Ich habe mir mal eine Jeans nur deswegen gekauft, weil sie von Hugo Boss war. Sie war schwarz und nicht besonders schön, etwas eng und nicht besonders bequem. Aber ich war Student und ließ mich damals noch von teuren Marken im Sonderangebot überzeugen. Ich habe die Hose oft auf Partys getragen, wo meist gestanden und getanzt wurde. Für einen Acht-Stunden-Tag auf einem Bürostuhl war die Hose gänzlich ungeeignet.
Nach Krebsdiagnose ist bequeme Kleidung gefragt
Heute wäre so etwas undenkbar. Nach meiner Krebsdiagnose und den damit verbundenen Operationen steht bequeme Kleidung, vor allem für die untere Körperregion, an oberster Stelle. Enge Hosen (auch Unterwäsche) hinterlassen ein unangenehmes Gefühl in der Leistengegend, wo ich damals einen dieser aufwändigen Eingriffe hatte. Es hat etwas gedauert, aber mittlerweile weiß ich, welche Produkte von welchen Herstellern nun am besten zu mir passen. Selbst bei den Socken muss ich wählerisch sein, weil mein durcheinandergeratenes Lymphsystem immer noch zu geschwollenen Beinen und Flüssigkeitsansammlungen führt.
„Ja, so ist das im Alter”, würden jetzt einige vielleicht sagen. Manche haben das auch schon. Doch ich bin mir sicher, dass diese Beschwerden immer noch eine Folge meiner Krebserkrankung sind. Ich hatte vorher nie geschwollene Beine. Meine Laufsocken hinterließen niemals solche tiefen Einschnitte in meiner Haut wie nach dem Krebs. Es ist Jammern auf hohem Niveau, aber ich kann nach wie vor nicht alles tragen, was ich vielleicht möchte.
Mehr Investitionen in Zeit und Ruhe
Auch in anderen Bereichen meines Lebens achte ich viel häufiger auf Bequemlichkeit als vorher. Ich investiere gerne etwas mehr Geld, wenn mir dadurch Arbeit erspart bleibt. Mein Gartenhausbausatz war ein paar hundert Euro teurer, weil ich ihn fertig angemalt bestellt habe. Ich hätte das Holz auch in natur ordern und selbst streichen können, doch das hätte ich wahrscheinlich immer vor mir hergeschoben, wäre nie fertig geworden und am Ende wahrscheinlich frustriert gewesen.
Ich investiere jetzt auch häufiger in Zeit und Ruhe. Ich arbeite ja am liebsten im Homeoffice. Aber wenn ich muss, fahre ich lieber mit dem Auto ins Büro, obwohl mir der Arbeitgeber das ÖPNV-Ticket bezahlt. Doch die 40 Kilometer Arbeitsweg halten auf der Bahnstrecke leider viel mehr böse Überraschungen bereit als auf der Straße. Verspätungen, Zugausfälle, viele Menschen und dreckige Züge schrecken mich stärker ab als Staus, Baustellen und Parkgebühren. Außerdem kann ich im Auto schön laut Musik hören und auf dem Weg nach Hause spontan am Supermarkt anhalten.
Wann kommt der Wäscheroboter?
Bei Terminen und Ausflügen, die mehr als drei Stunden entfernt liegen, plane ich nun häufiger eine Übernachtung mit ein. Im Urlaub mit der Familie setzen wir nach wie vor auf Hotels mit mindestens Halbpension, damit wir uns nicht ums Essen kümmern müssen. Wir haben einen Fenstersauger, ein elektrisches Garagentor und drei Staubsauger (für jede Etage einen). Und wenn irgendwann nach dem Wäschetrockner der WäschezusammenlegerundindenSchrankräumer erfunden werden sollte, bin ich der erste, der ihn kauft.
Schönes Wochenende. Macht es euch bequem.
Foto: Frank_Rietsch/Pixabay