The World of Einkaufen (7:45)

Einkaufen ist eine notwendige Tätigkeit, der ich mich fast täglich sehr gerne widme. Lebensmittel, Duschgel, Bücher, Klamotten – irgendwas braucht man ja immer. Und so bin ich auch fast jeden Tag in der Innenstadt oder in einem Supermarkt unterwegs. Und mir entgeht nichts. Nicht die kleinste Veränderung. Die Margarine steht woanders? Merke ich sofort. Neue Einrichtung beim Bäcker? Gleich erkannt.

Bauliche Veränderungen am Verkaufsareal nehme ich sofort wahr. In meiner Innenstadt ist ein Supermarkt vor kurzem komplett modernisiert worden. Am Eingang wird der Kunde jetzt von der Obstabteilung in Empfang genommen und durch die neue Einrichtung sieht der Laden richtig schick aus. Modern ist auch die Front geworden, mit großen Fenstern und einer Schiebetür, die sich automatisch öffnet.

Doch längst nicht alle Geschäfte in meiner Innenstadt sind derart am Puls der Zeit. Bei vielen Ladeneingängen muss der Kunde noch selbst Hand anlegen und die Tür aufstoßen – wie in der Steinzeit. Neben der automatischen Schiebetür und der Variante mit Handbetrieb gibt es aber noch eine weitere Version: die automatische Schwingtür. Von außen sieht sie aus wie eine manuell zu betätigende Glastür. Nähert man sich ihr aber auf wenige Schritte, schwingt sie einem bedrohlich entgegen. Wer zu schnellen Schrittes unterwegs ist, muss aufpassen, um nicht in sie hineinzurennen. Und wer sich bei einem plötzlichen Regenschauer nur mal eben im Eingangsbereich unterstellen möchte, wird von der automatischen Tür buchstäblich wieder ins Nasse gekickt.

Da lobe ich mir doch meine Bank, meine Drogerie oder mein Lieblingssportgeschäft. Da schieben sich die Türen noch auf ungefährliche Art zu den Seiten weg.

Doch zu sehr sollte man sich beim Einkaufsbummel nicht an die automatischen Portale gewöhnen. Vor kurzem begann ich meinen Stadtgang wie so oft bei der Sparkasse (Automatiktür). Anschließend schaute ich kurz bei Rossmann rein (Automatiktür) und besorgte mir bei Penny (Automatiktür) etwas zum Abendessen. Auf dem Weg nach Hause wollte ich dann noch beim Bäcker rein (Tür mit Handbetrieb). Beim Hineingehen wurde die Tür gerade von innen von einem Kunden geöffnet, sodass ich hindurch schlüpfen konnte, ohne etwas dafür tun zu müssen. Am Tresen bestellte ich mein Brot, dass ich kurz darauf entgegennahm.

„Danke und schönen Ta…“, mehr konnte ich nicht sagen, da rammelte ich mit einer solchen Wucht gegen die Ladentür, dass es schepperte.

Keine Automatiktür, dachte ich, während ich mir die Stirn rieb.

Mein Gesichtsausdruck war so deutlich auf der Glasscheibe zu erkennen, dass der Bäcker ihn abfotografierte und als Mahnmal aufhängte. Meine verzerrte Visage ist jetzt Teil einer stattlichen Trophäensammlung an der Wand der Bäckerei. Ich scheine nicht der einzige gewesen zu sein, der schmerzhafte Bekanntschaft mit der Glastür gemacht hat. Mal sehen, vielleicht werde ich ja „Gesicht des Monats“.

Was ich nicht so gerne einkaufen gehe, sind Hosen. Nicht, weil ich nicht gerne Klamotten kaufe, sondern weil mir die meisten Verkäufer zu aufdringlich sind. Um mir eine passende Hose auszusuchen, brauche ich in der Regel keine Hilfe. Ich weiß ungefähr, was ich brauche und welche Größe ich habe.

Vor kurzem steuerte ich in einem passenden Fachgeschäft zielsicher das Regal mit den Beinkleidern an. Ich studierte konzentriert das Angebot, als es plötzlich „Puff“ machte und in einer Rauchwolke ein Verkäufer neben mit erschien.

„Kann ich Ihnen helfen?!“, krähte er mir aus seinem bebrillten Gesicht entgegen.

„Nein danke, ich schaue mich nur um…“, erwiderte ich irritiert und schlenderte zum Regal mit den T-Shirts weiter.

Ich ließ meinen Blick vorsichtig durch den kleinen Laden schweifen. Offenbar war ich der einzige Kunde und alle drei Verkäufer befanden sich lächelnd in Lauerstellung, bereit, sofort zuzuschlagen, sollte ich offensichtliches Interesse für eines der Produkte zeigen.

Das war eine Beratungspräsenz, die ich mir an anderer Stelle durchaus wünschen würde. Beim Computerkauf zum Beispiel. Da muss man ja gefühlt eine halbe Stunde lang nach einem Verkäufer suchen, der einem Auskunft zu den Produkten geben kann. Dort wäre es angebracht, wenn das Personal Gewehr bei Fuß steht, sollte es Fragen geben.

Ein Computer ist schließlich auch etwas komplizierter, als eine Hose. Bei einer Hose muss ich die Funktionen nicht erfragen. Ich sehe auf den ersten Blick, ob sie einen Knopf und einen Reißverschluss hat. Wichtig ist, dass sie wärmt, meine Blöße bedeckt und vielleicht auch dekorativen Charakter hat. Über das Betriebssystem muss ich mir auch keine Sorgen machen. Und die notwendige Speicherkapazität steht draußen drauf. Bei mir sollten es obenrum 38 und nach unten weg 34 sein. Bin ich mir nicht sicher, nehme ich mehrere Exemplare mit in die Umkleide. Passt eine, bezahle ich sie und bin weg. Fertig.

Doch in den Fachgeschäften scheint man das anders zu sehen. Dort will man mich anscheinend beraten, ob die Hose auch zu mir passt. Und wenn nicht, welche dann. Und wenn sie zu klein ist, holt man mir eine andere. Oder gleich zwei. Eine in „Bootcut“, die andere in „Slimfit“. Und vielleicht noch eine mit farbigen Nähten. Und vielleicht sollen es auch noch passende Socken sein. Und, und, und…

Ich brauche das nicht, dachte ich, während ich jetzt die T-Shirts betrachtete, die auf einem Tisch mit dem Schild „Sale“ auslagen. Ich machte den Fehler und berührte eines.

„Die haben wir auch noch in anderen Farben!“, hörte ich, dieses Mal von einer Fachkraft mit modisch windschiefer Frisur, die wie Flash Gordon von der anderen Seite des Geschäfts herangeeilt kam.

„Danke, ich melde mich, wenn ich Hilfe brauche“, sagte ich und schob mich an der Fachkraft vorbei, jetzt zum Schuhregal. Vielleicht habe ich ja dort meine Ruhe.

„Welche Größe brauchen sie denn?!“, krähte jetzt wieder der Brillenschlumpf vom Anfang, noch bevor ich auch nur einen Schnürer näher betrachten konnte.

Genervt verließ ich den Laden.

Wie war noch gleich die Adresse des Online-Shops?

Am allerliebsten gehe ich eigentlich im Ausland shoppen. Ich bin jetzt schon einige Male in den USA im Urlaub gewesen, und jedes Mal habe ich mir mehr mitgebracht, vor allem Klamotten. Preislich lohnt sich das auf jeden Fall und gleichzeitig habe ich tolle Souvenirs.

Da ich mittlerweile weiß, wie günstig man in den USA einkaufen kann, stelle ich mich gepäcktechnisch bereits vorher darauf ein. Die meisten Menschen machen sich Gedanken darüber, was sie alles in den Urlaub mitnehmen möchten. Bei mir geht es dagegen um die Dinge, die ich mit zurück bringen will. So packe ich vor der Abreise einige Sachen ein, die ich zur Not zurücklassen könnte, Kleidungsstücke, an denen mein Herz nicht mehr so hängt, zum Beispiel alte Hemden, T-Shirts und Unterhosen. Denn ich plane: Für jedes alte T-Shirt, das ich in den USA lasse, kann ich mir ein neues einpacken.

Während meiner letzten USA-Reise, bei der ich 4000 Kilometer mit dem Auto durch Kalifornien und Nevada fuhr, ließ ich eine Spur aus gebrauchten Klamotten hinter mir zurück. In jedem Motel stopfte ich mindestens eine gebrauchte Unterhose in den Mülleimer. Einige Reinigungskräfte müssen sich gewundert haben, warum ein völlig intaktes Hemd im Papierkorb landete. Vielleicht vermuteten sie dahinter manche Sauerei, vielleicht ein Malheur, das in Ermangelung an einen Lappen mit dem Hemd beseitigt werden musste. Dabei war die Erklärung doch viel einfacher.

Nach dem letzten Shoppingstop an einem amerikanischen Outletcenter hatte ich meine gebrauchte Garderobe im Koffer durch ein Dutzend neuer T-Shirts und ein paar Hosen ersetzt. Auch andere Mitbringsel waren dabei, viele Süßigkeiten, eine Tasse und eine Miniatur-Golden-Gate-Bridge. Und die Rechnung ging auf. Mein Gepäck hatte kein Gramm zu viel.

Jetzt muss ich immer daran denken, wie es wohl wäre, wenn mir bei meinem nächsten USA-Besuch jemand mit einem meiner alten T-Shirts am Leib entgegenkommt.

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8 Gedanken zu “The World of Einkaufen (7:45)

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