Meine zweite Corona-Impfung

Wieder sonnig und warm, also wieder ab aufs Rad und ab zum Impfzentrum. Diesmal geht alles etwas schneller als bei meiner ersten Corona-Impfung sechs Wochen zuvor. Keine Warteschlange am Eingang, keine Formulare zum Ausfüllen, keine Fragen meinerseits. Meine Unterlagen vom letzten Mal sind schnell gefunden, neu getackert und gestempelt. Nur die Plexiglasscheiben, durch die man die Mitarbeiter des Impfzentrums kaum versteht, sind dieselben wie beim letzten Mal.

Nach wenigen Minuten habe ich den Wartebereich erreicht. Zu diesem Zeitpunkt bin ich der Einzige dort. Doch kurz darauf folgen weitere Impflinge und suchen sich einen Stuhl aus. Kaum habe ich Platz genommen, werde ich auch schon aufgerufen. Erneut nimmt mich eine ältere Dame in Empfang. Eine andere als beim letzten Mal. Sie führt mich um die Ecke in eine der Impfkabinen. Draußen klappt sie eine rote Markierung nach oben als Zeichen, dass diese Kabine besetzt ist.

Nebenwirkungen nach der ersten Corona-Impfung

Freundlich deutet die Dame auf einen Stuhl und ich setze mich. Ob ich die erste Impfung gut vertragen habe, fragt sie. Ich schildere die Nebenwirkungen meiner ersten Corona-Impfung. Schmerzen rund um die Einstichstelle am Oberarm, vergleichbar mit einem starken Muskelkater. Dazu ein etwas benebeltes Gefühl, allgemeine Mattheit und Langsamkeit. Nach gut 24 Stunden sei es aber schon wieder besser geworden.

Eine junge Impfärztin betritt die Kabine und stellt sich vor. Erneut die Frage nach meinem Wohlbefinden nach der ersten Impfung. Ich wiederhole meine Antwort von eben. Beim zweiten Mal könnten ähnliche Nebenwirkungen auftreten, erklärt mir die Medizinerin. Im Falle von ungewöhnlich starken Schmerzen oder Schwellungen zwischen Tag 4 und Tag 16 nach der Impfung sollte ich umgehend einen Arzt aufsuchen. Verstanden.

Woher kommen die Mitarbeiter im Impfzentrum?

Die Ärztin verlässt den Raum und überlässt der Assistentin wieder die Bühne. „Lehnen Sie sich zurück und entspannen Sie sich“, sagt sie. „Aber passen Sie mit der Wand hinter sich auf, die ist nicht sehr stabil.“ Wir lachen.

Diesmal spüre ich den Stich deutlich. Während die Dame die Einstichstelle an meinem linken Oberarm verarztet, frage ich sie, woher die ganzen Mitarbeiter für solch ein Impfzentrum kommen. Dieser plötzliche Bedarf müsse ja durch bestehende Ressourcen gedeckt werden. Das hatte ich mich schon länger gefragt.

Die Dame antwortet, dass sie persönlich bis vor kurzem noch OP-Schwester gewesen wäre. Im Frühjahr sei sie dann pensioniert worden und habe sich gedacht, dass die Arbeit im Impfzentrum vielleicht ganz sinnvoll wäre. So als sanften Übergang in den Ruhestand. Ich sage ihr, dass ich das ziemlich toll finde.

Andere Mitarbeiter kämen vom Roten Kreuz oder ähnlichen Organisationen. Wiederum andere würden über das Jobcenter vermittelt, vor allem für die Tätigkeiten am Empfang oder an der Anmeldung, für die es keine medizinischen Vorkenntnisse bräuchte. Und die Ärzte hätten sich bewerben können, nachdem für die Impfzentren dazu aufgerufen worden war. Beispielsweise für Ärzte in Gemeinschaftspraxen oder mit freien Praxisnachmittagen sei der Dienst im Impfzentrum gut vereinbar.

Wolkenbruch zur Feier des Tages

Ich bedanke mich für die Informationen und den netten Impftermin. Nur 15 Minuten nach Betreten des Zentrums sitze ich im Beobachtungsbereich. Nach weiteren 15 Minuten möchte ich eigentlich meinen Heimweg antreten, doch „draußen scheint die Sonne in Strömen“, wie es einer der Mitarbeiter ausdrückt. Ich warte noch etwas. Ich möchte möglichst trocken nach Hause radeln. Doch es dauert. Es scheint, als hätte sich der Wolkenbruch über meiner Stadt für länger eingerichtet.

Ich verlasse den Beobachtungsbereich und sprinte durch die dicken Tropfen hinüber in das provisorische Wartezelt vor der Halle. Hier sollen eigentlich die Angehörigen der Impflinge warten. Schätzungsweise 100 Stühle stehen bereit. Doch ich bin der einzige Wartende. Es kommt auch niemand mehr dazu. Bin ich der einzige mit dem Rad? Scheint so. Ich warte eine halbe Stunde, dann ist es trocken genug für einen angenehmen Rückweg.

Erneut Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung

Die Nebenwirkungen spüre ich dieses Mal schneller. Bereits eine Stunde nach der zweiten Impfung fühle ich mich matt und erschöpft. Auch die Schmerzen im Arm sind wieder da. Kopfschmerzen habe ich dagegen nicht. Abends gibt es Pizza vom Bringdienst. Einen unfallfreien Einsatz am Kochtopf hätte ich nicht garantieren können. Vor dem Schlafengehen nehme ich eine Ibuprofen. Die Nacht ist angenehmer als beim letzten Mal. Schon am nächsten Morgen geht es mir besser. Auch die Schmerzen im Arm lassen langsam wieder nach.

Durchgeimpft bin ich nun. Zwei Wochen später soll sich der komplette Impfschutz entfalten. Was mache ich damit? Erstmal nichts. Erleichterung und Entspannung wirken lassen. Dazu Freude und Dankbarkeit, weil ich das Privileg einer Corona-Impfung so frühzeitig in Anspruch nehmen durfte.

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