Mein zweiter Köhlbrandbrückenlauf – diesmal ohne Herzalarm

Es sind sonnige 17 Grad, als ich letztens gegen 13.20 Uhr in Hamburg-Veddel ankomme. Noch gut eineinhalb Stunden bis zum Start des Köhlbrandbrückenlaufs. Ich stelle mein Auto im Parkhaus am S-Bahnhof ab, schlüpfe in meine Laufschuhe und begebe mich zu Fuß zum Start-Ziel-Bereich.

Das Veranstaltungsgelände ist gut 1,8 Kilometer entfernt und befindet sich auf dem Gelände eines Logistikunternehmens neben dem Hafenmuseum. Dort bekomme ich meine Startnummer. Ein Veranstaltungs-T-Shirt in meiner Größe gibt es leider nicht mehr. „Passt Ihnen vielleicht auch Damen-XL?“, fragt die Verkäuferin. Passt leider nicht. Aber Danke.

Keinen Bock auf Small Talk vor dem Start

Bis zum Start muss ich jetzt noch etwas Zeit totschlagen. Ich gehe in die provisorische Umkleide, die aus Bauzäunen und Biergartenbänken besteht, und ziehe mich final um. Mist, ich habe Wasser vergessen, also muss ich mir eines für 3,50 Euro kaufen. Als ich in meine mitgebrachte Banane beiße, werde ich von der Seite um ein Stück davon angeschnorrt. Netter Kerl, aber ein bisschen zu geil auf Small Talk. Wir verabschieden uns.

Nach meinem Warm-up begebe ich mich zum Start. Lou Richter hat auch in diesem Jahr wieder das Mikrofon in der Hand und sabbelt sich einen ab. Eine Institution. Nach dem Startschuss trotten wir langsam los. Ich winke Lou Richter zu. Er winkt zurück.

Ich versuche es langsam anzugehen. Der erste Anstieg kommt schnell, doch ist er nur ein Vorgeschmack auf die Vier-Prozent-Steigung der Hamburger Köhlbrandbrücke. Die ersten drei Kilometer nutze ich zum Warmlaufen vor dem großen Hindernis.

Überwältigender Anstieg zur Köhlbrandbrücke

Dann der erhabene Moment. Die Steigung zur Brücke hat bereits begonnen, da schiebt sich das Bauwerk nach einer Kurve endgültig ins Blickfeld. Ich bin nicht weniger überwältigt als bei meiner ersten Teilnahme zwei Jahre zuvor. Doch ich versuche, gelassen zu bleiben. Beim letzten Mal hat meine Laufuhr Alarm geschlagen, weil mein Puls zu hoch war. Das möchte ich dieses Mal vermeiden.

Ich konzentriere mich aufs Vorwärtskommen. Der Scheitelpunkt der Brücke kommt immer näher. Oben bietet sich einem ein grandioser Blick auf die Elbe und den Hamburger Hafen. Viele Läufer bleiben stehen und machen Fotos. Ich habe andere Sorgen. Die letzten Schritte bis nach oben sind heftig, doch danach geht es sofort spürbar bergab. Ich bin erleichtert. Mein Puls ist gut zehn Schläge unter dem Wert von vor zwei Jahren geblieben.

Der Weg bergab bietet eine gewisse Entlastung. Doch die Konzentration darf nicht schwinden. Es ist erst ein Viertel der Strecke geschafft.

Nach der Hälfte muss ein 180-Grad-Wendepunkt gemeistert werden. Danach gibt es einen Schluck Wasser und mitreißende Musik einer Dudelsacktruppe. Mit einem Lächeln im Gesicht wird der zweite Anstieg in Angriff genommen.

Plaudertaschen mit 162 Puls

Der Puls geht schnell wieder hoch. Ich werde von zwei Männern überholt. „Wie hoch ist dein Puls?“, fragt einer den anderen. „162“, antwortet der andere. Dann gleiten beide munter plaudernd an mir vorbei. Ich bin mit ähnlichem Puls unterwegs und froh, dass ich nicht reden muss.

Der Rückweg verläuft ohne Zwischenfälle. An den Foto-Points gebe ich mein bestes. Ansonsten gehe ich vorsichtig mit meiner Kondition um.

Den zweiten Scheitelpunkt und die markante Steigung kurz vor dem Ziel gehe ich konzentriert an. Dann forciere ich das Tempo und lasse auf dem letzten Kilometer noch einige hinter mir. Die letzten Schritte vor der Ziellinie sind hart. Dann ist es geschafft. Zeit ist in Ordnung, ich bin zufrieden.

Zielbereich zu klein

Medaille um den Hals, ab zum Wasserstand, Erinnerungsfoto. Der Zielbereich ist mir zu klein. Zu schnell werde ich gebeten, den Pfandbecher wieder zurückzugeben. Gerne wäre ich beim Trinken einfach noch ein bisschen geradeaus spaziert.

Ich hole meine Sachen, ziehe mir trockene Kleidung an und gehe langsam zurück zum Auto. Ob es noch einen dritten Köhlbrandbrückenlauf für mich gibt? Irgendwann vielleicht. Ein paar Jahre soll die Brücke ja noch stehenbleiben.

 

(Foto: Luisa Fischer/meine-sportfotos.de)

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