muss auf jeden Fall weitergehen.

Meine Ärztin hatte nichts Neues zu berichten. Einen Platz für eine Psychotherapie zu bekommen, sei sehr mühsam. Ich sollte mich am besten ans Telefon hängen und einen nach dem anderen anfragen. Und idealerweise auch einen größeren Umkreis und längere Anfahrten in Betracht ziehen. Sie drückte mir eine aktualisierte Version der bereits bekannten Liste mit Therapeuten in die Hand. Meine Prognose sei gut, sagte sie. Ich hätte einen positiven Krankheitsverlauf erlebt, lebte in einer gefestigten Beziehung und sei nicht allein. Mit einem positiven Gefühl verließ ich die Praxis.

Mein erster Versuch der Kontaktaufnahme mit einer Psychotherapeutin war ernüchternd. Ich rief in einer Praxis in der Nähe an, sagte, dass ich auf der Suche nach einem Platz für eine ambulante Psychotherapie sei und fragte, ob ich einen Termin für ein Erstgespräch bekommen könnte.

„Sowas machen wir hier nicht“, war die Antwort. „Also gar nicht im Moment. Also eigentlich schon, aber nur einmal die Woche und die Plätze sind schon alle voll.“

Ich war verwirrt. Wer macht denn eine Psychotherapie wenn nicht eine Psychotherapeutin? Ich ließ mir erklären, dass ich hier bei einer Fachärztin für Psychiatrie gelandet sei und ich bei einer hauptberuflichen Psychotherapeutin besser aufgehoben sei, da diese sich ausschließlich damit beschäftigte. Ich blieb verwirrt. Mir dämmerte aber langsam, dass ich offenbar erstmal eine Fortbildung brauchte, um durch die ganzen Begrifflichkeiten durchzusteigen. Alles Gute. Danke für nichts.

Bei der nächsten Praxis erreichte ich nur den Anrufbeantworter. Ich war bedient und vertagte die Therapeutensuche auf später.

Es deutet sich an, dass meine Suche nach einer Psychotherapie genauso langwierig und anstrengend werden wird, wie von allen Seiten immer prophezeit wird. Das ist ja das erste, was man zu hören bekommt, wenn man erwähnt, dass man sich eigentlich mal um die psychische Aufarbeitung der Krebserkrankung kümmern müsste:

  • „Oh, das wird schwierig!“
  • „Es gibt ja kaum freie Plätze.“
  • „Es dauert ewig, bis man einen Termin bekommt.“

Wenn ich das höre, habe ich schon gar keine Lust mehr, mich überhaupt darum zu kümmern. Ich bin enttäuscht, bevor ich es überhaupt versucht habe. Da lasse ich es doch lieber gleich sein und versuche, mich auf dem Sofa zu entspannen.

Meine Forderung: Automatische psychologische Prophylaxe für alle!

Deshalb fordere ich, dass die psychotherapeutische Begleitung automatisch Teil der Krebsnachsorge wird! Und mit automatisch meine ich, dass sich der Patient nicht selbst darum kümmern muss, sondern dass ihm automatisch, von welcher Stelle auch immer, ein Termin für ein psychotherapeutisches Gespräch vorgeschlagen wird. Auch wenn er gar nicht darum gebeten hat. Krebspatienten sollten ganz automatisch die Möglichkeit bekommen, sich während der Nachsorge regelmäßig mit einem Psychotherapeuten austauschen zu können. Wenigstens ein Erstgespräch oder Orientierungsgespräch sollte im ersten Jahr nach der Krebstherapie drin sein. Der Patient muss diese Möglichkeit ja nicht wahrnehmen. Manche möchten das vielleicht wirklich nicht. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es für den Großteil der Krebspatienten eine große Erleichterung wäre, wenn ihnen diese Hürde, sich selbstständig um einen Therapieplatz zu kümmern, abgenommen würde.

Und ich fordere ein Ende der Trennung zwischen onkologischer und psychosomatischer Reha! Es gibt in beiden Bereichen so viele Überschneidungen und nicht ohne Grund bieten so viele Reha-Kliniken beides an. Da ist es doch nur logisch, dass man dem Patienten auch das beste aus beiden Bereichen anbietet. Der Patient soll doch bitte im Vordergrund stehen und nicht der Kostenträger!

Es ist ja so: Alles andere in der Krebstherapie läuft ja auch automatisch. Einen Termin für die Biopsie? Kein Problem. Operation in zwei Wochen? Kein Problem. Chemotherapie? Bestrahlung? MRT? Ultraschall? Nachsorge? Läuft alles automatisch! Nächstes Jahr alles nochmal? Kein Problem! Und auch in anderen Gesundheitsbereichen läuft alles automatisch. Einmal im Jahr zum Zahnarzt? Regelmäßig Impfungen auffrischen? Kein Problem! Meine Hausarztpraxis ruft mich sogar zu Hause an und schlägt mir einen Termin für einen Check-up vor, wenn ich zu lange keinen mehr gemacht habe!

Ich wünsche mir, dass das mit der psychischen Gesundheit auch so gehen würde. Einmal im Jahr zur psychischen Vorsorge? Kein Problem! Mal wieder zum psychotherapeutischen Check-up? Depressions- und Angstwerte überprüfen? Kommen Sie in zwei Wochen doch mal vorbei! Das wäre schön…

Ich habe den Eindruck, dass man in Deutschland mit psychischen Anliegen erst ernst genommen wird, wenn man mit eingeritzten Pulsadern und dem Mund voller Schlaftabletten heulend auf den Stufen der Hausarztpraxis zusammenbricht. Können wir das bitte ändern?

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