Möge der Mai mit dir sein (6:15)

Es ist ein sonniger Tag auf dem Planeten Tatooine. Luke Skywalker sitzt im Garten des Hauses, in dem ihn seine Pflegeeltern großgezogen haben. Feiertage wie heute verbringt der Jedi-Ritter gerne im Haus seiner Kindheit. Hier kann er mal so richtig abschalten.

Heute ist der 4. Mai und in der gesamten Star-Wars-Welt legen die Leute die Füße hoch. Es ist ihr „Tag der Arbeit“.

Und so sitzt Luke, wie jedes Jahr am „May, the fourth“, in Bademantel und Bärchen-Hausschuhen auf der Terrasse, neben sich auf dem Tisch ein Kaffee und in der Hand die Tageszeitung. Hinter ihm im Wohnzimmer summt leise sein Laserschwert vor sich hin, das mit einem Ladekabel an der Steckdose hängt. In der Auffahrt glänzt der Raumjäger in der Sonne.

Luke schlägt die Zeitung auf. „Sturmtruppen gehen für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße“ lautet die Schlagzeile.

„Na, da wird mein Vater den Feiertag wohl nicht genießen können“, denkt Luke.

Es klingelt an der Tür. Luke springt auf und blickt durch den Türspion. Niemand zu sehen. Als er öffnet, erkennt er den Grund dafür: Draußen steht sein 90 Zentimeter großer Kumpel Yoda.

„Yo, was geht, Alter? Biste am Chillen? Schönen 4. Mai wünsche ich dir!“, sprudelt es aus dem 900 Jahre alten Männchen hervor.

Luke blickt seinen einstigen Meister verwirrt an.

„Was guckst ’n so?“, fragt Yoda. „Du weißt doch, heute ist Feiertag, da spreche ich ganz normal. Dieses ganze ,Viel lernen du noch musst‘ ist doch nur fürs Fernsehen!“

„Ja, weiß ich doch. Ich meine nur dein Outfit…“, sagt Luke und deutet auf das hellblaue T-Shirt mit einem Bild von Mr. Spock darauf.

„Ein echter Fan ist ein echter Fan!“, erwidert Yoda. „Komm schon, ich habe Bier und DVDs dabei. Lass es uns gemütlich machen!“

Und so machen sich die beiden auf dem Sofa breit und ziehen sich den ganzen Abend Star-Trek-Filme rein.

Nicht so entspannt geht es bei Darth Vader zu. Wie Luke schon vermutet hat, kann der Sith-Lord den Feiertag nicht wirklich genießen, denn seine Untergebenen gehen auf die Barrikaden.

Vader steht am Fenster seines Arbeitszimmers und blickt hinaus auf seinen Todesstern. Unten in der Fußgängerzone haben sich tausende Soldaten der Sturmtruppen versammelt und halten große, selbst gemalte Schilder in die Höhe. Es gibt Bratwurstbuden und Trommelkreise. Und eine Hüpfburg.

An einem Rednerpult hat der Führer der Sturmtruppengewerkschaft Stellung bezogen. Mit eindringlichen Worten redet er auf die Masse ein und zeigt dabei immer wieder entrüstet auf das Bürofenster von Darth Vader.

„Wir fordern bezahlte Überstunden!“, ruft der Gewerkschafter. Die Menge jubelt.

„Wir fordern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Wieso wurden auf dem Todesstern keine Betriebs-Kitas gebaut? Wer soll denn tagsüber auf meine Söhne George und Lucas aufpassen?“ Der Jubel wird lauter.

„Und das wichtigste: Wir fordern, dass wir endlich mal neue Uniformen bekommen! Unsere Ausrüstung sieht aus wie aus den 70ern!“ Die Menge rastet schier aus.

„Was soll ich denn sagen?“, murmelt Darth Vader vor sich hin, während er an seiner schwarzen Rüstung herunter schaut.

Mehrere Lichtjahre entfernt auf einer kleinen Reparaturbasis im Weltraum lassen es sich zwei Roboter an diesem Tag so richtig gut gehen. C-3PO und sein bester Kumpel R2-D2 treffen sich hier bereits seit ein paar Jahren, um den Feiertag gemeinsam in der intergalaktischen Waschanlage zu verbringen. Roboter-Wellness, könnte man sagen.

In diesem Moment stehen die beiden am Empfangstresen und müssen sich für ein Pflegeprogramm entscheiden.

„Na, was hättest du denn gern?“, fragt der goldene C-3PO seinen kleinen, mülltonnenförmigen Freund.

„Beep, Bopp, Beep, Beep“, antwortet R2-D2.

„Wie bitte? Keine Unterbodenwäsche? Und wie sieht’s mit Staubsaugen aus?“

„Bopp, Bopp, Bee Deep!“

„Du hast dir erst gestern einen saugen lassen? Du Ferkel!“

Beide bekommen ihre Tickets und stellen sich an die Warteschlange an.

Wieder einige Planeten weiter wird Han Solo unsanft durch lautes Geschrei geweckt.

„Raaaaghhhh! Raaaaaghhhh!“

Han Solo blinzelt. Die Mittagssonne versetzt ihm einen schmerzhaften Stich. Dann bemerkt er die Kopfschmerzen. Heftige Kopfschmerzen. Er fasst sich an den Schädel und richtet sich langsam auf.

„Raaaaghhhh! Raaaaaghhhh!“

Han zuckt zusammen. Neben seinem Nachtlager erkennt er seinen besten Freund Chewbacca. Der Wookie vom Planeten Kashyyyk steht fassungslos vor einem mannshohen Spiegel und blickt hinein.

„Chewie, alter Kumpel, was ist denn los?“

Sein Freund dreht sich zu ihm um. Hätte Han Solo nicht so einen mörderischen Kater, hätte er laut losgelacht.

Chewbacca hat nirgendwo mehr Haare am Körper. Irgendjemand hat den normalerweise voll behaarten Hünen letzte Nacht komplett rasiert. Er sieht aus wie eine Nacktkatze auf zwei Beinen.

Doch das ist noch nicht alles. Der Wookie steckt außerdem in einem pinken Ballettkleid und auf seiner Brust prangt in krakeliger Handschrift das Wort „Bitch“.

Han Solo prustet los.

„Chewie, mein Freund! Was hast du denn letzte Nacht getrieben?“

Vor Lachen steigen ihm Tränen in die Augen.

Dann raschelt es neben ihm im Bett. Er schlägt die Decke zurück und blickt in die Knopfaugen einer Ewok-Dame, die nur noch einen zerrissenen Ledertanga trägt. Das kleine Fellknäuel blickt Han Solo verliebt an und kuschelt sich schnurrend an ihn.

Dann fällt es Han Solo wieder ein. Sie sind auf Endor.

„Verdammt Chewie! Warum wolltest du denn unbedingt hierher? Die Maibaumpartys der Ewoks sind doch die schlimmsten im ganzen Universum!“

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