Das erste Mal den Finger im Po hatte ich 2020. Bei meiner jährlichen Nachsorge/Vorsorge-Untersuchung überraschte mich mein Urologe damals mit den Worten:
„Sie sind ja jetzt 40, da machen wir das gleich mit, dann haben wir das.“
Kurz darauf lag ich mit entblößtem Hinterteil auf der Pritsche. Der Urologe zog sich einen Fingerling über, entschuldigte sich dreimal und begann mit der Tastuntersuchung der Prostata. Die dauerte nur wenige Sekunden und der Arzt redete dabei ganze Zeit, moderierte sozusagen sein Vorgehen:
„So… dann einmal schauen… ok… einmal hier… Prostata fühlt sich nicht vergrößert an… obwohl…“
Kurze Schrecksekunde…
„Nein, alles in Ordnung.“
Plopp, Finger wieder raus, Hose hoch und tschüss.
In den darauffolgenden Jahren wiederholte sich die Prozedur. Sie war jedes Mal gleich kurz und gleich unauffällig, doch daran gewöhnt habe ich mich nie. Mit einem unangenehmen Gefühl am Po fuhr ich jedes Mal wieder nach Hause und war froh, wenn ich mich auf der heimischen Toilette wieder richtig sauber machen konnte.
Erste Zweifel an der Tastuntersuchung
Im Jahr 2023 las ich von neuen Forschungsergebnissen, wonach Zweifel an der Aussagekraft der Tastuntersuchung als Prostatakrebsvorsorge geäußert wurden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) veröffentlichte damals einen Bericht, in dem die regelmäßige Untersuchung des PSA-Wertes als sinnvoller erachtet wurde, weil die Tastuntersuchung zu viele falsch positive Befunde hervorbringen würde. Es wurde empfohlen, auf die unangenehme Tastuntersuchung nur dann zurückzugreifen, wenn der PSA-Wert erhöht sei.
Handlungsbedarf ab PSA-Wert von 4
Der PSA-Wert wird über das Blut ermittelt. Diese Untersuchung habe ich seit 2020 ebenfalls jährlich vornehmen lassen. Das Blut wird beim Urologen oder Hausarzt abgenommen, ins Labor geschickt und dann der PSA-Wert innerhalb weniger Tage ermittelt. Bei einem Wert von unter 4 ist alles in Ordnung. Liegt er darüber, folgen weitere Untersuchungen der Prostata. Mein Wert lag in den vergangenen Jahren mal knapp unter 1, mal knapp darüber. 2024 war er bei 0,74. Der einzige Nachteil an der PSA-Untersuchung ist, dass sie nicht von der Krankenkasse übernommen wird und der Rechnungsbetrag von ca. 25 Euro vom Patienten selbst getragen werden muss.
Wie sollte ich mit den neuen Forschungsergebnissen umgehen? Ich sprach 2023 direkt meinen Urologen an. Zusätzlich schrieb ich eine E-Mail an den Professor, der einst meinen Peniskrebs wegoperiert hatte und fragte ihn nach seiner Meinung. Beide waren sich einig, dass an der Tastuntersuchung der Prostata vorerst festgehalten werden sollte. Und so sagten sich auch 2023 und 2024 Finger und Po weiterhin guten Tag.
Untersuchung des PSA-Wertes erhält Vorzug
Im Laufe des Jahres 2025 las ich von weiteren Fortschritten bei dem Thema. So soll beispielsweise Österreich jetzt ganz offiziell auf die Tastuntersuchung zugunsten der PSA-Untersuchung verzichten.
Und siehe da: Auch mein Urologe eröffnete mir kürzlich, dass die Tastuntersuchung jetzt nur noch durchgeführt werde, wenn der PSA-Wert auffällig hoch ist oder der Patient über Schmerzen, Probleme beim Wasserlassen oder ähnliches berichtet. Ich war erfreut über diesen Fortschritt und auch ein wenig erleichtert.
Einen PSA-Wert müssten wir nicht unbedingt nehmen, hieß es. Ich ließ mir trotzdem Blut abnehmen und untersuchen. Wenige Tage später wurde ich angerufen. Mein PSA-Wert liegt aktuell bei 1,2. Weiterhin kein Grund zur Sorge.