Wenn es um Ausflüge in Freizeitparks für Kinder geht, haben wir in den vergangenen Jahren schon so einiges gesehen. Bisher waren wir in großen und kleinen Themenparks in Bayern, Hamburg und Niedersachsen unterwegs. Ganz allgemeines Fazit: In den Ferien ist überall die Hölle los und was die Preise angeht, sollte man nicht allzu knauserig sein. Aber im Großen und Ganzen hatten wir überall viel Spaß mit Achterbahnen, Kinderprogramm und Maskottchen und fühlten uns als Familie wohl.
In diesem Jahr haben wir etwas neues ausprobiert und unseren Sommerurlaub mit dem Besuch eines Erlebnishofs kombiniert. Und nicht nur das: Wir haben uns sogar für drei Nächte im dazugehörigen Familienhotel eingebucht. Namen nenne ich absichtlich nicht.
Große Spielplätze mit gutem Essen
Auch hier erstmal ganz allgemein: Das Konzept der Erlebnishöfe für Familien ist eigentlich ziemlich cool. Next Level Ferien auf dem Bauernhof, wenn man so will. Im Grunde sind das große Spielplätze mit vielen Attraktionen und Fahrgeschäften sowie recht gutem Essen. Wir haben an drei Tagen alles mehrfach durchgespielt und hatten sehr viel Spaß.
Ein paar Dinge sind mir jedoch sauer aufgestoßen, vor allem, weil es hier ausdrücklich um einen Familienpark geht. Und mit meinem Krebshintergrund blicke ich auch anders auf die Dinge. Am meisten schockiert war ich von der unverhohlenen Verherrlichung von Alkohol und den viel zu raucherfreundlichen Verhältnissen vor Ort. An jeder Ecke gab es Alkohol zu kaufen und überall durfte geraucht werden. Wohlgemerkt: Es handelte sich hier um ein Angebot für Familien mit kleinen Kindern!
Kombination von Kindererziehung und Drogenkonsum
Alkoholiker und Raucher, die nebenbei ein Kind großziehen, sollten sich hier offenbar wohl fühlen. An der Imbissbude neben einem der Spielplätze gab es neben Bratwurst im Brötchen auch Halbliter-Flaschen Bier zu kaufen. Im Souvenirshop stand direkt neben dem Regal mit Spielzeug und Kuscheltieren ein Kneipenkühlschrank mit Glastür, in dem unter anderem Bier, Dunkelbier und Radler zu finden waren. Daneben wurden sowohl Spielzeug-Traktoren als auch Kräuterliköre mit 32 Prozent Alkohol angeboten. Diese waren in alberne Dosen abgefüllt, die wie Benzinkanister aussehen sollten. Auf der Rückseite der Hinweis: Bitte nicht in Kraftfahrzeuge einfüllen. Und auch in der Show-Arena, in der viermal am Tag ein Theaterstück für Kinder gezeigt wurde, konnten sich die Eltern vor Beginn der Vorstellung mit Bier eindecken.
Für Raucher war es ähnlich paradiesisch. An jeder Ecke standen hässliche schwarze Plastikbehälter, die offenbar moderne Aschenbecher sein sollten. Niemand musste sich lange nach einem ausgewiesenen Raucherbereich umschauen, sondern konnte ganz unkompliziert überall dort, wo er gerade stand, die Gesundheit seiner Mitmenschen gefährden. Andere Familienparks sind längst in der Neuzeit angekommen und bitten die Gäste, ausschließlich in gekennzeichneten Raucherbereichen zu quarzen – diesen Familienpark schien das offenbar nicht zu kümmern.
Nicht erst seit meiner Krebserkrankung kritisiere ich den teilweise sorglosen Umgang mit Alkohol und Zigaretten in der Öffentlichkeit, vor allem, wenn Familien mit kleinen Kindern beteiligt sind. Bei manchen Angeboten in den Bereichen Gastronomie und Freizeit habe ich den Eindruck, dass viel Wert auf die Kombination von Kindererziehung und Drogenkonsum gelegt wird. Während das Kind spielt, soll der Papa nebenan sein Bierchen genießen können und alle sind glücklich. Als wäre der Stress beim Großziehen eines Kindes nur mit einer gewissen Menge Alkohol und Zigaretten zu ertragen.
175.000 Todesfälle durch Alkohol und Rauchen
Ich möchte mich in die Kritik nicht hineinsteigern. Doch die Zahlen für Deutschland sprechen eine klare Sprache. Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sterben aktuell 44.000 Menschen jährlich an den Folgen von Alkoholkonsum. Beim Rauchen sind es laut Deutschem Krebsforschungszentrum 131.000 Todesfälle pro Jahr. Ich lehne es ab, dass so sorglos mit Alkoholkonsum und Rauchen umgegangen wird und, wie im Fall meines Urlaubserlebnisses, Kinder mit Selbstverständlichkeit an lebensbedrohliches Suchtverhalten herangeführt werden.
Abgesehen von der steinzeitlichen Gesundheitsprävention hatten wir auf dem Erlebnishof aber viel Spaß. Wir werden vielleicht sogar wiederkommen, auch wenn ich meinem Kind dann wieder mühsam erklären muss, worum es sich bei den hässlichen schwarzen Stinkeeimern handelt und warum die lustig aussehende Dose mit dem Prozentzeichen kein Spielzeug ist. Wir konzentrieren uns dann lieber auf die Erdbeermarmelade. Die war wirklich lecker.
Bild: KI-generiert