Drei Geschichten aus der Ersten Welt

Supermarkt, Autobahn, Tankstelle – Orte, an denen ich mich immer mal wieder aufhalte. Und immer mal wieder begegne ich dort Menschen, die mich zum Lachen bringen. Erheiterung ist aber nicht immer der Grund dafür. Hier meine neuesten Tagebucheinträge aus der Ersten Welt:

Gute Laune an Kasse zwei

Im Supermarkt zur Mittagszeit. Obstabteilung, Kühlregal, Fleischtheke. Es ist so viel los wie immer um diese Zeit.

An der Kasse bittet die Kassiererin per Durchsage darum, dass ein zweiter Platz besetzt wird. Von hinten eilt eine Kollegin heran. Als sie sich an mir vorbeischlängelt, brummelt sie: „Wenn du nicht so viel quatschen würdest, würdest du auch mehr schaffen…“

Ich lache laut auf. Die Dame dreht sich zu mir um und schlägt sich erschrocken die Hand vor den Mund, als würde sie sagen: „Habe ich das wirklich laut gesagt?“

Sie nimmt die Arbeit auf. Kurze Zeit später bin ich bei ihr an der Reihe. Sie zieht meine Einkäufe über den Scanner. Ich bezahle.

„Tschuldigung nochmal wegen eben“, murmelt sie schüchtern.

„Hat ja niemand gehört“, sage ich amüsiert und verabschiede mich.

Zu Hause merke ich, dass ich die Champignons nicht bezahlt habe. Ich betrachte das als Schweigegeld.

Der Wüterich an der Autobahnraststätte

Eine Autobahnraststätte an der A7. Früher Nachmittag, perfekter Moment für eine kleine Kaffeezeit.

Ich begutachte das Kuchenangebot im Tresen, während vor mir ein Familienvater bedient wird. Von hinten pirscht sich ein Rentner heran.

„Entschuldigung, warten Sie?“, fragt er mich.

„Ja“, sage ich. Was macht man denn sonst in einer Warteschlange?, denke ich.

Er sprintet an mir vorbei und steht plötzlich vor mir am Bestelltresen. Dass der Familienvater schon weg ist, hatte ich nicht bemerkt.

„Nun ja, eigentlich warte ich darauf, dass ich bestellen kann…“, sage ich zu dem älteren Herrn.

„Und warum machen Sie das dann nicht und stehen hier nur herum?“, fragt er mich verärgert.

„Entschuldigen Sie, ich warte höflich, bis der Kunde vor mir bedient wurde und der Angestellte bereit für mich ist. Und ich kann nicht erkennen, wo genau ich bestellen soll.“ In der Tat gibt es hier zwei Kassen und der einzige Kassierer macht keine Anstalten zu dem Kassenplatz am Kuchentresen und damit in meine Nähe zu kommen.

„Gucken Sie doch mal auf dem Parkplatz nach, vielleicht steht da einer!“, ranzt der Alte mich an.

„Wie bitte?“ Ich bin fassungslos und möchte es jetzt wissen.

„Ach, bestellen Sie einfach!“, entrüstet sich der Rentner weiter.

Ich trete langsam an den Kassierer heran und gebe meine Bestellung auf. Natürlich möchte ich hier vor Ort essen. Meinen Impfnachweis? Gerne doch. Zahlen mit Karte? Kein Problem. Nur keine Eile. Ich habe alle Zeit der Welt.

Mit meinem Kuchen und einem großen Cappuccino suche ich mir einen Platz und setze mich.

Mit Entsetzen muss ich feststellen, dass der Wüterich seinen Snack ebenfalls vor Ort verspeisen möchte. Er nimmt ein paar Tische entfernt Platz, ist damit glücklicherweise außer Sicht-, aber nicht außer Hörweite.

Er telefoniert. Offenbar möchte er sein Auto verkaufen.

„Wer hier spricht? Sie haben mich doch angerufen!“, höre ich. Und dann: „Wo ich wohne? In Hannover!“

Das erklärt einiges…

Spontaner Scherz beim Tanken

Ich habe mir online extra die günstigste Tankstelle im Umkreis von fünf Kilometern rausgesucht. An der Tanksäule rauscht der Sprit nur so durch und ich setze mir schon mal die FFP2-Maske auf. Ich nehme die Brille ab und zupfe die Maske zurecht, so wie ich es immer mache.

Da höre ich, wie ich von der Seite aus einem anderen Auto heraus angesprochen werde. Ich trete an die offene Beifahrerscheibe des Wagens und frage: „Wie bitte?“

„Ob Ihnen die Spritpreise schon die Tränen in die Augen treiben, war die Frage. Kleiner Scherz!“ Offenbar hatte der ältere Herr mich bei meinem Zupfritual beobachtet.

Ich lache. Der Mann lacht. Der Hund auf der Rückbank lacht.

Foto: Penumbra Captures via Pexels

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