Schlamm, Sturm, Rocklegenden: 30 Jahre Hurricane-Festival – Meine Highlights

Das Hurricane-Festival feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag. Zwischen 2002 und 2010 bin ich insgesamt siebenmal auf dem Eichenring in Scheeßel dabei gewesen. Ich weiß noch, wie die zweite Bühne nur aus einem Zelt neben der Hauptbühne bestand. Ich habe im Schlamm übernachtet, Promis getroffen und unzählige Legenden auf der Bühne erlebt. Hier meine Highlights:

Mein erstes Hurricane-Festival 2002

Zu meinem ersten Hurricane-Festival 2002 bin ich aus Hamburg angereist, weil ich zu dem Zeitpunkt gerade dort studiert habe. Ich packte eine Palette Dosenbier in einen Rollkoffer, dazu Ravioli, Frikadellen, Zahnbürste und ein paar Klamotten und fuhr mit dem Regionalexpress nach Scheeßel. Geschlafen habe ich bei meinem Kumpel im Zelt. Am ersten Morgen wurde ich wach, weil draußen jemand „Also hier würde ich ja nicht schlafen“ sagte. Ein Blick vors Zelt offenbarte: Nach heftigem Regen standen wir zur Hälfte im Wasser und mussten unser Lager versetzen.

Meine erste Band auf dem Hurricane 2002 war Die Happy. Später sah ich die Red Hot Chili Peppers sowie Queens of the Stoneage mit Dave Grohl an den Drums. Bei No Doubt machte ich mir im Gewühl meine Brille kaputt. Im Erste-Hilfe-Zelt lies ich sie notdürftig reparieren und lief den Rest des Wochenendes mit Tesafilm auf dem Brillenglas herum. Ich hatte kaum Bargeld dabei. Im Partyzelt stand plötzlich Elton neben mir und gab mir ein Bier aus. Auf der Bühne erinnere ich mich außerdem an Nelly Furtado und Jasmin Tabatabai.

Gelände des Hurricanefestivals mit Hauptbühne, Ständen und vielen Menschen.
Immer viel los auf dem Hurricane-Festival wie hier im Jahr 2010.

Im Schlamm festgefahren 2006

„A Storm is coming!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich Gnarles Barkley von uns, bevor er vorzeitig von der Bühne ging und wir das große Zelt verlassen mussten, in dem sie aufgebaut war. Es war das Hurricane 2006, als ein großes Unwetter über das Festival hinwegzog, was dazu führte, dass mehrere Auftritte abgebrochen oder abgesagt werden mussten. Die Bühnenbereiche wurden gesperrt, weil die Gefahr bestand, dass Teile herunterfallen und Leute verletzen konnten. Nur das Partyzelt war freigegeben und so hielten wir uns dort so lange auf, bis das Unwetter vorüber war.

Nach der Rückkehr zu meinem Zelt sah ich, dass es mit Wasser vollgelaufen war. Alles war nass, der Schlafsack nicht zu gebrauchen. In meiner Not ging ich zum Parkplatz, um in meinem Auto zu schlafen. Mein Golf stand jedoch unweit eines großen Laternenmastes, dessen Licht mich nicht schlafen ließ. Also kam ich mitten in der Nacht auf die glorreiche Idee, mein Auto umzuparken. Ich kam nur wenige Meter weit, bevor ich im Schlamm steckenblieb. Es gab kein Entrinnen. Auch eine alte Isomatte, die ich gefunden und unter den Reifen platziert hatte, brachte keinen Erfolg. Ich schlief trotzdem in meinem Auto, das nun mitten im Weg stand.

Am nächsten Tag war Abreisetag. Trecker kamen zu Hilfe, um die vielen festgefahrenen Autos aus dem Schlamm zu ziehen. Ich stellte mich in die Warteschlange und rechnete mit einer Wartezeit von mehreren Stunden. Mein Kumpel versuchte unterdessen, das Auto auf eigene Faust freizubekommen. Dabei erhielt er plötzlich Unterstützung von einer Gruppe Festivalbesucher, die nun alle zusammen und mit vereinten Kräften mein Auto aus dem Schlamm zog. Ich war überglücklich, verabschiedete mich fröhlich von den anderen Wartenden und fuhr nach Hause.

Zeltplatz während eines heftigen Regenschauers.
Regen und Schlamm, wie hier 2007, gehörten zum Hurricane-Festival meistens dazu.

Treffen am Jesus-Stand

Einer der wichtigsten Treffpunkte auf dem Hurricane-Festival war über die Jahre immer der sogenannte Jesus-Stand kurz vorm Eingang zum Infield. An einem kleinen Stand wurde kostenlos Kirschsaft verteilt und wer wollte, bekam eine Taschenbibel und einen Austausch zu christlichen Themen. Dem Glauben nähergebracht hat mich dieser Stand zwar nicht, aber er war über Jahre ein fester Bestandteil meiner Hurricane-Besuche.

Mit dem Auto vor der Hauptbühne geparkt

Zweimal bin ich als offizieller Pressevertreter auf dem Hurricane-Festival zu Gast gewesen. 2008 durfte ich das in Anspruch nehmen, weil das Magazin, für das ich zu dem Zeitpunkt arbeitete, im Vorfeld eine Werbe- und Verlosungsaktion gestartet hatte. Ich weiß noch, wie ich mir das Presseticket vor Ort auf dem Gelände abholen sollte und nicht wusste, wo ich hinmusste. Mit meinem alten VW Golf bin ich über Feldwege an den Securitys vorbeigerumpelt, bis ich plötzlich vor der großen Hauptbühne stand. Außer mir war niemand da. Ich parkte das Auto vor der Bühne und ging Backstage. Dort wusste man aber auch nicht weiter. Erst später habe ich dann den Container gefunden, an dem die Pressetickets verteilt wurden. Bis heute ärgere ich mich, dass ich kein Foto von meinem Auto vor der Hurricane-Hauptbühne gemacht habe.

2009 konnte ich dann meine Tageszeitung für eine Reportage über das Festival gewinnen. Drei Tage lang begleitete ich meine Kumpels beim Feiern, Grillen und Zähneputzen. Als Pressevertreter durfte ich nicht nur den Presseparkplatz, sondern auch die dazugehörigen Duschen und Toiletten nutzen. Das habe ich in dem Jahr sehr zu schätzen gelernt.

Stefan Kübler beim sichern eines Pavillons mit Klebeband.
„Gehe nie ohne Tape aus dem Haus“: Klebeband hat uns in all den Jahren so manchen Pavillon gerettet.

Die größte Enttäuschung auf dem Eichenring

An schlechte Momente auf dem Hurricane-Festival erinnere ich mich kaum. Das schlechteste Konzert war für mich aber definitiv Oasis 2005. Ich hatte mich gefreut, die endlich mal live sehen zu können, doch der Auftritt war ziemlich langweilig. Sie spielten hauptsächlich nur Songs von ihrem damals aktuellen Album „Don’t Believe the Truth“. Vielleicht war es auch ungünstig, dass parallel Rammstein auf der Hauptbühne ihre Pyro-Show abfeuerten. Damals standen Haupt- und Zweitbühne noch in Sichtweite auf dem Eichenring voneinander entfernt und jedes Mal, wenn das Feuerwerk zu uns herüberschien, dachte ich, dass ich dort drüben jetzt auch gut feiern könnte.

Die besten Bands und Gigs auf dem Hurricane-Festival

Die Bands, die ich auf dem Hurricane-Festival am häufigsten gesehen habe, waren die Ärzte und die Beatsteaks, gefolgt von Deichkind und Queens of the Stoneage. Danach wird’s schleierhaft. Zu meinen Highlights gehören Pearl Jam, System of a Down und Audioslave, aber auch The Hives, The Strokes und Mando Diao blieben mir positiv im Gedächtnis. Für gut befunden wurden außerdem Garbage, Turbonegro, The Cardigans, The Kooks, Marilyn Manson, Kings of Leon, Die Mannequin, Juliette Lewis and the Licks, The Pigeon Detectives, Faith no More, Skunk Anansie und viele mehr.

„Gehe nie ohne Tape aus dem Haus“

Ansonsten war das Hurricane-Festival für mich immer ganz viel Freiheit, frische Luft, Musik und Dreck. Von 15 bis 30 Grad habe ich alles erlebt, ebenso alles zwischen Staubwüste und Matsch. „Gehe nie ohne Tape aus dem Haus“ – Wer schonmal bei Regen und Sturm Zelt und Pavillon mit Panzer-Tape sichern musste, kennt diesen Satz. Nach anfänglichen Experimenten mit Dosennudeln blieb Grillen die Verpflegungsvariante Nummer eins. Damals fand ich diese Einweggrills total praktisch, ungeachtet des Mülls, den sie verursachten. Top-Getränk war natürlich Dosenbier. Aufs Infield durfte man damals noch 1,5-Liter-TetraPaks mitnehmen, sodass ich zwischenzeitlich auf Sangria wechselte. Und wenn der Time-Table eine Grillpause am Zelt nicht zuließ, behalf ich mich wiederholt mit der frittierten Calzone von Pizza Mario. Auch nach Mitternacht hat mich dieses kulinarische Angebot oft gerettet.

Liebes Hurricane, Herzlichen Glückwunsch zum 30. Geburtstag! Wir sehen uns bestimmt mal irgendwann wieder!

Bilder: Stefan Kübler

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