Mit Corona im Supermarkt – Der verflixte achte Hochzeitstag

Ach du Sch…! Die haben hier im Supermarkt ja alles umgeräumt! Wo finde ich denn jetzt die Eier? Und wo ist der Ketchup hin? Ich habe doch keine Zeit!

Ich hetze durch den Laden. Eigentlich wollte ich nur einen Teil meiner Mittagspause zum Einkaufen nutzen. Doch jetzt überfordern mich schon die Bananen. Es gibt normale, billige und Bio-Bananen. Und das an drei verschiedenen Ecken in der Obstabteilung. Warum?!

Weiter geht’s zum Brot. Ich ziehe alle Register und werfe Graubrot, Vollkornbrot, Toast und Aufbackbrötchen in den Einkaufswagen. Viel hilft viel. Sicher ist sicher.

Der Grund für meinen Hamsterkauf und die damit verbundene Hektik ist einfach: Corona. Die gesamte Familie hat es bereits erwischt und steht unter Quarantäne. Ich selbst fühle mich gut, doch ich muss mich natürlich testen lassen. Vorher wollte ich auf Nummer sicher gehen und für mehrere Tage im Voraus einkaufen. Vielleicht können wir das bald nicht mehr selbst machen.

Es ist natürlich ein grenzwertiges Unterfangen, das ich hier begonnen habe. Noch bin ich nicht positiv getestet, doch bei mehreren positiven Fällen im engsten Familienkreis ist die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass auch ich betroffen bin. Ob ich in diesem Zustand noch in der Öffentlichkeit einkaufen gehen sollte, ist fraglich. Eine moralische Grauzone.

Doch meine Bedenken müssen beiseite treten. Ich brauche Nudeln. Reichen drei Pakete? Würstchen finde ich glücklicherweise dort, wo sie immer schon waren. Windeln auch. Doch wo ist jetzt die Schokolade hin? Ohne Schokolade lässt sich das alles doch nicht ertragen! Ich finde sie dort, wo früher die Konserven waren. Im Nachbargang nehme ich sicherheitshalber noch zwei Dosen Ravioli mit. Zum Schluss noch der Besuch in der Tiefkühlabteilung und dann ab zu Kasse.

Die Kassen sind jetzt versetzt angeordnet. Ich hasse das, weil man auf den ersten Blick nicht mehr erkennen kann, wo die Schlange am längsten ist.

Doch heute geht’s noch. Ich bugsiere meinen randvoll gefüllten Einkaufswagen ans Kassenband und lege alles drauf. Normalerweise sortiere ich hierbei schon etwas vor, damit das Verpacken in Einkaufskorb und Tüten oder Taschen schneller geht. Heute ist das schier unmöglich. Ich belege mit meinen Einkäufen fast das gesamte Band und fühle mich, als würde ich nicht für drei, sondern für sieben Menschen einkaufen.

Düüt. Düüt. Düüt. Die Waren flitzen nur so über den Scanner. Der Einkaufswagen füllt sich wieder. Habe ich das dort wirklich alles hineingetan? Die Melone am besten nicht auf die Eier legen. Fruchtzwerge neben Tiefkühlgemüse – geht das?

Die Mitarbeiterin macht es spannend.

„Haben Sie unsere Punktekarte?“, fragt sie.

Ich verneine.

„Dann sind das 122,28 Euro bitte.“

Ich lasse mir nichts anmerken, während ich mit EC-Karte bezahle. Den Kassenbon nehme ich mit. Der kommt ins Corona-Album.

Am Kofferraum spiele ich Tetris. Ich bin natürlich schlecht vorbereitet und habe nur eine einzige Einkaufstüte mitgenommen. Doch die Kartoffeln überleben sicherlich auch so im Fußraum. Ab nach Hause, bevor die Tiefkühlkost was merkt.

Kurz darauf stehe ich im Corona-Testzentrum. Der Mitarbeiter ist sehr gründlich und nimmt Abstriche sowohl aus dem Rachen als auch aus der Nase. Mir soll’s recht sein.

Wie üblich kommt meine Nase mit dem Einführen des Teststäbchens nicht klar. Als ich das Testzentrum wieder verlasse, bricht ein gewaltiger Nieser aus mir heraus, der bestimmt noch zwei Straßen weiter zu hören ist. Eine ältere Dame in der Warteschlange kichert amüsiert. Ich lächele zurück.

Kurz darauf steht fest: Ich habe kein Corona. Der Test ist negativ. Noch. Ich werde mich jetzt täglich testen, bis alle wieder negativ sind.

Den Stress im Supermarkt hätte es also gar nicht gebraucht. Doch besser so, als andersherum.

Zur Feier des Tages gibt es abends Pizza aus dem besten Steinofen der Stadt. Schließlich feiern meine Frau und ich heute auch noch unseren achten Hochzeitstag.

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