Sommerprojekt Terrasse (7:30)

Seit etwas mehr als zwei Jahren bin ich nun schon Hausbesitzer. Und damit auch Gartenbesitzer. Als Verbindungsstück zwischen diesen beiden Eigentumselementen dient mir seit neuestem eine Terrasse, die ich in den vergangenen Wochen und Monaten eigenhändig geplant und erfolgreich realisiert habe. Dass dabei nicht alles so verlaufen würde wie erhofft, hatte ich mir vorab schon gedacht, denn das hatte ich bereits zwei Jahre zuvor bei der Renovierungsphase des Hauses gelernt. Vor allem bei der veranschlagten Bauzeit für die Terrasse hatte ich mich verschätzt. Wofür ich zu Beginn noch mit einem Aufwand von Minuten gerechnet hatte, kalkulierte ich im fortschreitenden Bauprozess viel öfter Stunden oder gar Tage ein. Doch alles der Reihe nach.

Holzterrasse statt Wintergarten

Vor der Planung stand zunächst einmal der Abriss, denn dort, wo unsere schöne Holzterrasse entstehen sollte, hatten uns die Vorbesitzer einen mehr als in die Jahre gekommenen Wintergarten hinterlassen. Der war nichts Halbes und nichts Ganzes. Und eigentlich auch nicht als Wintergarten nutzbar. Die untere Hälfte der Außenwände bestand aus Mauerwerk und nur die obere Hälfte aus Fensterelementen. Zudem war dieser an die Küche angrenzende Raum nicht beheizbar und bot somit keine alternative Aufenthaltsmöglichkeit in den Wintermonaten.

Dieses rund 30 Jahre alte Bauwerk mit den zeitlosen schwarzen Vogelumrissaufklebern auf den Scheiben musste also weg, damit wir dort unseren Traum von einer mit einem Glasdach überspannten und nach allen Seiten offenen Terrasse mit Holzdielenfußboden realisieren konnten. Nach einem mehrstündigen Kraftakt unter Zuhilfenahme einer Handvoll Muskelpakete aus meinem Bekanntenkreis, inklusive mir natürlich, und dem gezielten Einsatz von Mettbrötchen und Bier war der Wintergarten schließlich Geschichte.

Ein paar Tage später wurde er durch eine weiß lackierte Aluminiumkonstruktion mit gläsernen Dachelementen ersetzt. Zwei Monteure benötigten dafür gerade einmal vier Stunden – und kassierten einen mittelgroßen vierstelligen Eurobetrag.

Das Obenrum, also Abriss und Dachaufbau, hatten wunderbar und termingerecht geklappt. Das Untenrum wollte ich nun in Eigenregie fertigstellen. Bisschen Holz kaufen, sägen, schrauben, fertig. Ich hatte den ganzen Sommer noch vor mir und war guter Dinge, die Terrasse noch vor dem Winter fertigzustellen. Vielleicht sogar so rechtzeitig, dass wir sie an den restlichen warmen Tagen des Jahres noch einweihen konnten.

Terrasse: Gut geplant ist schon halb fertig

Eine gute Planung ist die Grundlage für ein erfolgreiches Projekt. Gut geplant ist schon halb fertig – Dieses Sprichwort gibt es bestimmt irgendwo. Ich hatte mir extra ein neues, fünf Meter langes Maßband gekauft und legte los. Eine Stunde lange stolzierte ich auf der rund zwölf Quadratmeter großen Grundfläche für unsere Terrasse umher und vermaß jede noch so kurze Seite. Länge mal Breite: klar. Treppe in den Garten: auch klar. Dazu kamen noch die Oberflächen auf den Mauerresten, die wir als Abgrenzung stehengelassen hatten und der schmale Streifen zwischen Terrassentür und Terrasse. Wie hoch ist denn so eine Treppenstufe eigentlich? Müssen da Setzstufen davor? Sieht schon besser aus, ja. Und müssen die Mauerabschlüsse verkleidet werden? Sieht auch besser aus, ja. Ich ließ mein metallenes Maßband aus- und einfahren, zog es immer wieder klappernd über den Boden und vermaß die gesamte Fläche mit der Genauigkeit eines Geologen beim Kartieren einer Erdbebenverwerfung. Am Ende hatte ich alle Maße mit Bleistift in meine Zeichnung auf Karopapier übertragen, die jeden Schreinergesellen zum Bestehen des ersten Ausbildungsjahres verholfen hätte:

Der neue Stefan plant seine Terrasse

Mit dieser Zeichnung ging ich schließlich zu Ingmar, einem der dienstältesten Mitarbeiter im Holzfachgeschäft meines Vertrauens. Richtig, kein Baumarkt, sondern ein Holzfachgeschäft. Bei der Renovierung unseres Hauses vor zwei Jahren hatte sich die Entscheidung für Produkte aus dem Fachhandel in einigen Fällen als die richtige Wahl herausgestellt. So sollte es auch beim Holz für die Terrasse sein.

Ingmar hatte einen eigenen Schreibtisch inmitten einer Landschaft aus Regalen voll mit Holzproben, Schrauben und Werkzeug. Ingmar betrachtete meine Bauzeichnung, nickte anerkennend und fing sofort an zu rechnen. Während er konzentriert auf seiner Tastatur herumtackerte und dabei Zahlen vor sich hin murmelte, betrachtete ich seine Auszeichnungen hinter ihm an der Wand. Ingmar schien ein Profi auf dem Gebiet des Holzhandels zu sein. Und er enttäuschte mich nicht.

Ingmar hatte an alles gedacht: Holzdielen, Unterkonstruktion, Abstandshalter, Gummiunterlagen und Schrauben. Die Produkte trugen Namen wie „Terrassofix“ oder „Terrassenmeister“. Ingmar hatte nur das beste für uns ausgesucht.

Ein paar Tage später rumpelte sein Kollege Günther bei uns mit einem Gabelstapler auf den Hof. Ingmar hatte dafür gesorgt, dass unserer Material bestellt wurde und bei Günther auf dem Laster landete. Der Laster war allerdings etwas zu breit für ein gefahrloses Rangieren in unserer schmalen Straße. Also ließ Günther seinen Brummi an der Hauptstraße stehen, packte alles auf seinen Stapler und lieferte uns die Einzelteile unserer Terrasse direkt in die Garage.

Welche Säge brauche ich für meine Terrasse?

Das Material war da. Es konnte nun eigentlich losgehen. Vor dem offiziellen Baustart musste ich allerdings noch eine ganz wichtige Anschaffung tätigen: die Säge. Was genau benötigte ich eigentlich? Eine Zug- und Kappsäge? Oder eine Kreissäge? Und dann eher eine Handkreissäge oder eine Tischkreissäge?

Ingmar hatte mir zu einer Kreissäge geraten. Welche genau, sei eigentlich egal. Ich überlegte. Eine Handkreissäge war günstiger in der Anschaffung und leichter zu handhaben und zu lagern. Eine Tischkreissäge bot dagegen einen festen Arbeitsuntergrund sowie mehr Führungssicherheit, die gerade bei längeren Schnitten, wie auch ich sie zu erwarten hatte, von Vorteil sein würde.

Ich entschied mich für die Tischkreissäge und schnappte mir im Baumarkt optimistisch den großen grünen Karton des Modells, das ich vorab online als das richtige für mich herausrecherchiert hatte. Einen Tag später musste ich es jedoch zurückbringen, weil ich die Ausführung ohne Unterbau mitgenommen hatte. Und die Version mit Unterbau war in dem Markt nicht verfügbar. Ich ließ mir also den Kaufpreis zurückerstatten und bestellte mir online das richtige Modell. Sorry, local dealer.

Ein paar Tage später wurde mir die Kreissäge geliefert. Gemeinsam mit dem Paketboten trug ich den Karton in die Garage. Als wir die Kiste abstellten, fiel der Blick des Mannes auf den Stapel Terrassendielen.

„Na, dann kann’s ja losgehen!“, sagte er.

Ja, jetzt konnte es endlich losgehen!

– Fortsetzung folgt –

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