Meine erste Corona-Impfung

Es ist ein sonniger Mittwoch Ende April. So sonnig und warm, dass ich in kurzer Hose und mit dem Fahrrad zum Corona-Impfzentrum meiner Stadt gefahren bin. Ein paar Minuten warte ich vor dem Eingang, denn im Anschreiben wurde ich darauf hingewiesen, dass ich zwar pünktlich, aber bitte nicht mehr als fünf Minuten früher zur angegebenen Zeit erscheinen sollte. Schließlich stelle ich mich in die kurze Warteschlange.

Vor mir ein junges Paar. Ein Soldat kontrolliert die Terminbestätigungen. Das Mädchen muss draußen bleiben, denn nur ihr Freund hat einen Termin. Begleitpersonen seien nur in genehmigten Ausnahmefällen erlaubt.

Dann bin ich an der Reihe. Ich zeige meine Terminbestätigung vor und darf das Impfzentrum betreten. Am Eingang muss ich mir die Hände desinfizieren und ein paar Fragen beantworten. Schon mal Corona gehabt? Fühlen Sie sich krank? Kopfschmerzen? Ich kann alles verneinen. Impfpass dabei? Ja. Den brauchen wir später. An der Stirn wird Fieber gemessen. Alles gut.

Ich muss Formulare ausfüllen. Persönliche Daten, Anamnese, Einwilligung in die Impfung. Dann einmal um die Ecke zur Anmeldung. Durch die dicke Plexiglasscheibe ist die Dame schwer zu verstehen. Meine Terminbestätigung habe ich nur als Email auf dem Handy dabei. Sie wird ausgedruckt und an die anderen Zettel getackert. Digitalisierung lässt grüßen. Impfpass dabei? Ja. Den brauchen wir erst später.

Ein paar Schritte weiter zur Registrierung. Wieder dickes Plexiglas. Eine weitere Dame nimmt die Formulare an sich, klickt auf dem PC herum, stempelt, tackert und gibt mir alles zurück. Jetzt bitte weiter zum impfen.

„Normalerweise wird hier gesoffen“

Ich schaue mich kurz um. Das Impfzentrum befindet sich in einem Jugend- und Veranstaltungszentrum. Unzählige Partys und Konzerte habe ich hier in den vergangenen 20 Jahren erlebt. Dort, wo jetzt die Registrierung eingerichtet ist, wird normalerweise Bier ausgeschenkt. Ich zücke mein Handy und möchte ein Foto machen. Diese besonderen Umstände festhalten. Ist doch irgendwie ein historischer Moment, finde ich.

„Keine Fotos bitte“, sagt ein junger Sanitäter freundlich zu mir.

„Na ok“, sage ich. „Ist ein ungewohntes Bild. Normalerweise wird hier gesoffen.“

Er lacht. Unsere Wege trennen sich.

Ich betrete die große Halle. Meine Unterlagen werden mir abgenommen und unter einen Stapel gelegt. Eine Sanitäterin zeigt auf den Wartebereich. Rund 25 Stühle stehen dort. Alle mit Abstand. An einer Wand steht ein Fernseher, auf dem ein Film mit Naturaufnahmen gezeigt wird. Grüne Landschaften, Dschungel, Wasserfälle. Auf einer Tafel daneben sind handschriftliche Daten vermerkt. Datum, Impfstoff, Datum der zweiten Impfung. Ich setze mich und warte.

Nur 13 Tage auf Impftermin gewartet

Auf den heutigen Impftermin habe ich nicht lange warten müssen. Es ist noch keine zwei Wochen her, da hatte ich ein Schreiben des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums im Briefkasten, mit dem mir die Berechtigung zur vorzeitigen Impfung gegen Covid 19 bescheinigt wurde. Noch am selben Abend registrierte ich mich online für einen Termin und wurde auf die Warteliste gesetzt. Nur fünf Tage später bekam ich eine Bestätigung für einen Termin in acht Tagen. Das ging recht fix, finde ich. Ich hatte bereits von längeren Wartezeiten gehört.

Während ich warte, werden minütlich Menschen zum impfen gerufen. Neue Impflinge kommen hinzu und gesellen sich zu den Wartenden. Ein ständiges Kommen und Gehen.

Hinter einer Absperrung sitzen zwei Sanitäterinnen am Schreibtisch. Die eine hat offensichtlich Feierabend und steht auf. Sie verabschiedet sich von ihrer Kollegin und sagt: „Das war schön heute.“ Ich muss lächeln.

Ich werde aufgerufen. Eine sympathisch wirkende, ältere Dame, vielleicht Schwester, vielleicht Praxishelferin oder Sanitäterin, ich weiß es nicht genau, schnappt sich meine Formulare und bittet mich, ihr zu folgen. Sie führt mich in eine Kabine. Ich darf mich setzen.

„Wie kommt es denn, dass sich ein so junger Mann wie Sie schon impfen lassen darf?“, fragt sie mich freundlich.

„Risikopatient“, antworte ich. „Ich habe bereits eine Krebserkrankung hinter mir.“

Damit scheint sie nicht gerechnet zu haben. Sie reagiert aber richtig und findet warmherzige Worte. Irgendwas mit Schicksalsschlag und Herausforderung.

„Ja, darauf bereitet einen keiner vor“, sage ich.

„Und am Ende muss das jeder allein durchstehen“, fügt sie hinzu.

Ich nicke. Spricht sie aus eigener Erfahrung? Gelegenheit zum Nachfragen bekomme ich nicht, denn eine Ärztin betritt die Kabine.

Sie ist ebenfalls sehr freundlich, stellt sich vor und studiert meine Formulare. Dann ein paar Fragen. Schon mal Corona gehabt? Komplikationen mit anderen Impfungen? Alles gut. Kann losgehen.

Nadel der Corona-Impfung kaum gespürt

Während die Ärztin mir mögliche Nebenwirkungen aufzählt und meinen Impfpass ausfüllt, spüre ich erst das Desinfektionsmittel und anschließend die Nadel in meinem linken Oberarm. Die Impfung geht in lockerer Plauderei unter.

„Kaum was gespürt“, sage ich.

„Ich habe Sie aber wirklich geimpft“, versichert die Helferin. Wir lachen. Die Ärztin verabschiedet sich.

Die Helferin drückt mir meinen Stapel Formulare in die Hand, führt mich aus der Impfkabine wieder heraus und begleitet mich noch zum Beobachtungsbereich. Eine Viertelstunde soll ich noch bleiben, falls es Komplikationen gibt. Wenn alles gut bleibt, soll ich eigenständig gehen. Ich verabschiede mich von der netten Dame und wünsche ihr einen schönen Tag.

Der Beobachtungsbereich ist größer als der Wartebereich vorhin. Bestimmt 40 Stühle stehen hier. Ich warte geduldig und vertreibe mir die Zeit auf dem Smartphone. Schließlich werden es sogar 17 Minuten. Sicher ist sicher.

Ich stehe auf und gebe meine Formulare am Ausgang ab. Sie werden bis zu meinem zweiten Termin in sechs Wochen aufbewahrt.

„Den Arm heute nicht mehr belasten“, gibt mir der Sanitäter mit auf den Weg, der meine Zettel locht und abheftet. Ich nicke, verabschiede mich und trete durch den Ausgang in Freie.

Durch die warme Frühlingssonne radele ich zurück nach Hause. In sechs Wochen geht’s weiter.

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