Ostern von oben

Ostersonntag, 14.27 Uhr. Ich stecke mit beiden Händen tief in der Gartenerde, da klingelt das Handy. Ich wollte doch mal mit dem Heißluftballon mitfahren, heißt es. Heute wäre es soweit. In drei Stunden könnte es losgehen.

Für Aufregung bleibt kaum Zeit. Ich räume den Garten auf, springe unter die Dusche und gönne mir einen schnellen Snack. Zum Abendessen bin ich wohl nicht zu Hause.

Drei Stunden nach dem Anruf begrüßt der Ballonpilot mich und die anderen drei Mitfahrer am Treffpunkt. Von dort geht es mit dem Transporter zum Startpunkt. Die Spannung steigt.

Mehr als zwei Jahre habe ich auf diesen Moment warten müssen. Die Ballonfahrt war ein Geschenk zum Geburtstag 2020. Kurz darauf schlug Corona zu und machte die Planung schwierig. Ein erster Versuch im vergangenen Jahr verlief im Sande. Die zweite Möglichkeit vor ein paar Wochen passte mir dann nicht. Jetzt also heute. Spontaner geht’s nicht. Aber die spontanen Dinge sind ja manchmal die besten.

Der Startpunkt für unsere Ballonfahrt befindet sich bei Altencelle auf einer Wiese in der Nähe der Aller. Von den Mitfahrern wird Mithilfe erwartet. Ballonfahren ist Teamwork. Wir packen die Ballonhülle aus und machen den Korb startklar. Es muss gezerrt, gezurrt und gehalten werden, während der Ballon erst mit kalter Luft gefüllt und diese anschließend mit dem Brenner erhitzt wird. Ich darf zwischendurch ein paar Fotos machen. Frau und Tochter stehen etwas abseits und beobachten alles gespannt.

Durch das Erhitzen der Luft richtet sich der Ballon irgendwann auf. Und dann geht alles sehr schnell. Einer nach dem anderen klettern wir in den Korb. Noch ein paar kräftige Stöße aus dem Brenner und wir heben ab.

Wir steigen immer höher. Ich winke meiner Familie. Jetzt geht’s also los.

Es dauert eine Weile, bis ich mich orientiert habe. Unter mir sehe ich die Aller. Und dann die Altenceller Gertrudenkirche. Jetzt weiß ich, wo wir sind und in welche Richtung wir gleiten. Wir passieren die Baustelle der geplanten Ostumgehung. Der Verlauf der Trasse ist bereits zu erkennen. In wenigen Jahren wird es hier ganz anders aussehen.

Der Celler Innenstadt nähern wir uns von Südosten. Französischer Garten und Neues Rathaus kommen in unser Blickfeld. Und dann Schloss, Stadtkirche und Altstadt. Das Fachwerkensemble gleitet einmal komplett unter uns hinweg. Die mittelalterlichen Strukturen lassen sich erst von hier oben so richtig gut erkennen. Beeindruckend.

Die Route unserer Ballonfahrt folgt grob dem Verlauf der Aller. Groß beeinflussen können wir die Fahrt nicht, doch der Fluss sei wie ein Magnet, erklärt uns der Pilot. Wind spiele natürlich eine Rolle, doch zu viel sei auch nicht gut. Thermische Winde machten vor allem bei Start und Landung Probleme. Deswegen werde meistens morgens kurz nach Sonnenaufgang oder abends kurz vor Sonnenuntergang gestartet, weil die Winde dann geringer seien.

Nach Schwimmbad, Schützenplatz und Justizvollzugsanstalt schweben wir plötzlich genau über meinem Grundstück. Durch die Kameralinse erkenne ich zwei hüpfende Punkte im Garten. Wahrscheinlich Frau und Tochter, die winken. Toll, dass das geklappt hat!

Wir verlassen das Stadtgebiet und überqueren nun die ausgedehnten Waldgebiete im Westen des Landkreises. Zwischen den Bäumen tauchen immer wieder Ortschaften auf. Boye, Hambühren, Stedden, Oldau. Der Endtenfang und das Gut Holtau. Am Boden bin ich dort überall schon oft gewesen. Aus der Luft sieht das alles ganz anders aus.

Wir überqueren Campingplätze, Fußballspiele und Grillfeste. Die Menschen winken. Wir winken zurück. Tiere mögen uns dagegen weniger. Hunde bellen, Pferde flüchten und auch Gänse und Schwäne suchen das Weite, wenn sie uns sehen und das Getöse des Brenners hören.

Wir erreichen Winsen an der Aller. Auch hier muss ich wieder viel fotografieren. Festivalgelände, Allerbrücke, Haus meiner Oma.

Bald darauf bereitet uns der Pilot langsam auf die Landung vor. Konzentriert inspiziert er die Wiesen, Äcker und Wälder vor uns. Wo treibt der Wind uns hin? Nicht zu nah an die Stromleitung bitte, aber auch nicht zu nah ans Wasser.

Plötzlich befinden wir uns nur noch wenige Meter über dem Boden. Über die nächste Baumreihe geht es noch rüber, dann wird es ernst. Wir befinden uns in der Nähe von Hornbostel. Die Landung steht kurz bevor.

Wir halten uns fest, so wie uns das vorher erklärt wurde. Mit dem Rücken zur Fahrtrichtung, falls der Korb bei der Landung kippen sollte. Wir setzten viermal auf dem Boden auf, bis wir zum Stehen kommen. Ich bin der Zweite, der den Korb verlässt und muss anschließend weiter stabilisieren, schieben und halten. Was für ein Kraftakt. Wie sehr der Wind am Ballon zerrt, merkt man erst hier unten.

Doch dann ist es geschafft. Wir kommen alle heil aus dem Korb und haben wieder festen Boden unter den Füßen. Das Begleitfahrzeug findet uns kurze Zeit später. Gefühlt dauert es nur Minuten, bis die Ballonhülle geleert, zusammengefaltet und gemeinsam mit dem Korb wieder im Anhänger verstaut ist.

Dann folgt der rituelle Teil der Ballonfahrt. Geschichtsstunde und Taufe. Prost. Ich knie nieder und werde mit Feuer und Sekt getauft. Ich gehöre nun zum Ballonadel. Weltweit anerkannt. Ich darf Steuern eintreiben auf dem Gebiet, das ich überquert habe. Dafür muss ich stets eine Flasche meines Taufgetränks bereit halten, sobald ich einen landenden Heißluftballon erblicke. Und am wichtigsten: Ich darf nie wieder sagen, dass ein Ballon fliegt. Er fährt! Ganz wichtig. Zuwiderhandlungen werden bestraft. Prost. Sehr lustig, dieser Ballonadel.

Randvoll gefüllt mit aufregenden Erlebnissen und Eindrücken komme ich schließlich nach Hause zurück. Es ist schon dunkel, doch meine kleine Tochter ist noch wach. Natürlich. Auch sie wird lange nicht vergessen, wie der riesige Ballon über sie hinweg geschwebt ist.

Weitere Fotos von meiner Ballonfahrt findet Ihr auf meinem Profil bei Instagram.

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