Ich habe es wirklich versucht! (6:00)

Weihnachten ohne Geschenke aus dem Internet – Das hat bei mir in den vergangenen Jahren immer gut funktioniert. Trotz der überschaubaren Größe meiner Heimatstadt habe ich im stationären Handel in der örtlichen Fußgängerzone eigentlich immer das bekommen, was ich verschenken wollte. Zugegeben: Bücher, CDs, Handys und Parfum sind nicht allzu ausgefallen, doch selbst bei diesen einfach verfügbaren Artikeln scheinen viele den Gang in die Innenstadt zu scheuen und den Klick im Internet zu bevorzugen. Ich habe in den letzten Jahren erfolgreich darauf verzichten können und bilde mir ein, damit den örtlichen Einzelhandel gestärkt und die Paketboten zur Weihnachtszeit entlastet zu haben.

Diese Weihnachten ging dieses Konzept leider nicht ganz auf. Bei einem Geschenk biss ich mir fast die Zähne aus, um es in einem Geschäft in meiner Nähe zu bekommen – vergeblich. Dabei war es meiner Ansicht nach gar nicht so ausgefallen. Eine Kuscheldecke mit Ärmeln sollte es sein. Meine angeheiratete Mitbewohnerin hatte diesen Wunsch einmal beiläufig geäußert und ich hatte ihn mir sogleich gemerkt. Praktisch war diese Decke allemal, konnte man sich unter ihr doch gemütlich auf dem Sofa einmummeln und dank der Ärmel Wasserglas, Handy und Fernbedienung benutzen, ohne den schützenden Kokon aufbrechen zu müssen. Diese geniale Erfindung war nun schon seit ein paar Jahren auf dem Markt und wurde sogar schon in amerikanischen Sitcoms thematisiert, also ging ich davon aus, dass diese Neuerung mittlerweile auch in meiner kleinen Heimatstadt angekommen sein müsste.

Ich machte mich also auf die Suche nach einer Decke mit Ärmeln und begab mich in ein Fachgeschäft in meiner Fußgängerzone, in dem ich diesen Artikel am ehesten vermutete. Dort wurde meine Frage nach der Decke nur mit einem Kopfschütteln verneint. Keine Erklärung, nur der Verweis auf das große Warenhaus eine Straße weiter, das meinen Wunsch vielleicht erfüllen könnte. Auch das ist Kleinstadt. Dort hilft man sich und empfiehlt zur Not die Konkurrenz.

Auch das große Warenhaus konnte mir nicht weiterhelfen. Decken gab es dort im Überfluss, aber keine hatte Ärmel. Ich stieg also wieder in mein Auto und fuhr ans andere Ende der Stadt in unser großes Möbelhaus. Dort vermutete ich das größte Angebot an Wohndecken und war optimistisch, die passende zu finden. Das Angebot war wie erwartet riesig. Es gab Decken aus Fleece, Flanell, Polyester, mit Cashmere-Feeling, Fellstruktur und für Allergiker, mit Kuschel, ohne Kuschel und bis zu drei Meter groß – aber keine hatte Ärmel. In einem Akt der Höflichkeit schaute ich mir einen Poncho an, doch das war nicht das, was ich suchte.

Auf dem Weg zurück nach Hause gab ich dem stationären Handel noch eine Chance und hielt an einem Fachgeschäft für skandinavische Einrichtungsgegenstände. Das Angebot dort war größer als ich dachte und kurz flackerte die Hoffnung wieder in mir auf, als mich ein Angestellter optimistisch an die Hand nahm und mir die Decke mit Ärmeln zeigen wollte. Letztes Jahr habe er seiner Frau auch eine geschenkt, sagte er unterwegs. Am Regal angekommen wurde er dann aber auch nicht fündig und hätte mir auch hier wieder nur mit einem Poncho aushelfen können.

Doch der nette Herr hatte noch ein Ass im Ärmel und schaute ins „System“. Optimistisch stand ich neben ihm, während er optimistisch am Rechner stand und das „System“ durchsuchte. Leider ohne Erfolg. In diesem Laden sei keine der Decken mehr vorrätig, aber in der Filiale in Schleswig sollten noch 33 Stück vorhanden sein. Kurz überlegte ich, meiner Frau ein Erlebniswochenende in Schleswig zu schenken, inklusive des Besuchs der örtlichen Filiale der kleinen Möbelkette, wo ich ihr dann feierlich die Decke mit Ärmeln überreichen würde. Doch so weit wollte ich es dann doch nicht kommen lassen.

Alles in mir sträubte sich gegen die nun unausweichliche Bestellung des Weihnachtsgeschenks im Internet. Doch ich hatte keine Wahl. Vier Geschäfte hatte ich besucht und viermal war ich unverrichteter Dinge wieder von dannen gezogen. Online fand ich den passenden Artikel ziemlich schnell und bestellte ihn auch sogleich. Das Angebot war mit dem Hinweis versehen, dass es auf jeden Fall noch vor Weihnachten ankommen sollte. Und so kam es dann auch.

Das Geschenk traf sogar einen Tag eher bei mir ein als angekündigt. Das Postauto hörte ich bereits, als es gegen 14 Uhr an der Straße hielt. Die Haustür öffnete ich, als die Türklingel noch nicht ganz verklungen war. Mir gegenüber stand eine gut gelaunte Paketbotin, die mir meine Bestellung überreichte und dann weiterzog. Ich wollte ihr wenigstens noch einen stressfreien Arbeitstag wünschen, doch sie winkte mit dem Hinweis darauf, dass sie gleich Feierabend hätte, ab. Das klang doch entspannt. Musste ich am Ende doch kein schlechtes Gewissen haben?

Vor kurzem habe ich nun auch noch eine Hochrechnung entdeckt, in der die Ökobilanz des Weihnachtsgeschäfts thematisiert wurde. Gemessen am CO2-Ausstoß soll die Onlinebestellung trotz des Energieaufwandes für die Lieferfahrzeuge deutlich umweltfreundlicher sein, als das Einkaufen im Geschäft. Dort werden nämlich noch der Weg zum Laden sowie Heiz- und Stromkosten für das Geschäft mit eingerechnet. Und die stehen weit über dem Energieverbrauch einer Onlinebestellung.

Wie man es macht – alles hat seine Vor- und Nachteile. Den einen, richtigen Weg gibt es wahrscheinlich nicht. Doch vielleicht hilft es schon, sich Gedanken zu machen und bewusst zu konsumieren. Gerade an Weihnachten. Frohe Restfeiertage wünsche ich!

P.S.: Meine Frau hat sich über das Geschenk sehr gefreut. :-)

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