Stopptanz am Komposthaufen

Ich habe Urlaub, trotzdem klingelt der Wecker um Viertel nach sieben. Dem Kind muss der Schlaf aus den Augen geschmust und das Frühstück in die Brotdose geschnibbelt werden. Nach dieser werktäglichen Routine und der Verabschiedung des Kindes Richtung Kindergarten gönne auch ich mir ein entspanntes Frühstück mit Kaffee und Entertainment auf dem Sofa. Danach wird der Urlaubsmodus abgeschaltet. Das Top-Ereignis des Tages lautet: Kindergeburtstag.

Auf dem Tags zuvor gemähten Rasen im Garten stecke ich einen Pavillon zusammen und platziere Tische und Stühle für zwölf Personen darunter. Ich bringe die Sandkiste auf Vordermann und hänge ein Wurfspiel an die Wäscheleine. Dazu kommen Girlanden und Luftballons. Der Pool wird abgedeckt, das Trampolin sieht auch gut aus. Herumlungernde Blumentöpfe, Pflastersteine und Gartenschläuche werden aus dem Weg geräumt. Für die Hauptzielgruppe der Vier- bis Sechsjährigen ist nun alles vorbereitet.

Die späte Mittagspause wird zum Durchatmen genutzt. Das Kind kommt aus dem Kindergarten und freut sich über die Partyzone. „Das hast du gut gemacht, Papa!“

Die ersten Gäste stehen vor der Tür. Andere kommen direkt durch den Garten ins Haus. Und dann sind plötzlich alle da. Der Esstisch ist umringt von Kindern. Geschenke werden ausgepackt. Die pure Freude. Eltern stehen daneben, lächeln, freuen sich mit. Dann sollen die Großen wieder gehen. Die Kinder wollen alleine feiern.

Alle stürmen hinaus und erobern das von der Frau vorbereitete Kuchenbüffet. Es gibt rosa Muffins, Kuchen mit Konfettistreuseln und bunte Schorle. Alles auf Papptellern mit Giraffen und Elefanten.

Mit vollen Bäuchen werden anschließend Trampolin, Rutsche und Schaukel erobert. Ich ziehe mich unauffällig zurück und bereite die Schatzsuche vor. Zettel werden aufgehängt, Kreidestriche gezogen und in der Nachbarschaft ein Schatz versteckt. Meine Frage an die Kinder „Wer hat Lust auf eine Schatzsuche?“ wird mit einem wilden Jubelausbruch beantwortet.

Die wichtigste Frage: „Muss jemand nochmal auf die Toilette?!“

„Nein!“, lautet die einstimmige Antwort.

Dann: „Doch, ich muss nochmal.“

„Ich auch!“

Schließlich gehen alle nochmal auf die Toilette.

Wir sind startklar zur Schatzsuche. An der ersten Station lösen wir ein Rätsel, das uns die Schweine stellen. Anschließend helfen wir einer Maus durchs Labyrinth und beantworten die Frage eines Esels. Die Kinder raten und malen und bekommen als Belohnung kleine Goldmünzen, die sie auf ihre Schatzkarten kleben.

Nächstes Highlight: Stopptanz am Komposthaufen. Alle haben bestanden. Dann geht es raus auf die Straße. Ballett mit den Hühnern und Weitsprung mit den Ziegen. Am Ende müssen noch die Schafe eingefangen werden. Und dann glitzert es plötzlich unter einem Baum. Die Schatztruhe wird gefunden und alle Kinder bekommen wertvolle Süßigkeiten, Glitzer-Tattoos und eine Urkunde.

Zurück im Garten feiern die Kinder ihre erfolgreiche Schatzsuche mit Pommes und Bratwürstchen. Die kleine Horde hat Hunger und alle wollen alles auf einmal.

„Ich will noch mehr Pommes!“

„Ich will eine große Bratwurst!“

„Tomatenketchup!“

„Habt ihr auch Käsegriller?“

„Tomatenketchup!“

„Habt ihr auch Mayo?“

„TOMATENKETCHUP!“

Die zweite Portion Pommes macht die Runde. Die Hälfte davon landet auf dem Boden. Kann die Tischdecke eigentlich in den Trockner? Irgendwann sind alle Würstchen kleingeschnitten und der Ketchup verteilt. Für die gastgebenden Erwachsenen bleiben nur halbe Bratwürstchen und die Reste von den Brötchen übrig.

Anschließend wieder Trampolin, Rutsche und Schaukel. Andere machen Quatsch am Wurfspiel oder sich in einer ruhigen Ecke über die Pommesreste her.

Dann sind die Eltern zum Abholen wieder da.

„Na, wie war das?“, lautet die Frage – allerdings an uns Eltern. „Wie viele Kinder? Acht? Och ja, das ist ja ordentlich.“ Man will sich immer abschauen, wie das bei den anderen so läuft.

Die Kinder zeigen stolz ihre Urkunden und Schatzkarten. Dann sind alle wieder weg. Später bekommen wir Nachrichten, in denen die Eltern bekräftigen, wie toll die Kinder diesen Tag fanden. Große Freude auf Seiten der Veranstalter. Zum Glück müssen wir nicht gleich alles wieder abbauen. Morgen kommt die Verwandtschaft.

(Bild: KI-generiert)

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