Long time no see: Meine erste Augenhintergrund-Untersuchung

So gewissenhaft ich in den vergangenen Jahren meine Krebsnachsorgetermine wahrgenommen und unermüdlich auf Gesundheitsthemen wie Krebsvorsorge und HPV-Impfung hingewiesen habe, so sehr vernachlässigt habe ich offenbar zwei andere Organe, mit denen ich schon viel länger zu tun habe: Meine Augen. Ich bin sehr kurzsichtig. Schon lange. Mit zwölf bekam ich meine erste Brille und seitdem haben sich meine Augen kontinuierlich verschlechtert. Mittlerweile habe ich mehr als minus fünf Dioptrien. Rechts sind es sogar minus sechs.

Erster Arztbesuch seit 19 Jahren

Das letzte mal beim Augenarzt war ich 2007. Das weiß ich noch ganz genau. Ich saß im Sommer gerade an meiner Magisterarbeit, als sich bei mir eine schmerzhafte Bindehautentzündung breitmachte. Tagelang hatte ich geschwollene Tränendrüsen, verklebte Lider und Schmerzen durch den Druck. Ich nahm Schmerztabletten, um mich auf das Schreiben meiner Abschlussarbeit konzentrieren zu können. Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und ging zum Augenarzt.

In den Jahren danach gab es keinen weiteren Anlass für einen Besuch beim Augenarzt. Meine Augen verschlechterten sich weiterhin. Alle paar Jahre ging ich zum Optiker, ließ dort meine Sehschwäche ausmessen und mir neue Brillen anfertigen. Ernste Beschwerden hatte ich nie.

Meine aktuelle Brille trage ich seit gut zweieinhalb Jahren. Noch nicht allzu lange, würde ich sagen, doch im vergangenen Jahr habe ich festgestellt, dass sie für meine Augen nicht mehr ausreichte. Und da man sich mit Mitte 40 vielleicht auch mal über Alterssichtigkeit und Gleitsichtbrille Gedanken machen sollte, beschloss ich, doch mal wieder zum Augenarzt zu gehen.

Der Augenarzt ist „not amused“

Auf den Termin musste ich ein paar Monate warten. Anschließend noch eine weitere Stunde im Wartezimmer. Kurz darauf saß ich vor dem Arzt. Er stellte fest, dass ich 2007 zum letzten Mal bei ihm gewesen war. In der Zwischenzeit sei ich wahrscheinlich woanders mal beim Augenarzt gewesen, oder? ODER? Ich verneinte.

„Das ist mutig, gerade bei ihrer Sehschwäche“, sagte er mit einem leicht abschätzigen Unterton in der Stimme.

Leicht eingeschüchtert ließ ich den Rest der Kontrolluntersuchung über mich ergehen. Mit dem Augeninnendruck schien alles in Ordnung, doch meine aktuellen Werte stimmten nicht mehr mit meiner Brille überein. Wir vereinbarten einen Termin für eine Augenhintergrunduntersuchung und ich durfte wieder gehen.

Wie läuft die Augenhintergrund-Untersuchung?

Zwei Wochen später bereitete ich mich auf meine Augenhintergrunduntersuchung vor. Mit dem Auto zu fahren sei hinterher schlecht, hieß es, weil ich Augentropfen bekäme, die mein Sichtfeld unscharf machten. Ich reiste also mit dem Fahrrad an und stellte mich darauf ein, den Rückweg zu Fuß bestreiten zu müssen.

Kurz nachdem ich im Wartezimmer Platz genommen hatte, wurden mir auch schon die besagten Augentropfen verabreicht. Das Zeug brannte sofort in meinen Augen. Ich durfte sie kurz schließen und das Brennen ließ bald wieder nach. Nach etwa zehn Minuten bemerkte ich, dass ich nicht mehr so gut gucken konnte. Die Zahlen auf meiner Armbanduhr waren verschwommen. Auch auf meinem Handy konnte ich immer schlechter etwas erkennen. Wenn ich in die Ferne blickte, war dagegen alles wie bisher.

Ich wurde aufgerufen und durfte im Sprechzimmer Platz nehmen. Während ich auf den Augenarzt wartete, bemerkte ich weitere Veränderungen. Ich fühlte mich zunehmend benebelt und leicht benommen. So als hätte ich einen Schnaps auf nüchternen Magen getrunken. Ich verstand, warum man nach Verabreichung der Tropfen kein Auto fahren sollte.

Die Augenhintergrunduntersuchung dauerte nur ein paar Minuten. Der Augenarzt hielt eine Art Vergrößerungsglas vor meine Augen und leuchtete mit einem hellen Licht hinein. Ich musste nach oben, links, rechts und unten schauen. Durch die von den Augentropfen geweiteten Pupillen konnte der Arzt gut ins Innere meiner Sehorgane schauen. Ich versuchte, nicht zu oft zu blinzeln. Meine Augen tränten. Kurz darauf war die Untersuchung beendet. Keine besonderen Auffälligkeiten. Ich durfte wieder gehen. Mit meinen aktuellen Werten in der Tasche sollte ich demnächst einen Optiker aufsuchen.

Verschwommen, benebelt, geblendet

Als ich vor der Arztpraxis wieder auf die Straße trat, erkannte ich einen weiteren Grund für die eingeschränkte Verkehrstüchtigkeit: es war auf einmal ungewohnt hell. Durch die geweiteten Pupillen drang viel mehr Licht als sonst ins Auge. Ich stieg aufs Rad, musste aber auch dabei wachsam bleiben. Ausgerechnet heute strahlte die Sonne vom Himmel und mir ins Gesicht, sodass ich den halben Heimweg mit vorgehaltener Hand radelte. Ich war froh, als ich wieder zu Hause war.

Den Rest des Nachmittags verbrachte ich auf dem Sofa. Ich schaffte es gerade so, zwei WhatsApp-Nachrichten zu schreiben, obwohl ich die Buchstaben auf meinem Handy nur schwer erkennen konnte. Fernsehen gucken und dabei Kaffee trinken war glücklicherweise kein Problem.

Im Laufe des Abends normalisierte sich meine Sehfähigkeit langsam wieder und am nächsten Tag war alles so wie vorher. Fürs nächste Mal nahm ich mir vor, entweder eine Sonnenbrille einzupacken oder mich nach der Untersuchung abholen zu lassen.

Bild: Matias Camueira/Pexels

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