Full Safety Weihnachtsmarkt: Meckerköppe müssen draußen bleiben

Eine Welle der Erleichterung durchfährt mich, als ich die Bestätigung erhalte. Es passiert wirklich: Ich darf auf den Weihnachtsmarkt. Schon sechs Wochen vorher hatte ich meinen Weihnachtsmarktbesuch über das Formular 2412 beantragt. Ein paar Daten wurden abgefragt. Social-Media-Aktivitäten, Kampfsporterfahrung, Zugehörigkeit zu terroristischen Vereinigungen. Nix wildes. Jetzt darf ich endlich los.

Auf dem Weihnachtsmarkt herrscht angespannte Stimmung. Überall Stacheldraht, Sandsäcke und bewaffnete Polizisten. Am Eingang bin ich durchsucht worden. Von Wachtürmen aus haben vermummte Beamte ein Auge auf die Besucher. Jeder darf einen Glühwein trinken und eine Runde auf dem Karussell drehen. Wachhunde streunen umher. Über uns kreisen Drohnen. Frohe Weihnachten…

So oder so ähnlich sehen Weihnachtsmärkte derzeit offenbar aus, wenn es nach den vielen Miesmachern, Meckerköppen und Verschwörungstheoretikern im Internet geht. Von Gefängnisatmosphäre ist da die Rede. KI-generierte Bilder von Familien in schusssicheren Westen an von Panzerwagen bewachten Glühweinständen werden geteilt. Ich hasse das. Denn das stimmt alles nicht.

Seit den gewaltsamen Vorfällen in Berlin und Magdeburg gehen viele Weihnachtsmärkte mit einem verstärkten Sicherheitskonzept an den Start, keine Frage. Dass diese Maßnahmen Auswirkungen auf die Weihnachtsstimmung der Besucher haben, sehe ich aber nicht. Ich arbeite jetzt in einem Büro nahe der Innenstadt. Während meiner Mittagspause spaziere ich öfter über den Markt und fühle mich nicht beeinträchtigt. Außer den als Weihnachtsgeschenke getarnten Fahrzeugsperren an den Zufahrten fallen einem die Sicherheitsmaßnahmen kaum auf.

Gleich am ersten Adventswochenende bin ich mit meiner Familie auf dem Weihnachtsmarkt gewesen. Unser Pflichtprogramm: Crêpes essen, Poffertjes essen. Für mich gehört unbedingt eine Schokobanane zum Weihnachtsmarkt dazu. Danach eine Fahrt auf dem historischen Riesenrad und ein Bummel über den Platz. Es geht vorbei am Karussell sowie weihnachtlich geschmückten Ständen und Essensbuden. Es riecht nach Salmiak und Bratwurst, vom Fahrgeschäft weht Weihnachtsmusik herüber.

Der Weihnachtsmarkt fühlt sich an wie immer. Viele Menschen, viel zu essen. An den beliebten Ständen mit den Schmalzkuchen kommt es zu Gedränge. Das nervt, wirkt aber nicht bedrohlich. Die Stimmung ist weihnachtlich. Was ich nicht gesehen habe sind Stacheldraht, Wachtürme und Maschinenpistolen. Allerdings war stundenlang ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Auf dem Karussell war er bei den Kindern das beliebteste Fahrzeug.

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