Ich hatte ja keine Ahnung: Urlaubs-Edition

Der erste Urlaub mit Kind. Ich hatte ja keine Ahnung, was mich erwartet. Dreht das Kind während der Fahrt irgendwann durch? Finden wir ein passendes Hotel und Restaurants für den Urlaub mit Kind? Und bis wie viel Höhenmeter ist unser Kinderwagen geeignet? Ich habe viele neue Erfahrungen gesammelt. Und viele neue Rentner kennengelernt.

Der Golf reicht nicht mehr aus

Zwei Koffer, zwei Rucksäcke, Handtasche, bisschen was zu essen, fertig. Diese Zeiten sind vorbei. Die wichtigste Frage lautet nun: Wohin mit dem Kinderwagen? Denn: Ist dieser zusammengefaltet im Kofferraum des Golfs verstaut, passt außer ein paar Kleinigkeiten nichts mehr hinein. Und die Rückbank neben der Babyschale mit Gepäck vollzustopfen, fällt aus Sicherheitsgründen flach. Ein größeres Auto muss also her, zumindest leihweise. Der gemietete Kombi hätte zwar auch größer sein dürfen, doch fasste er zumindest die meisten sperrigen Gepäckstücke im Kofferraum, ohne dass ich mir beim Blick in den Rückspiegel den Hals verrenkten musste.

Acht Stunden Autofahrt mit Kleinkind – geht

Autourlaub mit Kind sei ja immer so eine Sache, heißt es. Stau, Hunger, Pipi, Langeweile – Irgendwas ist ja immer, was Ungemach auf der Rückbank auslöst. Meine Erfahrung: Wenn das Kind noch sehr klein ist, geht’s. Zu Beginn der Reise überträgt sich die Vorfreude der Eltern auf das Kind. Neugierig wird alles beobachtet. Das Kind mag Autofahren. Vor allem, weil es dabei gut schlafen kann. Und das tut es auch. Mehrere Stunden am Vormittag und am Nachmittag werden einfach weggeratzt. Das erste lautstarke Lebenszeichen wird für die erste große Pause genutzt. Auf einem Rastplatz sitzen wir in der Sonne, später auf einer Decke unter einem Baum. Große Wohnmobile brausen vorbei, Hunde werden Gassi geführt, Rentner sitzen nebenan und winken. Alles aufregend.

Die Rentner flippen aus

Rentner und kleine Kinder haben eine spezielle Beziehung, das habe ich schon früh erkannt. Zu Hause beim Einkaufen oder Spazierengehen reagieren ältere Menschen meist am enthusiastischsten, wenn ihnen ein kleines Kind begegnet. Im Urlaub ist das nicht anders, eher noch intensiver. Im Restaurant im Urlaubsort zieht ein kleines Kind, das am Tisch nur Schabernack im Kopf hat, schnell alle Aufmerksamkeit auf sich. Die Seniorinnen am Nebentisch winken und können ihre Verzückung kaum in Worte fassen. Im Vorbeigehen wird das Köpfchen gestreichelt. „Ist das in Ordnung? Die ist ja so süß“, werden wir gefragt und können den Übergriff nicht verhindern. Grenzwertig, vor allem wegen Corona, aber ok. Wir sind nur froh, dass das Comedyprogramm unserer Tochter allgemeinen Anklang findet.

Kinderstuhl ist nicht gleich Kinderstuhl

Essen mit Kind im Urlaub ist sowieso ein großes Thema. Irgendwas muss immer dabei sein. Und auch, wenn das Wetter im Urlaub nicht das beste ist, wird zur Not eine Mittagspause im Freien abgehalten. Im Restaurant wird die Speisekarte als erstes nach etwas Geeignetem für den Nachwuchs gescannt. Meist müssen wir Spezialwünsche äußern und etwas weglassen oder hinzufügen, das dem erst spärlich milchbezahnten Gaumen zuträglich ist.

Mit Kinderstühlen ist die Gastronomie gut ausgestattet, doch es gibt Unterschiede. In einem Hotel stehen die Stuhlbeine des Billigproduktes so weit ab, dass das Personal im Vorbeigehen damit kollidiert. Dem sicheren Platz für das Kind am Tisch wird daraufhin mehr Aufmerksamkeit gewidmet. In einem Restaurant wird uns ein klobiger Kinderstuhl aus dunklem Holz hingestellt, der mit einer Art Käfig für die Beine ausgestattet ist. Das Museumsstück ist so groß, dass sich der Nachwuchs ermuntert fühlt, darauf herumzuklettern. Gegessen wird dann abwechselnd bei uns auf dem Schoß.

Die besten Wanderwege mit Kinderwagen

Für Wanderungen mit Kinderwagen gibt es spezielle Reiseführer. Kein Witz. Diese Wanderungen sind auf den zweiten Blick allerdings eher als Spaziergänge zu bezeichnen und enden meist in einem kinderfreundlichen Gasthof mit Spielplatz. Wir machen lieber unsere eigenen Erfahrungen und laufen einfach los. Ein Urlaub in Bayern ist hügelig, auch innerhalb von Ortschaften. Steile Fußwege sind mit Kinderwagen ungewohnt, aber kein Problem. Kompliziert wird es nur, wenn sich der Weg unangekündigt in eine 40stufige Treppe verwandelt. Im einsetzenden Sommerregen wird der Kinderwagen samt friedlich schlummerndem Nachwuchs die Stufen heruntergerumpelt. Ein Spaß für die ganze Familie.

Fazit: Urlaub mit Kind ist anders, aber immer noch toll. Man isst anders, man schläft anders, man bewegt sich anders. Den Fernseher im Hotelzimmer haben wir nicht ein einziges Mal benutzt. Dafür haben wir überall Kinderspielzeug verteilt. Und zum Einschlafen habe ich wieder mehr gelesen. Eltern und Kind hatten eine Menge Spaß. Oder wie man bei Ebay schreiben würde: Netter Kontakt, gerne wieder, fünf Sterne.

2 Gedanken zu „Ich hatte ja keine Ahnung: Urlaubs-Edition

  1. Mit unseren zwei Jungs haben wir im Urlaub sämtliche Höhen und Tiefen erlebt, die man sich nur vorstellen kann. Aber wir hatten immer – IMMER – eine schöne Zeit. Trotzdem ist es gut, dass sie inzwischen erwachsen sind und sich auch ohne Eltern mal in die Fremde wagen.
    Ihr ward am Chiemsee?
    Schön!
    LG
    Sabiene

    Gefällt 1 Person

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