Nur mal eben schnell in die Innenstadt, dann wieder ab nach Hause, Märchenschloss aufbauen und Sonntagsbraten vorbereiten – das war der Plan letztens. Doch wie das immer so ist, scheint das Schicksal etwas gegen Mal-eben-schnell-Pläne zu haben, und so kam alles anders.
Der Besuch in der Innenstadt fiel wie geplant kurz aus. Das Thermometer zeigte minus acht Grad und wir wollten uns nur kurz die Beine vertreten. Als wir den Heimweg mit dem E-Auto antreten wollten, streikte jedoch das Fahrzeug plötzlich. Nichts ging mehr. Die Türen ließen sich nicht öffnen, weder mit der Fernbedienung noch mit der App, geschweige denn auf die klassische Weise mit Schlüssel.
Überfordert wie der Dachs vorm Geldautomat standen wir da. Was jetzt? Zu Fuß laufen? Bisschen weit mit Kind. Taxi rufen? Da wäre wahrscheinlich kein Kindersitz drin. Den Bus nehmen? Gerade weg, wie ein Blick in die App zeigte. Als Kompromiss nahmen wir einen anderen Bus, der wenigstens die halbe Strecke in unsere Richtung fuhr und gingen dann den Rest zu Fuß.
Erschöpfter als geplant kamen wir zu Hause an. An Entspannung war jedoch nicht zu denken. Sonntagsessen und Märchenschloss warteten weiter auf Vollendung. Dazu kam nun noch das defekte Auto, dass ohne Betreuung auf einem Parkplatz in der Innenstadt stand, für den ab dem nächsten Werktag eine Parkgebühr fällig werden würde. Es musste irgendwie weg von dort. Jetzt waren Spezialisten gefragt.
Während ich wie geplant den Gänsebraten vorbereitete, versuchte meine Frau, den gelben Pannendienst zu erreichen. Drei Stunden hatten wir jetzt Zeit, dann wollten wir essen. In dieser Zeit wechselte ich ständig zwischen Küche und Wohnzimmerfußboden hin und her und hatte gleichzeitig ein Auge auf den Bratensaft im Backofen sowie auf die Bauanleitung des Märchenschlosses mit unzähligen pinkfarbenen Teilen. Während der Plastikpalast in die Höhe wuchs und die Tochter sich immer mehr über ihr neues Spielzeug-Highlight freute, wurde der Braten langsam gar und kross. So hatte ich mir das vorgestellt.
Meine Frau hatte inzwischen den Pannendienst erreicht, das Problem mit dem offenbar kälteempfindlichen E-Auto geschildert und ein Treffen mit einem Mitarbeiter in Gelb vereinbart. Bei weiterhin frostigen Außentemperaturen schwang sie sich schließlich aufs Fahrrad, um den Mechaniker am Ort des Geschehens in der Innenstadt in Empfang zu nehmen. Vor Ort offenbarte das Fahrzeug dann seine dunkle Seite. Als meine Frau dem Pannenhelfer das Problem zeigen wollte, funktionierte die Technik plötzlich wieder ohne Probleme. Die Türen ließen sich öffnen, das Auto sich starten und der Akku zeigte noch genug Ladung für den Weg nach Hause an. Was sollte das denn jetzt?
Mit überschwänglichem Dank im Gepäck machte sich der Mechaniker auf den Weg zum nächsten Notfall. Meine Frau ließ ihr Fahrrad an einem Laternenpfahl zurück und fuhr nach Hause, erleichtert, ihr Auto wieder bei sich zu wissen.
Der Rest des Abends verlief wieder nach Plan. Der Gänsebraten mit Rotkohl und Klößen war vorzüglich und nach dem Essen feierten wir Richtfest am Märchenschloss. Mittlerweile sind die Bauarbeiten dort komplett abgeschlossen und alle Bewohner fühlen sich wohl. Auch das E-Auto hat sich nach dem Ende der Kältephase wieder berappelt. Wenn das mit der Verkehrswende klappen soll, müssen wir bezüglich der Zuverlässigkeit bei Minusgraden aber nochmal ein Wörtchen reden.
Bild: KI-generiert