Was ist Peniskrebs? (7:30)

Flüchtige Bekannte, die mit meiner Krankheitsgeschichte nicht so sehr vertraut sind, fragen mich im ersten Moment oft, ob ich Hodenkrebs gehabt hätte. Ich mache Ihnen keinen Vorwurf. Hodenkrebs ist den meisten Menschen wohl geläufiger als Peniskrebs. Aber natürlich muss ich das dann richtigstellen.

Passend zum Weltkrebstag am 4. Februar hatte außerdem der WDR ein paar Fragen zum Thema Peniskrebs. Daraus ist ein TV-Beitrag zum Thema HPV-Impfung für Jungen entstanden. Den Link zum Film mit meinem kurzen Interview findet ihr weiter unten.

Das alles nehme ich nun als Anlass, um das Krankheitsbild Peniskrebs einmal genauer zu erläutern. Was sind die Ursachen? Wie sieht der Krebs aus? Was sind die Folgen? Das alles geschieht aus meiner rein subjektiven Patientensicht heraus und fußt auf meinen eigenen Erfahrungen. Für weiterführende medizinische Infos sind bitte Fachärzte zu kontaktieren.

Was ist denn nun Peniskrebs?

Das Peniskarzinom bzw. der Peniskrebs ist am ehesten mit einem aggressiven Hautkrebs zu vergleichen. Anders als bei Hodenkrebs oder Prostatakrebs tritt Peniskrebs oberflächlich auf, in der Regel am Übergang von Penisschaft zur Eichel. Das Peniskarzinom befällt meist erst Männer ab dem 60. Lebensjahr. Ausnahmen, wie in meinem Fall, sind allerdings ebenfalls bekannt. Die Krankheit ist europaweit sehr selten. Die Uniklinik Rostock spricht von nur einem einzigen Erkrankten unter 100.000 Menschen pro Jahr. Laut Universität München erkranken in Deutschland pro Jahr ca. 600 Menschen. Wirklich sichere Zahlen scheint es allerdings nicht zu geben, da entsprechende Daten erst seit kurzem zentral erfasst werden.

Wie sieht Peniskrebs aus?

Peniskrebs befällt Teile der Eichel und der Vorhaut. Anfänglich ähnelt die Krankheit einer rötlichen Entzündung. Auch Bläschen, Schwellungen und Blutungen können auftreten. Später bilden sich dann weißliche Stellen, die in ein Plattenepithelkarzinom übergehen können. Das Peniskarzinom an sich ist nicht sonderlich schmerzhaft.

Was sind die Folgen von Peniskrebs?

Wird ein Peniskarzinom frühzeitig erkannt, das heißt, solange es oberflächlich oder teilinvasiv auftritt, kann es durch chirurgische Maßnahmen vollständig entfernt werden. Das Vorgehen sieht folgendermaßen aus: Während der Operation wird zunächst das offensichtlich befallene Gewebe entfernt. Anschließend wird scheibchenweise vorgegangen. Es wird dann solange Gewebe abgetragen und untersucht, bis keine Krebszellen mehr nachgewiesen werden können. In der Regel bleibt es bei der Entfernung der Eichel. Sie kann anschließend aus der Eigenhaut des Patienten rekonstruiert werden, z.B. vom Oberschenkel. Im Aufklärungsgespräch vor der OP werden die Patienten allerdings auch auf den möglichen Verlust des kompletten Geschlechtsorgans hingewiesen.

Zur weiteren Behandlung wird meist eine zweite Operation empfohlen, bei der die Lymphknoten in der Leiste entfernt werden. Dies geschieht vorsorglich, um eine spätere Wiederkehr des Krebses in diesem Bereich zu verhindern. Ob die Lymphknoten befallen sind, kann erst während besagter OP mit Sicherheit festgestellt werden.

Wird das Karzinom in einem späteren Stadium behandelt und hat z.B. die Harnröhre erreicht, erhöht sich die Gefahr von weiteren Folgen. In diesem Fall können weitere Bereiche der unteren Körperregion befallen sein, z.B. Harnblase, Prostata oder Darm. Außerdem werden Folgebehandlungen wie Chemotherapie und Bestrahlung wahrscheinlicher.

Bei Nichtbehandlung führt Peniskrebs, wie jede andere Krebsart auch, zum Tod.

Was sind die Ursachen für Peniskrebs?

Peniskrebs ist sehr selten, deswegen wird an den genauen Ursachen noch geforscht. Als zwei Grundursachen lassen sich aber jetzt schon einerseits unbehandelte Entzündungen und andererseits eine Infektion mit dem Humanen Papillomvirus (HPV) ausmachen.

Eine Ursache von Entzündungen ist z.B. die Balanitis, die überwiegend durch mangelnde Hygiene, aber interessanterweise auch durch übermäßiges Reinigen verursacht werden könne, wie es heißt. Eine Vorhautverengung könne eine Balanitis begünstigen, weil sich bei ihr Bakterien leichter festsetzten. Diabetiker seien ebenfalls besonders anfällig für diese Art der Entzündung, heißt es.

HP-Viren waren in der Vergangenheit vor allem dafür bekannt, dass sie bei Frauen Gebärmutterhalskrebs auslösen. Auch für Scheiden- und Analkarzinome sowie für Mundtumore werden sie verantwortlich gemacht. Seit einiger Zeit wird HPV nun auch mit Peniskrebs in Verbindung gebracht, weswegen eine Impfung gegen HPV nun nicht mehr nur für Mädchen, sondern auch für Jungen empfohlen wird.

Wie kann man Peniskrebs verhindern?

Da Peniskrebs, unabhängig von der Ursache, in vielen Fällen erst spät erkannt und behandelt wird, empfiehlt es sich, wachsam zu sein. Rötungen, Entzündungen und Balanitis sollten nicht auf die leichte Schulter genommen, sondern umgehend behandelt werden. Auch wenn der Gang zum Urologen sicherlich nicht die angenehmste Freizeitbeschäftigung darstellt, ist eine frühzeitige Behandlung wichtig. Besteht ein Verdacht auf Vorhautverengung, sollte dem unbedingt nachgegangen werden. Bei frühzeitiger Behandlung wird aus einer Entzündung erst gar kein Krebs.

Gegen die Infektion mit HPV wird seit einigen Jahren eine Impfung angeboten. Diese findet im Kindesalter statt. Seit mehr als zehn Jahren empfiehlt die Impfkommission diese Impfung bei jungen Mädchen, um bei ihnen eine spätere Erkrankung an Gebärmutterhalskrebs zu verhindern. Seit 2018 wird nun auch die Impfung bei Jungen zwischen 9 und 14 Jahren empfohlen, um z.B. Peniskrebs vorzubeugen. Interessierte Eltern sollten ihren Kinderarzt ansprechen.

Der neue Stefan beim Interview mit dem WDR.

Im Zusammenhang mit diesem Text habe ich ein TV-Interview für einen WDR-Beitrag zum Thema HPV-Impfung gegeben. Der Beitrag ist am 4. Februar 2019 ausgestrahlt worden und aktuell noch in der Mediathek abrufbar.

Auch Ärzte müssen sensibilisiert werden

Um Peniskrebs zu verhindern, ist Wachsamkeit nötig. Und das auf beiden Seiten. Da die Krankheit sehr selten und wenig erforscht ist, ziehen einige Mediziner sie offenbar erst gar nicht in Betracht, vor allem, wenn sie einen Patienten unter 40 vor sich haben. In meinem speziellen Fall hätte ein frühzeitiger Hinweis auf Krebs sicherlich geholfen, denn dann wäre ich mit einer ganz anderen Motivation und mehr Eigeninitiative an die Behandlung herangegangen. So habe ich erst kurz vor der niederschmetternden Diagnose erfahren, dass es diese Krankheit überhaupt gibt. Wer die Möglichkeit hat, diese Krankheit zu verhindern, der sollte sie nutzen. Eine Impfung gegen die Infektion mit HPV auch bei Jungen ist eine empfehlenswerte Möglichkeit.

 

 

 

 

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