Lieber Einbrecher, was kannst du eigentlich? (3:00)

Lieber Einbrecher,

was kannst du eigentlich? Du hast meiner Mutter letztens einen gehörigen Schrecken eingejagt, indem du in ihr Haus eingedrungen bist und all ihre Sachen durchwühlt hast. Die Kellertür hast du vorbildlich zerstört, bist danach durch die Küche und das Wohnzimmer getobt, hast alle Schränke und Schubladen aufgerissen und Bücher aus den Regalen geworfen. Danach hast du dich oben umgeschaut – und bist kurz darauf wieder verschwunden.

Meine Mutter war zum Zeitpunkt deines Besuchs nicht zu Hause und als sie wiederkam, musste sie sich angesichts des Chaos‘, das du hinterlassen hast, erstmal setzen. Doch außer deinen handwerklichen Spuren und dem Schrecken bei der Bewohnerin hast du an diesem Abend nichts auf die Reihe bekommen. Die paar Dinge, die du mitgenommen hast, sind nämlich nichts wert.

Vielleicht merkst du dir beim nächsten Mal, dass nicht alles Gold ist, was glänzt. Der Modeschmuck, der meiner Mutter jetzt fehlt, ist nicht mehr wert, als die Verpackung, in der er einst geliefert wurde. Diese Werbegeschenke wird sie nicht vermissen.

Dafür hast du einige Sachen liegengelassen, die deinen versuchten Raubzug vielleicht zu einem Erfolg, wenn auch nur zu  einem kleinen, gemacht hätten. Dieses Ding mit dem Schlitz oben drauf nennt man bei uns Sparschwein. Es war randvoll gefüllt mit Münzen, die man allerdings von außen durch die Keramik nicht so leicht erkennen konnte. Auch der Laptop im Obergeschoss wäre dir vielleicht aufgefallen, wenn du statt der Schubladen die entsprechende Tasche aufgemacht hättest. Doch mit solch neumodischem Kram kennt man sich in deinem Dorf wahrscheinlich nicht so aus.

Durch den Keller bist du schließlich wieder verschwunden und spätestens dort hättest du dir noch ein paar nützliche Dinge unter den Nagel reißen können. Die beiden Flaschen Ouzo und die Kiste Sekt hätten wenigstens zum Frustsaufen gereicht und an der Tiefkühltruhe mit dem leckeren Eis bist du ebenfalls achtlos vorbeigestürmt.

Lass uns auf ein Unentschieden einigen. Der Schreck war nicht ganz ohne, doch die Nerven meiner Mutter haben sich, auch dank des netten CSI-Teams der Polizei, wieder erholt. Beim Schaden an der Kellertür hast du dich recht ordentlich ins Zeug gelegt, den übernimmt allerdings die Versicherung. Auch sonst spricht wenig für dich. Deine Beute ist mehr als dürftig. Beim Überfall auf einen Kaugummiautomaten wäre mehr rumgekommen. Und ich habe ein Thema für meinen Blog bekommen und kann mich herrlich über dich lustig machen. Danke, du Pfosten!

Hier dein Zeugnis:

Handwerkliche Fertigkeiten an der Kellertür: 3

Alle Räume berücksichtigen: 2+

Für Chaos sorgen: 2

Schreck einjagen: 2

Sorgfältigkeit: 5

Ausbeute: 6

Du hast die Zwischenprüfung an der Panzerknacker-Universität Hannover leider nicht bestanden und musst das Einführungsseminar wiederholen.

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8 Gedanken zu “Lieber Einbrecher, was kannst du eigentlich? (3:00)

  1. Pingback: Kinder, Kinder, Haus, Krebs, Kunst – Mein 2016 (10:30) | Der neue Stefan

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