Arbeitgeber gesucht (10:30)

Florist oder Kosmetiker – Das sind meine Traumjobs. Zumindest wenn es nach dem Berufsberatungstest geht, den ich einst in der neunten Klasse absolvieren musste. Der Test war Bestandteil des Unterrichtsfachs „Arbeit und Wirtschaft“. Er wurde meines Wissens nach vom Arbeitsamt unterstützt und war für alle Schüler verpflichtend. Auf einem Zettel mussten wir ankreuzen, wie wir später einmal arbeiten möchten und welche Tätigkeiten wir uns vorstellen könnten. Ich habe wahrscheinlich Vorgaben wie „kreativ“, „vorwiegend im Innenbereich“ und „mit Menschen“ angekreuzt. Herausgekommen sind dann die beiden eingangs genannten Empfehlungen. Manchmal frage ich mich, wie mein Berufsleben verlaufen wäre, wenn ich mich daran gehalten hätte.

Zumindest mit Pflanzen kann ich etwas anfangen. Auf dem Fensterbrett im Wohnzimmer blühen regelmäßig mehrere Orchideen und es gedeihen eine Zitronenpflanze mit Früchten sowie eine Bananenpalme ohne Früchte. Des Weiteren erfreuen sich diverse weitere Palmengewächse und ein Benjamin bester Gesundheit, obwohl ich mir sicher bin, dass ich die üblichen Regeln in Sachen Bewässerung und Umtopfung keinesfalls einhalte.

Rasen mähen und Bäume beschneiden kann ich auch. Die Erweiterung unseres Wohneigentums um einen großen Garten bringen es seit einiger Zeit mit sich, dass ich meine floristischen Fähigkeiten nun auch im Outdoorbereich anwenden darf. Bisher beschränken sich die Tätigkeiten dort allerdings eher auf Erhaltungsmaßnahmen.

Eine von Blumen oder gar Kosmetik geprägte Berufslaufbahn habe ich nach der Schule dennoch nie in Erwägung gezogen. Vielmehr wollte ich Teil der Generation „Irgendwas mit Medien“ werden. Das war ebenfalls kreativ und fand vorwiegend im Innenbereich statt. Passte also. So verbrachte ich viele Jahre in Zeitungsredaktionen, bei Radiosendern und in Marketingbüros. Vor kurzem hat diese Laufbahn einen erneuten Einschnitt erfahren, sodass ich bei der Lektüre von aktuellen Stellenangeboten immer wieder an den Berufsberatungstest in der neunten Klasse zurückdenken muss.

Wie möchte ich arbeiten und welche Tätigkeiten kann ich mir vorstellen? Unter dem Gesichtspunkt der Selbstverwirklichung eröffnen sich mir ganz neue Möglichkeiten. Das Renommee des Jobs tritt in den Hintergrund. Vielmehr geht es jetzt um Zufriedenheit und die abgedroschen klingende weil oft zitierte aber dennoch so wichtige „Work-Life-Balance“, die aufgrund von drohender Prioritätenverzerrung auch schon als „Life-Work-Balance“ bezeichnet wird.

Bisweilen habe ich den Eindruck, dass es den einen Traumjob für mich nicht gibt. Immer gilt es, Abstriche zu machen, sei es beim Einkommen, beim Arbeitsort, bei Arbeitszeiten oder bei den Aufgaben. Bis zu einem gewissen Maß bin ich damit einverstanden, doch irgendwann ist es zu viel. Und diese Schmerzgrenze ist in letzter Zeit deutlich gesunken. Vielleicht ist das auch etwas, dass ich aus meiner Krebserfahrung gelernt habe. Dass ich in Zukunft nichts mehr akzeptieren möchte, das mir nicht gut tut. Meine Belastbarkeit in diesem Bereich hat in letzter Zeit spürbar nachgelassen. „Die neuen 100 Prozent sind nicht die alten 100 Prozent“, habe ich kürzlich gelesen und das passt.

Die eierlegende Wollmilchsau

Manchmal weiß ich aber auch nicht, was die Arbeitgeber von heute wirklich suchen. Da werden Stellen ausgeschrieben unter der Überschrift „Redakteur“, bei denen im Text allerdings deutlich wird, dass eher ein Mädchen für alles gesucht wird, das neben der Redaktionsarbeit auch noch Events organisieren, Termine koordinieren und Budgets verantworten soll. An anderer Stelle wird ein Pressesprecher gesucht, der sich aber bitte auch mit Haushaltssachbearbeitung auskennen und entsprechende Pläne erstellen soll. In manchen Stellenbeschreibungen wird das dann entweder modern mit „Hands-on-Mentalität“ oder manchmal auch plump mit „wir suchen die eierlegende Wollmilchsau“ (wirklich so gesehen) beschrieben.

Von dieser Jeder-kann-alles-Einstellung halte ich nichts. Ich persönlich halte mich auf gewissen Gebieten für sehr gut ausgebildet und möchte auch auf eben diesen Gebieten meine Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Und das kann ich nur, wenn ich mich voll und ganz auf meinen speziellen Arbeitsbereich konzentriere. Kreative Arbeit, so mein Eindruck, ist für viele manchmal nicht ganz nachzuvollziehen. Wer einen Text verfassen soll, kann nicht gleichzeitig Telefondienst machen. Auch das Auseinandersetzen mit Excel-Tabellen habe ich bei der Textarbeit immer als kontraproduktiv empfunden. Artfremde Tätigkeiten bringen mich aus dem Konzept. Ich sehe dann meine eigentliche Bestimmung nicht erfüllt. Natürlich gibt es Ausnahmen. So habe auch ich oft die Kaffeemaschine gereinigt, Büromaterial aus dem Keller geholt oder das Obst für die Belegschaft besorgt. Doch das verbuche ich eher unter „Social Skills“. In der Stellenanzeige sollten sich solche Tätigkeiten bitte nicht wiederfinden.

Was die Qualität von Stellenausschreibungen angeht, herrscht bei vielen Firmen noch Verbesserungsbedarf. Ich habe mich schon auf Stellen als „Texter“ beworben, indem ich dem Anschreiben eine korrigierte Fassung des Anzeigentextes beigefügt habe. Bei den vielen Rechtschreibfehlern war klar, dass die einen Texter brauchten.

Nicht nur der Bewerber muss sich um den Job, sondern das Unternehmen auch um potenzielle Arbeitnehmer bewerben – Das ist für mich ganz klar! In manchen Personalabteilungen wird sich leider immer noch viel zu wenig Mühe um das Erscheinungsbild der Firma gegeben. Für einen Bewerber auf Jobsuche ist die Stellenanzeige oft der allererste Eindruck, den er von einer Firma bekommt. Und wenn sich dort schon ein mulmiges Gefühl breitmacht, ist die Bewerbung meist nicht von Erfolg gekrönt.

Es gibt zahlreiche Fehlerquellen, die mir sauer aufstoßen. Rechtschreib- und Grammatikfehler habe ich bereits erwähnt. Eine generell unsympathische Formulierung ist eine weitere. Sie kommt meist durch eine unpersönliche Ansprache, zu viel Fachchinesisch und zu viele Aufzählungen zustande.

Wie bei einer guten Bewerbung sollte auch der Text der Stellenanzeige Lust auf mehr machen. Das Unternehmen muss hier schlicht und einfach Werbung für sich machen. Wenn sich der Anzeigentext schon gleich wie eine Arbeitsanweisung anhört, liegt die Befürchtung nahe, dass sich dieser rüde Ton auch später durch den gesamten Arbeitsalltag zieht. Wenn die Aufgaben z.B. mit „agile Bearbeitung konstruktiver und investigativer Themen“ oder mit „Sicherstellung der laufenden Prozesse“ aufgelistet werden, kann ich damit leider gar nichts anfangen. Das sind derart gestelzte und verallgemeinerte Formulierungen, die mir das eigentliche Aufgabengebiet überhaupt nicht näherbringen. Allerdings muss es auch nicht zu detailliert sein wie in der Formulierung „Konzeption, Organisation, Koordination und Umsetzung samt Abwicklung, Betreuung, Abrechnung und Qualitätsüberwachung von Veranstaltungen, Messen, Präsentationen etc.“, die ich kürzlich vernehmen durfte. Weniger ist manchmal mehr. „So viel wie nötig, so wenig wie möglich“ heißt das in der Redakteursausbildung.

Flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege

Meine Lieblingsformulierung in Stellenausschreibungen ist „flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege“, gerne noch ergänzt mit „in einem zukunftsorientierten Unternehmen“. Nicht weil ich nicht in einer modernen und unkomplizierten Arbeitsatmosphäre arbeiten möchte, wie es dieser Satz verspricht, sondern weil er in nahezu jeder Stellenanzeige vorkommt. Es scheint so, als gehörte dieser Satz mittlerweile zum guten Ton und würde deshalb per copy and paste munter in alle Jobbörsen hineinkopiert, dass es eine wahre Freude ist. Diese Floskel muss schleunigst verschwinden oder zumindest überarbeitet werden! Sie muss dringend ihren Copy-and-paste-Charakter verlieren. Ein modernes Arbeitsumfeld und ein unkompliziertes Verhältnis mit den Vorgesetzten kann auch anders beschrieben werden. Manchmal wird das auch aus dem übrigen Text deutlich. Aber dann kann der Passus „flache Hierarchien und kurze Entscheidungswege“ gleich ganz weggelassen werden.

Ich mag es, wenn Firmen auf ihre ganz eigene Weise Werbung für sich machen. Manche präsentieren sich online mit „10 Gründe, warum Sie für uns arbeiten sollten“. Andere haben ganze Webseiten zum Thema „Wir als Arbeitgeber“ erstellt. Daran erkennt man, dass es den Unternehmen auch um das Wohlbefinden seiner Angestellten geht. Davon sollte es viel mehr geben.

Bewerben Sie sich als Arbeitgeber!

Ich drehe den Spieß jetzt einmal um und schalte meine eigene Stellenanzeige:

Mit fast 20 Jahren Berufserfahrung in der Textarbeit ist Stefan Kübler Ihr kompetenter Ansprechpartner in allen Bereichen der schriftlichen Kommunikation. Schreiben und Lesen – Das sind meine Stärken. Mit diesen Fähigkeiten stehe ich Ihnen tagtäglich für Ihre kreative Kommunikation zur Verfügung.

Sind Sie ein freundliches und modernes Unternehmen auf der Suche nach neuen Mitarbeitern? Ich suche Sie als:

Arbeitgeber

Ihre Aufgaben:

  • Sie stellen mich ein und geben mir kreative Aufgaben im Bereich „Text“.
  • An meinem ersten Arbeitstag sorgen Sie für einen freundlichen Einstieg und eine umfassende Einarbeitung.
  • Im Büro stellen Sie mir einen modernen und gesundheitsfördernden Arbeitsplatz zur Verfügung.
  • Im Arbeitsalltag sorgen Sie für eine freundliche, professionelle und vertrauensvolle Atmosphäre.
  • Sie bieten eine angemessene und pünktliche Bezahlung.

Ihr Profil:

  • Moderner, freundlicher und ehrlicher Arbeitgeber mit einer freien unbefristeten Stelle im Bereich „Text“, z.B. in Redaktion, Marketing oder Unternehmenskommunikation.
  • Viele Jahre Berufserfahrung als Arbeitgeber mit ausgeprägtem Interesse zur stetigen Weiterentwicklung.
  • Verständnis für das Wohlbefinden von Arbeitnehmern.
  • Professionelle Einstellung bei der Koordination von Aufgaben.
  • Gesunder Menschenverstand.

Habe ich Ihr Interesse geweckt? Dann freue ich mich auf Ihre Bewerbungsunterlagen! Bitte geben Sie Ihre Gehaltsvorstellungen und einen möglichen Eintrittstermin an. Bei weiteren Fragen zum Aufgabengebiet dieser Stelle setzen Sie sich gerne mit mir in Verbindung. Vielen Dank!

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