Das letzte Bier war ein Gin-Tonic (5:00)

Den Urlaub für den nächsten Tag schon Wochen vorher klar gemacht. Heute eine Stunde früher von der Arbeit weg. Zu Hause auf dem Sofa Hot Dogs als Grundlage und ein erstes Bier. Den letzten Regen abgewartet und los. Mit dem Rad ins Rio’s. Zum letzten Mal.

Schon von weitem sehe ich die Menschenmenge. Vor dem Eingang eine große Traube. Oli macht die Tür, Dawn die Treppe. Wie immer. Geht einer raus, darf einer rein. Oben ist es rappelvoll. Jetzt schon. Zur Theke unten komme ich durch. Erstmal eine Handvoll Astra und wieder raus zu den anderen. Thomas getroffen. Und Stefan. Und Kim, Angie, Claudia, Max, Chris, Lars. Saukalt heute. Aber jetzt wenigstens trocken. Das Bier ist leer. Schnell wieder rein.

Die Schlange nach oben wird kürzer. Als nächstes könnte ich hoch. Plötzlich lautes Hupen. Ein Bierlaster rumpelt vor die Tür. Die Klappe geht auf, das Licht geht an und die Live-Band ballert los. Eddy and the Backfires. Bester Rock’n’Roll. Der Hammer. Ich kann jetzt nicht hoch. Ich muss raus. Fotos machen. Tanzen. Trinken. Leiv getroffen. Und Lisa. Und Jörg. Und Jan. Und die da drüben, die kenne ich doch auch von irgendwoher. Von oben winkt Julia. Alle Fenster sind auf. Die Leute sitzen auf der Kante und feiern mit. Vor der Bühne macht eine Bierkiste die Runde. Nur Sekunden, dann ist sie leer. Eddie spielt über eine Stunde. Viel Party. Viel Prost. Zugabe. Besser geht’s nicht. Open Air Live Musik im Januar. Gab es das schon mal in Celle? Die beiden Peters kommen vorbei und verteilen ihre Zeitschrift. Na ja.

Die Band geht. Der Bierwagen bleibt. Spontan springen die Allerliebe-DJs auf die Ladefläche. Das Soundsystem ist schnell installiert. Fette Beats bis nach Mitternacht. Uschi und Schnallo haben Spaß. Beste Party vor dem Rio’s. Toller Blick von oben. Open Air Live Clubnacht vor dem Rio’s. Im Winter. Der Hammer.

Um 23 Uhr gibt’s unten kein Bier mehr. Die Bar macht zu. Kim freut sich und feiert oben weiter. Mit der letzten Rutsche Bier wieder nach draußen vor die Tür. Auf der anderen Straßenseite Feuerwerk. Dawn und Oli kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Was ist hier bloß los?

Dann endlich ab nach oben. Biergläser gibt es nicht mehr. Nur noch Plastikbecher. Egal. Hinten in der Ecke lasse ich meine Jacke. Sie ist dort nicht allein. Julia begrüßt. Und Steffi. Und Rebekka. Krass lange nicht gesehen. Alle sind sie da. Und alle rauchen hier. Jetzt ist es auch egal.

Irgendwann ist auch oben das Bier leer. Zurück von der Toilette muss ich Cuba Libre trinken. Geht. Danach noch einen. Ich mache viele Fotos. Auch ein Selfie mit einem Vollbart neben mir. Keinen Plan.

Restetrinken ist das Motto. Nach dem Bier muss der Rum dran glauben. Nach dem Rum kommt Gin. Gin-Tonic aus einem Astra-Bier-Plastikbecher. Das hatte ich hier noch nie. Ich setze mich an die Palme. Mache Fotos in alle Richtungen. Langsam gehen alle nach Hause. Restetrinken ist wohl nicht jedermanns Geschmack.

Die Nacht schreitet voran. Ich kann noch nicht los. Nochmal Toilette. Nochmal runter. Nochmal raus. Wieder hoch. Mitten im Getümmel steigt ein Typ auf seinen Barhocker und tanzt. Alle feiern mit.

Am Kickertisch geht’s zur Sache. Plötzlich muss ich mitspielen. Einsatz 50 Cent. Die anderen sind alles Profis. Die hatten wohl keinen Gin. Einen Ball kann ich halten. Die anderen nicht. Mein Spielpartner und ich werden keine Freunde.

Auf einmal spaziert meine Jacke an mir vorbei. Sie war schon draußen ohne mich. Kommt aber gerade zurück. Gut gemacht, kleiner Mann. Dich kenne ich doch auch.

Ich sitze auf der Fensterbank. Das letzte Bier ist ein Gin-Tonic. Jacke an. Nochmal eine Runde drehen. Ein Stück Tapete von der Wand in der Raucherecke wandert in meine Tasche. Ein Rio’s-Zuckertütchen auch. Die Cocktailkarte als Andenken. Kann ich nicht genug von haben.

Draußen vor der Tür herrscht jetzt nächtliche Stille. Bierwagen, Band und DJ sind weg. Nur noch leere Flaschen auf dem Boden. Ich schaue hoch zu den Fenstern. Sieht alles ganz normal aus. Wie ein normaler Samstagabend im Rio’s. Nur, dass heute Mittwoch ist. Donnerstag schon fast. Der letzte Tag. Ich mache Fotos von außen. Noch leuchtet das Rio’s-Schild. Neben mir ein junges Pärchen. Beide machen Selfies. Sind das Tränen? Scheiß kalter Wind.

Ich kann noch nicht los. Will aber auch nicht nochmal hoch. Zeit für den Abschied. Ich gehe Umwege. Schiebe mein Fahrrad über die Ampel. Andere Straßenseite. Setze mich aufs Geländer. Noch leuchtet das Rio’s-Schild. Doch nochmal hoch? Nee. Wirklich nicht. Ich schiebe weiter. Greller Vollmond über der Allerbrücke. Ich schaue zurück. Noch leuchtet das Rio’s-Schild. Ein langer Abschied. Was für eine Nacht. Laut. Heftig. Unvergesslich. Traurig. Genau richtig. Bald geht die Sonne auf. Ab ins Bett. Zwei Tage Kater. Eine Woche Trauer.

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